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    Ein Buch anhand des Covers auszuwählen, ist nicht immer ratsam, aber bei Der Feuerstein hatte es mir schon allein die Farbgebung irgendwie angetan. Dazu kam dann noch eine vielversprechende Beschreibung – deswegen stelle ich euch den Debütroman der Autorin Rae Carson nun vor.

    Zu Großem bestimmt

    Prinzessin Elisa von Orovalle ist Trägerin des geheimnisvollen Feuersteins, der nur alle hundert Jahre im Bauchnabel eines Auserwählten aufzutauchen pflegt. Laut der Religion ihrer Welt ist das Mädchen somit von Gott dazu auserkoren, irgendwann eine nicht näher definierte wichtige Aufgabe zu erfüllen.
    Aber Elisa fühlt sich alles andere als auserwählt. Von klein auf steht sie im Schatten ihrer schönen und kompetenten Schwester Alodia, die Mutter ist bei Elisas Geburt gestorben und der König hat kaum Zeit für seine jüngere Tochter. Vor lauter Frust und zum Trost hat sich die Sechzehnjährige eine dicke Speckschicht angefressen, wodurch ihr Selbstwertgefühl nur noch mehr beeinträchtigt wird.
    Doch als man sie aus politischen Gründen mit dem König des Nachbarlandes verheiratet und gemeinsame Feinde beide Reiche bedrohen, muss Elisa über sich selbst hinauswachsen und zeigen, dass ein starker Wille, ein wacher Geist und eine große Portion Mut unter den überschüssigen Pfunden verborgen sind.

    der-feuerstein

    (c) Heyne fliegt
    Umfang: 528 Seiten
    Leseprobe/Bestellen bei Amazon

    Fett und fromm

    Natürlich hat längst nicht jede Fantasy-Geschichte makellos schöne Personen als Hauptfiguren, aber eine dicke Prinzessin ist trotzdem keine alltägliche Heldin. Schnell wächst die sympathische Elisa dem Leser ans Herz, durch die Erzählung in der Ich-Perspektive kann man sich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen und das das sicherlich nicht nur als selbst zur Pummeligkeit neigender Mensch…

    Die junge Heldin und ihre späteren Mitstreiter müssen Kriegswirren und schmerzhafte Verluste überstehen, gleichzeitig erlebt Elisa aber auch endlich Freundschaft und Zusammenhalt. Auf glaubwürdige Weise überwindet sie ihre anfängliche Trägheit, ohne sich gleich zur unbesiegbaren Superheldin zu mausern. Durch Intrigen und die finsteren Pläne des feindlichen Heeres kommt außerdem auch Dramatik ins Geschehen.
    Allerdings hat die ja recht umfangreiche Geschichte zwischendurch ein paar Längen, ist stellenweise etwas zu vorhersehbar und man erfährt außerdem relativ wenig über manche Hintergründe, z.B. hinsichtlich der Länder und ihrer Völker. Unter anderem wird angedeutet, dass die Menschen vor langer Zeit „von Gott“ aus ihrer alten, verdorbenen Heimat in diese Welt gebracht wurden. Möglicherweise stammen Elisas Vorfahren ja von unserer Erde…

    Etwas gewöhnungsbedürftig ist für mich als atheistisch eingestellter Mensch die relativ große Bedeutung der (weitgehend christlich wirkenden) Religion im Buch. Ziemlich häufig fleht Elisa Gott um Hilfe an, versucht überlieferte religiöse Texte zu deuten oder trotzt etwa durch endlose Gebete der Kälte, weil ihr Feuerstein währenddessen Wärme produziert.
    Nicht jedermanns Sache ist wahrscheinlich auch die Verwendung der Gegenwartsform, mich persönlich stört diese aber nicht. Letztendlich ist man so noch unmittelbarer im Geschehen.

    Es geht noch weiter

    Das Buch besitzt ein vernünftiges Ende und könnte durchaus für sich alleine stehen, lässt aber genug Raum für eine Fortsetzung. Die ist auf Englisch auch schon erschienen, genauer gesagt hat die Autorin eine ganze Trilogie rund um Elisa („The Girl of Fire and Thorns“) erschaffen, ergänzt durch mehrere kurze eBook-Ableger aus der Sicht von Alodia und anderen Nebencharakteren. Wer, wie ich, die Prinzessin und ihre ebenfalls recht interessanten Freunde lieb gewonnen hat, muss sich also noch nicht so schnell von ihnen trennen.

    Fazit

    Die Stärke dieses Buches ist ganz klar seine sympathische Heldin, die man gern auf dem Weg vom Pasteten mampfenden Teenager zur resoluten Feuerstein-Auserwählten begleitet. Die Qualität der eigentlichen Geschichte kann da nicht immer ganz mithalten, dank Elisa samt Freunden liest sich das Buch aber trotzdem flüssig und weiß ordentlich zu unterhalten. Vor allem als Jugendbuch für Mädchen oder eben weibliche All Age-Fans ist es zu empfehlen.

    Wertung


    Pro

    • sehr sympathische Hauptfigur
    • einige interessante Nebencharaktere
    • insgesamt spannende Story

    Contra

    • zu viel Religion
    • ein paar kleine Längen
    • manche Hintergründe kommen zu kurz

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 7.Okt.2013 1.152 x gelesen