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    John Scalzi hat sich mit „Der Krieg der Klone“ einen Namen gemacht und darf sich mittlerweile auch Hugo-Preisträger nennen. Mit „Das Syndrom“ kommt nun ein neuer SF-Thriller, der in einer nahen Zukunft spielt.

    syndrom

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 400 Seiten
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Gefangen im eigenen Körper
    Ein unbekannter Virus verursachte bei vielen Millionen Menschen eine Gehirnhautentzündung. Viele erlitten danach einen „Lock in“, sie sind im eigenen Körper gefangen, dabei aber geistig vollkommen klar. Da auch die First Lady an einem Lock In erkrankte, wurden Milliarden in die Erforschung des nach ihr benannten Haden Syndroms gepumpt.
    Jahre später sind die Hadens wieder in die Gesellschaft integriert. Sie nehmen am Leben teil, indem sie ihren Geist in Androiden versetzen oder sich in den Kopf eines „Integrators“ versetzen, eines Menschen, dem ein neuronales Netzwerk implantiert wurde, und den Hadens zeitweise erlaubt, seinen Körper zu steuern. Doch die Milliardensubventionen für die Minderheit sind vielen ein Dorn im Auge, ein neues Gesetz soll diese einschränken. Es kommt zu Unruhen, Hadens treten in den Streik.
    Gerade jetzt beginnt der Haden Chris Shane seinen Dienst beim FBI – und bekommt es sofort mit einem seltsamen Mord zu tun. Ein Sofa wurde aus einem Hotelzimmer geschleudert und einem Mann die Kehle aufgeschlitzt. Mit ihm war nur ein Integrator im Raum, aber der hatte zur Tatzeit einen Fremden in seinem Kopf und beruft sich bzgl. der Identität seines Kunden auf seine Schweigepflicht.

    Scalzi serviert uns hier einen Polit-Thriller im SF-Gewand, denn es erweist sich bald, dass die Tat nur der Auftakt zu einem größeren Plan war, der mit dem neuen Gesetz zu tun hat. Der Autor tut sich dabei etwas schwer, den Leser einerseits in seine komplexe Zukunftsvision einzuführen und andererseits die Verwicklungen der Verdächtigen und deren Interessen zu erklären.

    Als Einführung bekommen wir eine Art Internet-Artikel, die kurz über das Auftreten der Krankheit und die ergriffenen Gegenmaßnahmen informiert. Dennoch tappt man in vielen Details lange im Dunkeln. Dass die dort erwähnte „Personentransporter“ (eigentlich müssten sie Persönlichkeitstransporter heißen) gleichförmig aussehende Androiden sind, die die Hadens mit ihrem Geist steuern, wurde mir z.B. erst später klar. Das ist vor allem deshalb schade, weil es offenbar eine Kurzgeschichte von Scalzi gibt, die viel besser als Einführung geeignet gewesen wäre, als der trockene Infotext.

    Auch der Thriller-Plot ist etwas zu kompliziert, um wirklich hohes Tempo zu gehen, zumal auch noch persönliche Geschichten von Shane und seiner Familie sowie seiner FBI-Kollegin reinspielen. So gelingt es Scalzi nur selten wirklichen Thrill aufzubauen, die meiste Zeit liest sich das ganze eher wie ein etwas behäbiger Wirtschafts-/Polit-Krimi. Leider geht auch im Finale vieles zu glatt, sodass auch hier der Thrill nicht wirklich aufkommen mag.

    Fazit

    Vom auf dem Buchrücken versprochenen „ultimativen SF-Thriller“ ist Das Syndrom denkbar weit entfernt. Auch wenn Scalzis Zukunftsvision in Details interessant ist, bleibt sie insgesamt doch zu oberflächlich. Der Thriller-Plot erweist sich eher als Krimi, dem es an Hochspannungsmomenten fehlt. Doch dank des lakonisch lockeren Tonfalls liest sich das ganze immerhin angenehm und ist daher noch guter Durchschnitt.

    Wertung


    Pro

    • interessante Grundidee
    • durchdachter Plot
    • lakonischer, lockerer Schreibstil

    Contra

    • Zukunftsvision bleibt oberflächlich
    • es fehlt an echten Spannungsmomenten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Jörg Benne 17.Jul.2015 1.828 x gelesen