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    Der russische Autor Alexey Pehov veröffentlichte bereits einige hochkarätige Fantasy-Werke, darunter etwa die Seelenfänger-Reihe, welche mir sehr gut gefiel (siehe Rezension). Das Siegel von Rapgar ist nun ein ganz neuer Mix aus Steampunk, Magie und Krimi in einer noch unbekannten Welt.

    Die Suche nach der Wahrheit
    Till er´ Cartya ist ein Luxer und damit Teil einer aristokratischen Elite langlebiger Magier. Doch einige Jahre zuvor wurde er zu Unrecht eines Schwerverbrechens beschuldigt. Unter den Folgen der Verurteilung und Gefangenschaft leidet er noch immer, zumal der wahre Täter nie gefunden wurde. Während einer Zugfahrt zurück in seine Heimatstadt Rapgar macht Till die Bekanntschaft einer geheimnisvollen jungen Dame und wird in ein Netz aus Verschwörungen, Mordfällen und Machtkämpfen verwickelt.

    Ähnlich wie in den Seelenfänger-Bücher mutet die Welt etwas wie eine alternative und mit übersinnlichen Elementen angereicherte Variante unserer eigenen an, hier allerdings nicht mittelalterlich, sondern eher viktorianisch. Rapgar hat viel von einem London der Industrialisierung, andere erwähnte Länder kann man z.B. mit Indien oder arabischen Gefilden vergleichen.
    Trotz vertrauter Elemente wie Dampfmaschinen, Luftschiffen und der recht neu entdeckten Elektrizität wurden jedoch zahlreiche eigene Ideen, etwa eine interessante Mischung fremdartiger vernunftbegabter Wesen, eingebaut. Die Menschen teilen sich ihre Heimat unter anderem mit „Murzern“ (Katzenleute), „Kagas“ (erinnern an zu groß geratene Maulwürfe), lebenden Toten und dämonischen Erscheinungen. Eine wichtige Rolle nehmen auch die Amnes ein, in Gegenstände gebannte Seelen, welche im Dienst der Luxer stehen und als Berater oder auch schlagkräftige Kampfgefährten herhalten.

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 592 Seiten
    seit 03.04.2018 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Geduld wird belohnt
    Der Einstieg in das ziemlich komplexe Szenario wird dem Leser nicht ganz einfach gemacht, weil man mit allerlei noch fremden Begriffen und Konzepten bombardiert wird. Auch die Einzelheiten zu Tills Vergangenheit und Strafe werden erst nach und nach enthüllt, vorher lediglich stückweise angedeutet. Dranbleiben lohnt sich aber auf jeden Fall, denn nach den Anfangsschwierigkeiten weiß das sehr fantasievoll und detailreich entworfene Setting wirklich zu faszinieren.
    Schön wurde z.B. die Anfahrt mit dem Zug gelöst, denn dabei hat man gleich die Gelegenheit, einiges über die einzelnen Bezirke und Sehenswürdigkeiten Rapgars zu erfahren. Auch ein Teil der exotischen Völker wird beschrieben, weitere lernt man im Verlauf der Geschichte kennen. Hilfreich wäre trotzdem eventuell ein Glossar gewesen, genau wie eine Karte der Welt (auf der im Umschlag ist lediglich das Gebiet von Rapgar abgebildet).

    Der Autor nimmt sich Zeit für die Ausgestaltung seiner Welt – die Schauplätze von düsteren Gassen, über edle Glückspiel-Treffs der Reichen und verqualmte Fabrik-Inseln bis zu gruseligen Friedhöfen sind liebevoll geschildert und werden regelrecht greifbar.
    Stellenweise kommt die eigentliche Story dabei ein wenig zu schleppend voran und einzelne Szenen hätte man nicht unbedingt im vorliegenden Umfang gebraucht, die Atmosphäre entschädigt jedoch recht gut dafür. Und zwischendurch sowie vor allem am Ende wird dann auch nicht mit Wendungen und Action gespart.
    Der Schluss ist relativ komplett, so dass die Geschichte als guter Einzelband für sich stehen kann, auch wenn es doch schade um diese ausgefeilte Welt wäre, wenn es bei nur einem Buch bleiben würde…

    Neben Welt und Atmosphäre können auch die Figuren überzeugen. Der sympathische Hauptcharakter erzählt seine Erlebnisse in der Ich-Perspektive, der Leser bekommt schöne Einblicke in Tills Sicht der Lage. Nicht zuletzt die Interaktion mit dem grantigen, aber loyalen Amnis Stephan, der in einem Spazierstock haust und irgendwie an einen Großvater erinnert (nur noch viel älter), gibt dem Ganzen eine besondere Note. Unterstützt wird der Held durch ein paar andere treue Freunde mit ihren speziellen Eigenarten und Fähigkeiten.

    Nebenbei bemerkt: Weglaufende/-gehende Männer in blau-düsteren Gassen sind anscheinend gerade im Trend bei der Cover-Gestaltung, siehe Die 13 Gezeichneten

    Fazit

    Alexey Pehov hat erneut eine faszinierende Welt voller Ideen und mit sympathischen Charakteren erschaffen. Die Mischung aus Elementen wie Steampunk und Krimi inmitten eigenartiger Völker lädt zum Entdecken ein und glänzt mit dichter Atmosphäre sowie schönen Formulierungen. Den nicht ganz einfachen Einstieg und kleine Längen kann man da recht gut verschmerzen.

    Wertung


    Pro

    • fantasievolle Welt mit ungewöhnlichen Völkern und gesellschaftlichen Besonderheiten
    • sympathischer Hauptcharakter und interessante Nebenfiguren
    • schöne Themen-Mischung
    • dichte Atmosphäre
    • gelungener Schreibstil

    Contra

    • etwas schwieriger Einstieg
    • kleine Längen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 20.Apr.2018 446 x gelesen