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    Der Titel ist ansprechend, das düstere Cover macht neugierig und noch dazu konnte sich Das Haus der gebrochenen Schwingen einen British Science Fiction Award sichern. Warum mich Aliette de Bodards Urban Fantasy-Werk trotzdem nicht recht begeistern konnte, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

    Die Stadt der Liebe in Trümmern
    Das Paris dieser alternativen Historie ist eine heruntergekommene Stadt, Jahrzehnte nach einem großen Krieg. In den Ruinen der ehemals prachtvollen Metropole verspricht fast nur die Zugehörigkeit zu einem der mächtigen Häuser Schutz – aber der hat seinen Preis. Gehorsam wird vorausgesetzt und die Herrschenden gehen bei ihren Machtkämpfen und Intrigen auch über Leichen.
    An der Spitze stehen üblicherweise gefallene Engel, die wegen ihres rebellischen Verhaltens aus dem Himmel verstoßen und mit dem Verlust ihrer Flügel und Erinnerungen bestraft werden. Die mystischen Wesen in Menschengestalt können Jahrhunderte leben, sind aber keinesfalls unsterblich. Insbesondere im benommenen Zustand kurz nach dem Sturz können die Gefallenen verwundet und von skrupellosen Banden als Quellen magischer Kraft regelrecht ausgeschlachtet werden.
    Ein solches Schicksal droht auch Isabelle, einer der Hauptfiguren, die im letzten Moment von der Hausanführerin Selene gerettet wird. Da auch im Bandenmitglied Philippe weit mehr zu stecken scheint, als man auf den ersten Blick vermutet, werden beide ins Haus Silberspitzen aufgenommen, welches kurz darauf von den Auswirkungen eines tödlichen Fluchs erschüttert wird…

    Neben Philippe, der als Söldner aus der vietnamesischen Kolonie nach Paris verschleppt wurde, der neugierigen Gefallenen Isabelle und Selene, welche einst in die zu großen Fußstapfen ihres Meisters Morgenstern treten musste, steht auch noch die menschliche Alchemistin Madeleine im Mittelpunkt, die sich durch ihre Abhängigkeit von so genannter Engelsessenz langsam aber sicher zugrunderichtet. Die Charaktere werden in die Rivalitäten zwischen den Häusern verwickelt und bekommen es zu allem Übel eben auch noch mit geheimnisvollen Todesfällen zutun.

    (c) Knaur
    Umfang: 480 Seiten (Taschenbuch)
    seit 01.08.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Ein Hauch Fernost
    Immer wieder werden außerdem Erinnerungen und angedeutete Ereignisse aus Philippes Vergangenheit eingeflochten, die weitaus länger zurückreicht, als man es bei seinem jungen Äußeren erwarten würde. Damit kommen auch Elemente aus der fernöstlichen Mythologie ins Spiel – Jadekaiser, Flussdrachen und Ahnengeister treffen auf das zerstörte Paris der gefallenen Engel. So entsteht ein interessantes, oft düsteres Szenario mit gelungener Atmosphäre, das aber in vielen Bereichen erst angeschnitten wird. Es bleibt teils bei Andeutungen, die vielleicht in weiteren Geschichten aus dieser Welt ausgearbeitet werden können. Auch am Ende sind, obwohl die Story rund um den Fluch weitgehend abgeschlossen wird, noch Fragen offen und eine Fortsetzung kündigt sich praktisch an.

    Die Protagonisten wurden zwar mit ein paar interessanten Charakterzügen und Schwächen versehen, ließen mich aber leider über weite Strecken enttäuschend kalt. Vor allem Isabelle wirkt ziemlich blass, außer gegen Ende. Am besten hat mir Philippe mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit gefallen. Gerade von gefallenen Engeln hätte ich mir im Vorfeld mehr Faszination erwartet, diese unterscheiden sich hier aber letztendlich nur geringfügig von ihren normalsterblichen Zeitgenossen.

    Stilistisch kann das Buch durch schöne Formulierungen und die gut herausgearbeitete verfallene Szenerie überzeugen, der Aufbau der Story ist in meinen Augen aber nicht unbedingt optimal. Manches erscheint wirr, wie in einem Fiebertraum, an anderen Stellen zieht sich die Handlung zu sehr in die Länge.

    Fazit

    Das Haus der gebrochenen Schwingen entführt den Leser in ein faszinierendes, anschaulich geschildertes Szenario mit düsterer Atmosphäre, das allerdings an einigen Stellen noch nicht genug ausgearbeitet erscheint. Viele interessante Details werden lediglich angedeutet und Fragen bleiben offen. Vor allem sind mir die Charaktere trotz guter Ansätze nicht richtig ans Herz gewachsen und die Erzählweise wirkt stellenweise zu wirr. Vom Element der gefallenen Engel hätte ich mir auch irgendwie mehr erwartet.

    Wertung


    Pro

    • spannendes Szenario
    • düstere Atmosphäre
    • Anleihen aus fernöstlicher Mythologie
    • gelungene Formulierungen

    Contra

    • die Charaktere sind teils verbesserungswürdig
    • das Potenzial des Settings wird nur teilweise genutzt
    • suboptimaler Handlungsverlauf

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Allgemein
    von Christina Schmitt 21.Aug.2017 769 x gelesen