• Werbung

  •  
    Anmelden

    George R.R. Martins Lied von Eis und Feuer ist seit einigen Jahren auch hierzulande ein Megabestseller, dessen zehn deutsche Bände einem in jeder Buchhandlung zigfach im Regal gegenüberstehen. Mit der TV-Serie ist der Boom nochmals gewachsen, doch leider lässt der Meister sich mit einem neuen Band gern Zeit. Was tun? Deutsche Verlage gehen dazu über, ältere Werke Martins zu veröffentlichen.
    So auch hier: Penhaligon hat drei Kurzromane aus Westeros zu einem Band zusammengefasst, die Martin zwischen 1999 und 2010 für Anthologien schrieb.

    derheckenrittervonwesteros

    (c) Penhaligon
    Umfang: 412 Seiten
    Leseprobe/Bestellen bei Amazon

    Dunk der Dummkopf, blöd wie eine Burgmauer
    Dunk ist eigentlich ein Waisenjunge aus Königsmund, der von einem Heckenritter als Knappe angenommen wurde. Als der alte Ritter stirbt, übernimmt Dunk seine Rüstung und sein Pferd und nennt sich fortan aufgrund seiner Körperlänge Duncan der Große. Bald trifft der selbsternannte Ritter auf den Jungen Ei, den er als Knappen aufnimmt. Bei einem Turnier will Duncan sich einen Namen machen und die beiden stolpern in ihr erstes Abenteuer.

    Auf dem Cover des Buches heißt es, man lese „Die Vorgeschichte zu Das Lied von Eis und Feuer.“ Das ist etwas irreführend. Zwar spielen die Geschichten vor der großen Saga, allerdings fast einhundert Jahre davor. Die Targaryen herrschen noch über Westeros und ihr Sturz liegt noch weit entfernt, man erfährt also nicht, wie Jaime Lannister zum Königsmörder wurde und Robert Baratheon den Thron bestieg.
    Darüber hinaus sollte man auch keine epischen Intrigenspiele wie in der Saga erwarten. Die drei Geschichten sind jeweils in sich abgeschlossen und beschreiben Episoden von Duncan und Ei bei einem Turnier oder in Diensten eines Lords. Ritterlichkeit steht eher im Fokus als das Intrigenspiel, das einzig in der dritten Geschichte zum Tragen kommt.

    Das tut dem Lesespaß aber keinen Abbruch. Martin hat in seinem brillanten Stil mit Duncan und Ei zwei wunderbare Figuren erschaffen, die in ihrem Zusammenspiel dem Leser schnell ans Herz wachsen. Die drei Geschichten sind recht unterschiedlich und zeigen den Alltag eines herrenlosen Ritters, der keine eigenen Ländereien sein Eigen nennt und – wenn er nicht gerade in den Diensten eines Lords steht – deshalb im Freien schlafen muss (daher der Name: Heckenritter).
    Die ersten beiden Geschichten wurden übrigens schon als Comics und in Anthologien veröffentlicht, nur die dritte Geschichte ist eine deutsche Erstveröffentlichung.

    Wenn man meckern will, dann über die Übersetzung. Ei hätte man wohl doch lieber weiter Egg heißen lassen, und auch einige andere Namen klingen auf Englisch einfach besser. Ein Stammbaum der Targaryen hätte auch nicht geschadet, neigen die doch zu sehr ähnlichen Vornamen (Aeron, Daeron, Daemon, Aemon), was zuweilen für Verwirrung sorgt. Man sollte aber tunlichst NICHT selber im Internet nachschlagen, ehe man das Buch beendet hat, da man sich sonst bei einigen Figuren zu viel vorwegnimmt.
    Die auf den Innenseiten der Klappbroschur aufgedruckte Karte ist zwar schön, nur leider ist kein einziger der Orte verzeichnet, an denen die Handlung spielt.

    Martin hat weitere Duncan & Egg-Geschichten angekündigt, Penhaligon hat daher auf dem Buchrücken optimistisch eine 1 platziert. Wenn man aber bedenkt, dass die erste Geschichte aus dem Jahre 1999 und die Letzte aus 2010 stammt, steht es wohl in den Sternen, ob und wann es für einen zweiten Band reicht. Die Fans von Das Lied von Eis und Feuer wünschen sich wohl auch mehrheitlich, dass Martin erstmal dieses beendet.

    Fazit

    Gewohnt hochklassiges Lesevergnügen mit drei in sich abgeschlossenen (aber auf einander aufbauenden) Geschichten über den Heckenritter Duncan und seinen Knappen. Wer epische Intrigen wie im Lied von Eis und Feuer erwartet, wird eher enttäuscht, eine spannende, stilistisch bemerkenswerte Lektüre ist es dennoch.

    Wertung


    Pro

    • großartige, vielschichtige Welt
    • liebevoll gezeichnete Hauptfiguren
    • durchdachte Handlungsstränge

    Contra

    • Übersetzung einiger Namen unglücklich

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema , , ,

    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Jörg Benne 5.Okt.2013 2.962 x gelesen