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    Mit seiner Rabenschatten-Trilogie (Rezension zu Band 1 hier) schuf Anthony Ryan eine beeindruckende epische Story, auch wenn deren Abschluss nicht hundertprozentig überzeugen konnte. Das Erwachen des Feuers bildet nun den Auftakt einer neuen Reihe mit deutlich anderer Fantasy-Thematik.

    Für die einen Säure, für die anderen ein wahrer Zaubertrank
    Je nach Farbe eines Drachen verleiht sein Blut besonderen Menschen vorübergehend außergewöhnliche Fähigkeiten wie eine Art Telepathie oder Beherrschung des Feuers. Drachen als Lieferanten dafür werden entweder in der Wildnis gefangen, was natürlich mit allerlei Gefahren verbunden ist, oder in speziellen Zuchtställen herangezogen und ausgebeutet. Beide Methoden haben aber in den letzten Jahren an Effizienz eingebüßt und das schlicht „Produkt“ genannte Erzeugnis Drachenblut könnte bald noch viel knapper werden. Darüber hinaus drohen politische Auseinandersetzungen zwischen den Kontinenten.
    In dieser kritischen Situation wird eine geheime Expedition auf den Weg gebracht, um den rätselhaften weißen Drachen ausfindig zu machen, dessen noch unbekannte Fähigkeiten für einen entscheidenden Vorteil im Kampf um Macht und Profit sorgen könnten…

    Der Dieb und unregistrierte „Blutgesegnete“ Claydon Torcreek, kurz Clay, schließt sich unfreiwillig der Suche an und begibt sich zusammen mit einer bunt gemischten Drachenjägertruppe ins gefährliche Dschungelgebiet. Gleichzeitig ist durch ihn die Verbindung zu Hauptfigur Nummer zwei, der Spionin Lizanne möglich, die weiteren nützlichen Hintergrundinformationen für die Mission auf der Spur ist. Vorerst unabhängig von den anderen Protagonisten wird der dritte Held, Marineoffizier Hilemore, an Bord eines – gemessen am Setting – revolutionären Schiffes auf Piratenjagd in die beginnenden Kriegshandlungen verwickelt.
    Die verschiedenen Perspektiven wechseln sich kapitelweise ab und enden häufig mit einem Cliffhanger. Mir persönlich gefällt die Abwechslung und die durch solche Situationen aufgebaute Spannung, ich kann es aber auch verstehen, wenn sich Leser dadurch immer wieder aus dem aktuellen Geschehen herausgerissen fühlen. Wie so oft bleibt das Geschmackssache.

    (c) Klett-Cotta
    Umfang: 725 Seiten (Hardcover)
    seit 09.09.2017 im Handel
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    Hafenstädte, Urwald und das sturmumtoste Meer
    Das gilt auch für die Schwerpunkte der Story. Das Erwachen des Blutes nutzt trotz Drachen und Blutgesegneten über weite Strecken relativ wenige „magische“ Inhalte. Die Geschichte hat stattdessen viel von einem historischen Abenteuerroman, mit starkem viktorianischem Einschlag, nur eben aus einer fremden Welt. Steampunk-Elemente wie die Schiffe, verschiedene Waffen und technische Spielereien für Lizannes Agenten-Alltag sind eine weitere Ingredienz dieser durchaus interessanten Mischung.

    Lizannes Handlungsstrang fand ich dabei meistens am fesselndsten, Clays Teil der Story glänzt ebenfalls mit vielen spannenden Momenten und vor allem auch gelungenen Schauplätzen, die Passagen mit Seeschlachten und Co. sind dagegen nicht wirklich nach meinem Geschmack. Wer auf Schiffe, Technik und maritime Kriegsführung steht, wird aber sicherlich seine Freude daran haben.
    Egal in welcher der Untergeschichten überzeugt außerdem die detaillierte Welt mit komplex ausgearbeiteter Gesellschaft im Bezug auf Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft. Die unterschiedlichen Orte von eleganten Herrenhäusern bis zu Ruinen in der bedrohlichen Wildnis werden sehr anschaulich geschildert.

    Lizanne lässt anfangs kaum Gefühle zu und will ganz professionell bleiben, wird dann aber doch etwas aus dem Konzept gebracht und entdeckt ihre menschliche Seite (allerdings zum Glück ohne schnulzige Liebesgeschichte…). Auch Clay wandelt sich auf der Reise und wächst einem ans Herz, während Hilemore noch relativ blass bleibt. In ein paar Szenen deutet sich immerhin bereits an, dass der Offizier das Herz auf dem rechten Fleck hat und Potenzial für die Fortsetzung (nach einem ziemlich offenen Ende) bietet.
    Ein paar gelungene Nebencharaktere in jedem der Handlungsstränge bilden gute Ergänzungen zu den eigentlichen Helden.

    Fazit

    Das Erwachen des Feuers ist eine interessante Mischung aus (meist relativ sparsam verwendeten) typischen Fantasy-Elementen, historisch anmutender Abenteuergeschichte und Steampunk-Anleihen. Die detaillierte Welt des Buches wird anschaulich geschildert und hält viele spannende Szenen bereit, allerdings kann einer der drei abwechselnd erzählten Handlungsstränge in Sachen Story und Sympathiepunkte nicht so ganz mit den anderen beiden mithalten, was jedoch auch deutlich von den Interessen des Lesers abhängt – wer Schiffe und Seeschlachten mag, erhöht die Wertung einfach für sich entsprechend.

    Wertung


    Pro

    • interessante, abwechslungsreiche Themen-Mischung
    • gelungene Welt mit eigener Gesellschaft
    • spannende Expeditions- und Agenten-Abenteuer 
    • einige starke Charaktere

    Contra

    • schwächere Story und Hauptfigur im Seefahrts-Teil

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 23.Okt.2017 1.093 x gelesen