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    In seinem Debüt vereint Sebastien de Castell heroische und Dark Fantasy, indem er gefallene Helden in eine zynische, dreckige Welt versetzt. Aufgefallen ist mir das Buch vor allem aufgrund des Covers, das vom Stil her große Ähnlichkeit mit dem des bekannten Videospiels „Dragon Age“ aufweist.

    blutrecht

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 444 Seiten
    seit 12.05.2014 im Handel
    Leseprobe / Bestelen bei Amazon

    Von Helden zu Ausgestoßenen
    Die Greatcoats waren einst die Richter des Königs, die durch die Lande ritten und allen Menschen Gerechtigkeit bringen sollten. Um das Recht durchzusetzen, mussten sie auch begnadete Kämpfer sein. Doch als die Herzöge des Lande den König stürzten, kämpften die Greatcoats nicht für ihn. Sie wurden in alle Winde verstreut und schlagen sich nun, als Verräter und Lumpenmäntel verachtet, mit Gelegenheitsarbeiten oder auch als Verbrecher durch.
    Falcio war einst der Anführer der Greatcoats, nur zwei seiner Gefährten sind ihm geblieben, der Bogenschütze Brasti und der begnadete Schwertkämpfer Kest. Als das Trio sich einem Karawanenlord als Leibwächter andient, geraten sie in eine Intrige, die weit in die Vergangenheit reicht.

    Geschickt verbindet der Autor in seiner Geschichte Gegenwart und Vergangenheit seiner Welt. Immer wieder erinnert sich Falcio an seine Zeit als Greatcoat, wie er einer wurde und vor allem, warum er und seine Kameraden den König nicht verteidigten. Die eigentliche Handlung ist dabei auch stets spannend, auch wenn die Intrigen, in deren Netz sich Falcio, Brasti und Kest verfangen, auf ein paar Zufällen zu viel basieren.

    Der Autor erzählt uns die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Falcio, spricht aber zuweilen auch den Leser direkt an. Das ist manchmal passend, zuweilen jedoch etwas zu flapsig geraten und passt nicht immer zur Atmosphäre. Diese ist davon abgesehen aber sehr gut gelungen und wird Fans von Scott Lynch oder Joe Abercrombie ansprechen. Die Sprache und auch die Sitten sind rau, aber es wirkt stets authentisch. Dass de Castell sich auch als Kampfchoreograph betätigt, merkt man den Kampfbeschreibungen an. Gerade die Waffenführung und die Manöver sind sehr detailliert beschrieben, ohne dass es der Dynamik der Szenen abträglich wäre.
    Ein wenig blass bleibt hingegen die Welt selbst. Magie kommt nur am Rande vor, besondere Kreaturen scheint es auch nicht zu geben und auch die Rolle von Göttern und Heiligen wird nicht wirklich klar. Da die Reisen innerhalb der Welt sehr schnell vonstatten gehen, fällt es schwer, sich ein genaueres Bild der politischen Lage oder der Landschaft zu machen.
    Dafür hat der Autor in Sachen Greatcoats (übrigens der einzige nicht eingedeutschte Begriff im Buch) einige interessante Ideen, so sangen sie z.B. die Gesetze des Königs, damit diese dem Volk besser im Gedächtnis blieben.
    Obwohl es eine Fortsetzung (erscheint im Herbst) gibt, wird der erste Band zu einem zufriedenstellenden Ende geführt und mündet nicht etwa in einen fiesen Cliffhanger.

    Fazit

    Mit Blutrecht ist de Castell ein bemerkenswertes Debüt gelungen. Zwar fehlt es seiner Welt ein wenig an Details, dafür wirken sie und auch die darin handelnden Figuren sehr authentisch, die Handlung ist packend und die Spannungskurve hängt nie durch. Ärgerlich allerdings, dass der Verlag wegen einer sinnfreien Klappbroschur (keine Karte, keine nennenswerten Zusatzinfos) 17 Euro für das gerade mal 444 Seiten lange Werk verlangt.

    Wertung


    Pro

    • glaubwürdige Welt
    • gut ausgearbeitete Figuren
    • komplexe, durchdachte Handlung

    Contra

    • Welt fehlt es an Details
    • Handlung basiert auf einigen Zufällen
    • Sprache zuweilen zu flapsig
    • unnötige Klappbroschur/hoher Preis

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 29.Mai.2014 1.761 x gelesen