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    Der Australier James Islington hat sich bei seinem Debüt gleich für ein ambitioniertes Projekt entschieden, das Fans epischer Fantasyromane ansprechen soll. Bei unserer Umfrage zu den Mai-Neuerscheinungen konnte Das Erbe der Seher bereits einige Interessenten finden, hier nun die passende Rezension.

    Abitur ist nix dagegen
    Der junge Davian versucht, die auf „Essenz“ basierenden magischen Fähigkeiten zu meistern, welche sich in einer Notlage bei ihm zeigten. Doch auch kurz vor den alles entscheidenden Prüfungen gelingt es dem Schüler nicht, sein Potenzial zu nutzen. Davian droht die Verwandlung in einen der magielosen „Schatten“, die in seiner Welt noch weitaus weniger angesehen sind als die ohnehin schon mit Misstrauen beäugten und strengen Regeln unterworfenen Begabten. Doch eines Tages taucht ein fremder Ältester auf und macht Davian Hoffnung, andernorts Hilfe für sein Problem zu finden. Der Protagonist macht sich auf den Weg, ohne zu ahnen, dass er dadurch in umfangreiche Verschwörungen und die Anfänge eines neuen Krieges verwickelt werden soll…

    erbederseher

    (c) Knaur
    Umfang: 784 Seiten (Klappbroschur)
    seit 02.05.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Ein schwieriges Erbe
    Aufgrund der Tatsache, dass die früher herrschenden Zauberer ihre Macht missbrauchten und mit der Zeit unzuverlässig wurden, entwickelte sich in der Welt des Buches ein vorsichtiger bis feindseliger Umgang mit den Begabten, dessen Auswirkungen in der Geschichte an allen Ecken und Enden zu spüren sind.
    Die Hintergründe werden stückweise in die Story eingeflochten und sind anfangs etwas schwierig einzuordnen. Hinzu kommen zahlreiche Namen und Konzepte, die vom Leser verarbeitet werden wollen, was den Einstieg eher schwierig und auch ein wenig schleppend gestaltet. Hilfreich wäre eventuell ein Glossar mit Personenverzeichnis, historischen Informationen und Details zu wichtigen Begriffen gewesen.

    Danach nimmt die Handlung aber deutlich an Fahrt auf und wird unter anderem durch ein paar andere zentrale Charaktere erweitert, deren Perspektive (allerdings überall in der dritten Person erzählt) in vielen Kapiteln in den Mittelpunkt rückt. Darunter z.B. Davians Freundin Ashalia, die aus erster Hand erleben muss, wie es den Schatten ergeht, oder ein junger Mann, welcher beschuldigt wird, sein ganzes Dorf ausgelöscht zu haben.
    Die Figuren machen eine deutliche Entwicklung durch und wachsen dem Leser dabei ans Herz, auch wenn stellenweise kleine Klischees bemerkbar sind.
    Generell finden sich im Buch einige bekannt wirkende Elemente: Ein Findelkind mit besonderen Fähigkeiten (die aber erst mal nicht wie gewünscht genutzt werden können), ein mächtiger Fremdling mit Gedächtnisverlust, machthungrige Magierschulen und deren Widersacher, auf mysteriöse Weise fremdgesteuerte Kämpfer…

    Für Überraschungen ist gesorgt
    Trotzdem bietet Das Erbe der Seher aber eine spannende Geschichte mit diversen Wendungen und auch eigenen Ideen. Man darf sich über komplexere Zusammenhänge freuen, die sich erst im Lauf des Buches zeigen bzw. auch am weitgehend offenen Ende noch längst nicht ganz zu durchschauen sind. Hoffentlich geht der groß angelegten Trilogie nicht zu früh die Luft aus, sondern es gelingt dem Autor, den Plot mit all seinen geheimen Identitäten, Visionen, Zeitreisen und Charakteren ansprechend fortzuführen und dann vor allem auch rund abzuschließen. Die Ansätze sind jedenfalls vielversprechend.

    Noch ein kurzer Abschnitt zur Übersetzung. Die ist an sich durchaus gut, aber mir sind ein paar kleine Grammatikfehler oder nicht optimal gewählte Bedeutungen aufgefallen – da wird z.B. jemand auf 1 ½ Seiten dreimal von einem anderen „angefunkelt“. Das hätte man sicherlich abwechslungsreicher formulieren können. Ich habe die Passage mal spaßenshalber mit der Originalversion verglichen und da werden wirklich auch drei verschiedene Ausdrücke benutzt.

    Fazit

    Der Auftakt der ambitionierten Licanius-Saga ist gelungenes Lesefutter für Fans der epischen Fantasy. Zwar kommen einem manche Inhalte etwas zu bekannt vor, der Autor hat um diese Elemente herum aber eine vielschichtige eigene Story entworfen, deren Komplexität sich zum Beispiel in allerlei Wendungen und einem gelungenen Magiesystem zeigt. Der Einstieg fällt nicht ganz leicht, insgesamt macht es aber viel Spaß, die sympathischen Charaktere bei der Entdeckung von düsteren Machenschaften, drohenden Invasionen und ungeahnten Fähigkeiten zu begleiten. Das offene Ende weckt Neugier auf die Fortsetzungen.

    Wertung


    Pro

    • spannende Story mit einigen Wendungen
    • sympathische Charaktere
    • interessante magische Fähigkeiten

    Contra

    • etwas schwieriger Einstieg
    • einige Klischees/bekannt wirkende Elemente

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 12.Mai.2017 479 x gelesen