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    Michael Marcus Thurner hat sich vor allem als fester Autor der Perry Rhodan-Serie einen Namen gemacht. Mit „Der Gottbettler“ wendet er sich nun der Fantasy zu, allerdings mit einem recht ungewöhnlichen Ansatz.

    dergottbettler_cover

    (c) Blanvalet
    Umfang: 509 Seiten
    erschienen am 21.10.2013
    Leseprobe und Bestellen bei Amazon

    Drei Antihelden
    Seit Jahren überzieht der rätselhafte Gottbettler das Land mit Krieg. Seine riesige Armee unter dem Heerführer Metcairn Nife gewinnt eine Schlacht nach der anderen, unterjocht Reich um Reich, vorgeblich mit dem Ziel, das Übel aus der Welt zu tilgen und Frieden zu bringen.
    Pirmen, ein naiver Zauberlehrling, Terca, eine manipulative alte Hexe, und Rudynar, ein ehemaliger Krieger, der zum Säufer geworden ist, das ist das ungewöhnliche Heldentrio, das sich dem Gottbettler entgegenstellt. Sie können einander nicht ausstehen und bilden nur ein brüchiges Zweckbündnis. Hält es, um den Gottbettler zu stürzen?

    Es muss ja nicht immer Schwarz/Weiß sein in der Fantasy. Schon Sapkowski oder Abercrombie haben sehr „realistische“ Fantasy-Welten voller Grauschattierungen erschaffen, in denen es dreckig zugeht und kaum einer nur gut oder nur schlecht ist.
    Thurner geht da noch einen Schritt weiter. Eine derart konsequent verdorbene Welt ist mir noch selten untergekommen. Es wird gemetzelt, geplündert, missbraucht, intrigiert und unflätig geflucht, was das Zeug hält, für Zartbesaitete ist das Buch sicher nichts. Es fällt schwer, irgendeiner der Figuren Sympathien entgegenzubringen, selbst Pirmen wandelt sich im Verlauf der Geschichte noch zu einem Arschloch, um mal im Jargon des Werkes zu bleiben.

    Dafür gibt es aber einen sehr interessanten Weltentwurf mit Städten, die in einem Meer schwimmen oder an dessen steilen Küsten errichtet wurden, sodass man nur über Leitern oder Aufzüge höhere Ebenen erreichen kann. Auch was die Wesenheiten und Fraktionen angeht, beschreitet Thurner eigene Wege und seine Magier haben eine recht eigenwillige Art, ihre Macht zu vergrößern.

    Keine Frage, der Gottbettler ist ein außergewöhnlicher Fantasy-Roman, was Setting und Figuren betrifft. Um außergewöhnlich gut zu sein, hätte es aber auch einer besonderen Geschichte bedurft, und hier liegt doch einiges im Argen. Was der Gottbettler genau ist und was er mit seinem Feldzug bezweckt, bleibt lange vollkommen unklar und ist selbst am Ende noch nebulös. Was genau die drei Hauptfiguren eigentlich zusammenschweißt, bleibt ebenso unklar, gerade Tercas Beweggründe wirken zuweilen wenig nachvollziehbar. Außerdem herrscht ein ziemliches Ungleichgewicht zwischen der Einführung der Figuren, für die der Autor sich fast die Hälfte des Romanes Zeit nimmt, und der eigentlichen Queste, die zuweilen etwas überhastet erzählt wirkt. So wird beispielsweise eine wichtige Szene, die zu Pirmens Veränderung beiträgt, nur in der Rückschau angerissen und nicht direkt erzählt.

    Sprachlich bekommen wir (abgesehen von gelegentlichen Wortwiederholungen) gutes Niveau geboten, wobei die Dialoge oft derb sind. Negativ fiel mir auf, dass ständig von „Herr Rudynar Pole“ die Rede war, selbst abseits von wörtlicher Rede, was sich auf die Dauer doch recht sperrig liest.

    Fazit

    Auch wenn die dreckige Welt mit all ihren Grausamkeiten eine gewisse morbide Faszination ausstrahlt, wird es ohne Sympathien für die Figuren schwer, den Leser zu fesseln. Keine der Figuren wuchs mir ans Herz und so war mir deren Schicksal auch recht gleichgültig. Wer also vor allem auf sympathische Figuren und eine nachvollziehbare, zum Mitfiebern einladende Handlung wert legt, der ist hier falsch. Fantasy-Fans mit Hang zum Morbiden und Interesse an außergewöhnlichen Weltentwürfen sollten aber mal einen Blick riskieren.

    Wertung


    Pro

    • interessanter Weltentwurf
    • harte, dreckige Welt
    • glaubwürdige Figuren

    Contra

    • keine Sympathieträger
    • wenig spannende Handlung
    • Motiv und Wesen des Gottbettlers bleiben unklar

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 2.Nov.2013 1.762 x gelesen
    • Christina Schmitt

      Hm, dann kann ich mir das Buch wohl sparen, denn wenn Sympathieträger fehlen, ist das für mich wirklich ein Grund, das Lesen abzubrechen.

    • sffanfan

      Na ja, Sympathie is ne schwierige Sache. Aber mir hat auch die Leseprobe jetzt nicht besonders gefallen. Ich bin immernoch hin und her gerissen. Zum Glück is meine Leseliste jetzt schon zu lang. Da kann ich diese Entscheidung noch seeeehr lange aufschieben.