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    Schon häufig konnten Märchenfreunde Adaptionen erleben und erlesen, die Figuren und Ereignisse ihrer Lieblingsgeschichten in die heutige Zeit versetzen, sei es Aschenputtel oder die Schöne mit ihrem Biest. Rumpelstilzchen kam dabei aber bisher etwas zu kurz. Daniela Winterfeld hat sich nun des fiesen Wichts angenommen, der in ihrem Roman Der geheime Name als einer der letzten (oder gar der letzte) seiner Art eine norddeutsche Moorlandschaft unsicher macht.

    Inhalt: Mit mysteriösen Knilchen macht man keine Geschäfte, auch wenn das Gold noch so schön glänzt. Diese Märchen-Moral hätte sich Müllerstochter Susanne lieber zu Herzen nehmen sollen, doch sie versprach dem Fremden ihre zukünftige Tochter. Die ist inzwischen fast 19 Jahre alt und wähnt sich ihr ganzes Leben schon auf der Flucht vor dem angeblich ach so psychopathischen Vater – ständig wechselnde Wohnorte in aller Welt waren die Folge.
    Josefina, kurz Fina, hat davon die Nase voll, noch dazu entpuppt sich die Story mit dem Stalker-Vater als Lüge. Kurzentschlossen macht sie sich auf den Weg zur Mühle ihrer Großeltern in der Lüneburger Heide und folgt so auch wiederkehrenden Träumen, welche sie geradezu magisch die Sehnsucht nach einem Zuhause und der dortigen Landschaft verspüren lassen. Nur der Leser weiß, dass sie sich damit praktisch in die Höhle des Löwen begibt…

    Neben Fina lernt man bald den zweiten Hauptcharakter des Buches kennen: Ein anderes Kind wurde dem kleinwüchsigen Ekel damals überreicht – dummerweise bloß „ein Männchen“, das dem bösartigen Meister seitdem als ungeliebter, misshandelter Sklave dient. Selbst in seiner ungewöhnlichen Art zu sprechen zeigt sich der gemeine Einfluss des Peinigers. Der arme Junge redet in der dritten Person und bezeichnet sich selbst als „es“.
    Die entstehende Beziehung der beiden sympathischen jungen Leute und die Bedrohung durch den übermächtigen „Geheimen“ (der nicht nur hässlich und gewalttätig, sondern ekligerweise auch recht notgeil ist) garantieren viele spannende, teils sogar ein wenig gruselige Momente.
    Die Situationen und Orte werden atmosphärisch dicht und sehr lebensecht geschildert, so dass man sich wirklich vorstellen kann, in urigen Gegenden unserer Welt noch auf lauernde Kreaturen aus längst vergangen geglaubten Zeiten zu treffen.

    Fazit

    Ich lese gerne „modernisierte Märchen“ und Der geheime Name ist ein weiteres gelungenes Exemplar. Das fiese Rumpelstilzchen (das natürlich nicht so heißt – wäre ja auch zu einfach) stellt einen schön hassenswerten Feind dar, während man mit den menschlichen Hauptfiguren leidet und ihre vorsichtigen Annäherungsversuche gespannt beobachtet. Ein paar Stellen hätten vielleicht geringfügig kürzer abgehandelt werden können, der fesselnden Atmosphäre im nebligen Moor tut das aber keinen Abbruch.

    Wertung


    Pro

    • spannende Handlung
    • sympathische Helden
    • wunderbar unsympathischer Widersacher
    • atmosphärischer Haupt-Schauplatz

    Contra

    • Alptraum-Gefahr wegen Rumpelstilzchen-Geschlechtsteil *würg*

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Horror
    von Christina Schmitt 13.Apr.2013 1.185 x gelesen

    Der geheime Name
    Publisher Knaur
    Autor Daniela Winterfeld
    Genre Märchen
    Länge528 Seiten
    Weitere Infos
    Termine
    eBook05.01.2013 Kaufen
    Taschenbuch11.01.2013 Kaufen