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    Vor gut 120 Jahren veröffentliche H. G. Wells den Science-Fiction-Klassiker „Krieg der Welten“, in dem Marsianer auf der Erde landen. Mittlerweile ist der Autor 70 Jahre tot und das Urheberrecht an seinen Werken somit erloschen. Dadurch sind nicht nur eine Vielzahl von Neuauflagen des Klassikers erschienen, mit dem vorliegenden Das Ende der Menschheit bringt Heyne nun auch noch „die offizielle Fortsetzung“ von Stephen Baxter. Kann das neue Werk überzeugen?

    endedermenschheit_cover

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 593 Seiten
    seit 09.10.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Die Marsianer kehren zurück
    Walter Jenkins, Erzähler des „Krieg der Welten“, hat es vorhergesehen: Zwar wurde die erste Invasion der Marsianer abgewehrt, doch vierzehn Jahre später kehren sie wieder und landen abermals in England. Die Menschheit wähnt sich vorbereitet, hat durch die bei der ersten Invasion erbeuteten Technologien große Fortschritte gemacht, aber die Marsianer haben einige Überraschungen in petto.
    Julie Elphinstone, die Schwägerin von Jenkins, schildert in ihren Memoiren die Ereignisse des zweiten Krieges gegen die Marsianer, in dem ihr eine wichtige Rolle zukommt.

    Julie ist nicht die einzige Figur aus dem Originalroman, die Baxter wieder auftreten lässt. Auch ihr Ex-Mann Frank (Walters Bruder), Walter Jenkins selbst, Albert Cook und andere tauchen wieder auf.
    Baxter hat sich auch bewusst entschieden, den Roman ähnlich aufzuziehen wie den ersten Teil. Wir erleben die Geschichte also überwiegend aus der Sicht einer Ich-Erzählerin, die ab und an Berichte, die sie erhalten hat, wiedergibt, in denen dann in einen personalen Erzählstil gewechselt wird. Da das ganze 1920 spielt, ist die verwendete Sprache der Erzählerin manchmal etwas gespreizt. Vor allem aber ist von Beginn an klar: Julie hat den Krieg überlebt, denn der Roman beginnt damit, wie sie über die Ereignisse nachsinnt, die sie nun niederzuschreiben gedenkt. Das und die immer wiederkehrenden Formulierungen „wie ich noch erfahren sollte“ oder „wie er mir später berichten sollte“ kosten den Roman eine Menge Spannung. Stets ist klar, dass den handelnden Personen nichts geschehen wird, da es den vorliegenden Bericht sonst nicht gegeben hätte. Somit ist das Buch stilistisch vielleicht eine gelungene Hommage, wirkt aber recht zäh und schleppend erzählt.

    Das liegt auch daran, dass sich Baxter immer wieder in Details verliert. Das ist zwar manchmal ganz interessant, dann nämlich, wenn es um die alternative Zeitlinie geht und er Dinge beschreibt, die sich durch die Invasion der Marsianer verändert haben (es kam z.B. nie zum ersten Weltkrieg, die Kommunisten ergriffen in Russland nicht die Macht …). Oft ergeht er sich aber auch in Info-Dumps über unwichtig erscheinende Einzelheiten, beispielsweise wird jede Reise beschrieben, auch wenn nichts wesentliches passiert. Viele Dialoge wirken gestelzt und langatmig und bringen weder Handlung noch Charaktere wirklich voran. Manche der kurzen Kapitel, die oft mit nichtssagenden Überschriften wie „In Portsmouth“ betitelt sind, hätte man komplett streichen können.

    Hin und wieder kommt aber dennoch Spannung auf, vor allem wenn die Marsianer im Spiel sind. Bei 2/3 des Romans war ich noch guter Hoffnung, wenn schon keinen guten, so doch wenigstens noch einen ordentlichen SF-Roman geboten zu bekommen. Aber das Finale hat Baxter dann leider total vor die Wand gefahren.
    Nicht nur, dass er im Stil einer Kurzgeschichten-Anthologie 100 Seiten vor Schluss nochmal zig neue Personen einführt und Ereignisse rund um den Globus beschreibt – während der Leser eigentlich wissen will, ob die Hauptgeschichte zu einem gelungenen Ende geführt wird. Nein, das eigentliche Ende wird dann auch noch in aller Kürze abgehandelt und ist der Prototyp einer Deus-Ex-Machina. Gut, auch das mag man als Hommage an das Original sehen, Baxter lässt seine Ich-Erzählerin sogar darüber nachdenken. Trotzdem wirkt das Ende zu einfach, an den Haaren herbeigezogen und wenig überzeugend. Dass dann noch ein 50 Seiten langer, wenig erbaulicher Epilog folgt, der 14 Jahre später spielt, setzt dem ganzen die Krone auf und so legte ich das Buch eher erleichtert beiseite, als ich es endlich hinter mich gebracht hatte.

    Fazit

    Das Ende der Menschheit zeigt gute Ansätze für eine gelungene Hommage an den Klassiker, hat auch einige interessante Ideen zu bieten, ist aber umständlich, unnötig ausführlich und spannungsarm erzählt. Am Ende zerfasert der Roman dann vollends, sodass er letztlich nur als Enttäuschung bezeichnet werden kann.

    Wertung


    Pro

    • gelungene Einbindung vieler bekannter Personen
    • einige gute Ideen zu den Marsianern und dem alternativen Geschichtsverlauf

    Contra

    • unnötig detailverliebt, viele Kapitel erscheinen schlicht überflüssig
    • Spannung wird geradezu mutwillig zerstört
    • Geschichte zerfasert am Ende völlig
    • Ende wirkt an den Haaren herbeigezogen und wird übereilt abgehandelt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Jörg Benne 17.Okt.2017 1.148 x gelesen