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    Für seine neuste Reihe hat sich Dan Wells (Ich bin kein Serienkiller, Partials…) ein hoch aktuelles Thema ausgesucht – während sich die Virtual Reality derzeit daran macht, nun endlich wirklich den Durchbruch zu schaffen und den Massenmarkt zu erobern, ist die Welt in Bluescreen schon einen großen Schritt weiter. Noch viel stärker als heute findet das Leben online statt. Und das auch mit entsprechenden neuen Gefahren…

    Das ganze Netz, nur ein Augenblinzeln entfernt
    Los Angeles im Jahr 2050. Marisa Carneseca, die technisch versierte 17jährige Tochter mexikanischer Restaurantbesitzer, gehört zu einem aufstrebenden Mädchenteam im Shootergame Overworld. Auch außerhalb der Trainingseinheiten spielt sich ein großer Teil ihres Lebens online ab. Inzwischen sind so genannte Djinnis zum Standard geworden, die als Implantate das Gehirn direkt ansteuern und so beispielsweise jederzeit relevante Informationen, ohne entsprechenden Schutz aber z.B. auch penetrante Werbung, auf die Netzhaut liefern. Das Straßenbild wird von selbst fahrenden Autos beherrscht, roboterähnliche Maschinen erledigen selbst in Mittelklassefamilien die Hausarbeit und futuristische Prothesen ersetzen nicht nur bei Unfällen verloren gegangene Gliedmaßen.
    Schöne neue Welt? Nicht ganz: In Marisas Heimatstadtteil Mirador muss man mit Schutzgelderpressung und Bandenkriegen rechnen, außerdem wurden viele Menschen von der technischen Entwicklung abgehängt und haben z.B. durch die wachsende Rolle der Maschinen ihren Arbeitsplatz verloren. Verschärft wird die angespannte Situation durch das Auftauchen einer neuen Droge in Dateiform namens Bluescreen, die bei den Nutzern zum völligen Kontrollverlust führt. Als eine Freundin der Heldin dem mysteriösen Übel ebenfalls zum Opfer fällt, beschließt Marisa – unterstützt von ihrem ebenfalls gewitzten Team – der Sache auf den Grund zu gehen. Allerdings machen sich die Jugendlichen dadurch mächtige Feinde.,,

    bluescreencover

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 368 Seiten
    seit 04.10.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Das kommt mir Spanisch vor (im wahrsten Sinne des Wortes)
    Es ist interessant und spannend zu lesen, wie Marisa der Wirkungsweise von Bluescreen und den Machern der Droge Stück für Stück näher kommt. Neben der pfiffigen Hauptfigur tragen auch ein paar andere sympathische Charaktere zur Lösung des Falls bei, darunter eine Freundin, die praktisch ihr ganzes Leben live in einer Art Youtube-Kanal mit der Öffentlichkeit teilt (was stellenweise sogar überraschend hilfreich sein kann) oder Marisas völlig gegensätzlich eingestellter Kumpel Bao, der sich dem ganzen Technik-Zeug standhaft verweigert.
    Etwas gewöhnungsbedürftig sind die immer wieder vorkommenden spanischen Wörter und Sätze, die zwar die Atmosphäre in Mirador unterstreichen, ohne entsprechende Sprachkenntnisse aber ein wenig verwirren.

    Die Geschichte hat einige Wendungen zu bieten und weiß in ihren Dialogen außerdem durch schlagfertige Kommentare und immer wieder auch eine Portion Humor zu gefallen. Zu Beginn wird man etwas unvermittelt in die Zukunftswelt geworfen und muss sich die genaueren Hintergründe des Onlinespiels und der anderen mordernen Errungenschaften mit der Zeit erlesen. Durch die detaillierten, aber auch nicht zu haarkleinen Beschreibungen von Gerätschaften, Onlinediensten und gesellschaftlichen Verhältnissen hat man das gelungene Setting dann aber gut vor Augen.
    Bluescreen eignet sich vor allem für Gamer und generell Leser, die Spaß daran haben, sich mit technischen Spielereien und dem Nachdenken über deren zukünftige Entwicklung zu beschäftigen.
    Die Vorstellung, sich z.B. Djinnis implantieren zu lassen und Kabel an den Kopf zu stöpseln, mag für uns noch befremdlich wirken, aber vielleicht sind wir gar nicht mehr so weit davon entfernt.

    Eine Geschichte ist zwar mit diesem Band weitgehend abgeschlossen, es bleiben aber noch lose Fäden und vor allem auf den letzten Seite werden interessante Fragen für die Fortsetzung aufgeworfen. Laut eigenen Angaben im Nachwort hofft der Autor darauf, Mirador zu einer umfangreichen Serie auszubauen. Ich werde mich jedenfalls gern wieder mit Marisa und Co. in die Abenteuer der nicht allzu fernen Zukunft stürzen.

    Fazit

    Bluescreen ist der gelungene Auftakt einer neuen Science-Fiction-Reihe. Vor allem Technik- und Gaming-interessierte Leser werden ihre Freude am Abenteuer der gewitzten Heldin haben. Und trotz humorvoller Anteile regt das Buch auch zum Nachdenken über die Chancen und Risiken der weiteren technischen Entwicklung an.

    Wertung


    Pro

    • interessantes Szenario
    • spannende Geschichte
    • Humor, aber auch ernste Untertöne
    • sympathische Charaktere

    Contra

    • etwas schwieriger Einstieg
    • recht viele spanische Dialog-Teile
     

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 28.Okt.2016 1.072 x gelesen