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    Im letzten Jahr wurde erstmals der deutsche Fantasy-Preis Seraph verliehen und Christian von Aster konnte ihn sich mit „Der letzte Schattenschnitzer“ sichern. Nachdem ich vom diesjährigen Preisträger Asche & Phönix von Kai Meyer begeistert war, war ich gespannt, ob auch der Vorjahressieger mich fesseln könnte.

    schattenschnitzer

    Autor: Christian von Aster
    Klett-Cotta Verlag 2011
    312 Seiten (Hardcover)
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Inhalt
    Jonas Mandelbrodt ist ein besonderer Junge. Seine Mutter hält ihn für autistisch, doch in Wirklichkeit steht der Junge seit seiner Geburt mit seinem Schatten im Bunde, der ihm die Geheimnisse der Schattenschnitzer anvertraut, Magier, die einstmals in der Lage waren, mit ihren Schatten übernatürliche Dinge zu vollbringen.
    Doch dass sein Schatten ihn unterrichtet verstößt gegen das Gleichgewicht, über das der Rat der Schatten wacht. Jonas wird zum Spielball von Machtspielen im Schattenreich.

    Die Schattenwelt des Autors spielt zu unserer Zeit und es gelingt ihm zunächst gut, uns in diese einzuführen. Der Schatten des Jungen, der zu Beginn aus der Ich-Perspektive erzählt, führt uns ebenso in die Mysterien der Welt ein, wie Ausschnitte aus einem fiktiven Buch über die Schattenmagie. Weiterhin benutzt der Autor eine bildgewaltige, blumige Sprache, die sehr gut zu den Mysterien passt.

    Im weiteren Verlauf verliert das Buch jedoch seinen klaren Aufbau. Der Schatten und seine Ich-Perspektive werden mehr und mehr zu einer Randerscheinung, statt dessen tritt ein auktorialer Erzähler in den Vordergrund. Die Handlung plätschert zunächst träge dahin und lebt allein von dem Rätsel, welche Intrige in der Schattenwelt gesponnen wird. Die Figuren indes bleiben allesamt unnahbar und es fehlt an Identifikationsmöglichkeiten. Einzig Jonas käme dafür infrage, doch seine Wandlung vom introvertierten, an der Welt kaum interessierten Außenseiter zum kleinen Abenteurer geht für mich viel zu schnell vonstatten. Davon ab wird sein Schicksal schon auf den ersten Seiten vorweggenommen. Das ins Philosophische neigende Finale wird auch nicht jedermann gefallen.

    Auch stilistisch ist nicht alles Gold, was glänzt. Zwar eifert von Aster Phantastik-Größen wie Zafon oder Rothfuss nach, doch kleine Nickeligkeiten wie Wortwiederholungen oder Perspektiv-Hopping stören hin und wieder das durchaus positive Bild.

    Fazit

    Schöne Worte und eine tolle Idee machen noch kein herausragendes Buch. Der letzte Schattenschnitzer beginnt toll, kann aber in Sachen Dramaturgie nicht so recht überzeugen. Wer gerne in schönen Worten schwelgt und die Handlung dann eher zweitrangig findet, mag dennoch seine Freude an dem Werk haben. Wer aber auch eine nachvollziehbare Welt, eine spannende Handlung und Figuren erwartet, bei denen man mitfiebern kann, wird mit diesem Roman nicht vollends glücklich werden.

    Wertung


    Pro

    • interessante Idee
    • schöne Sprache

    Contra

    • träge dahinplätschernde Handlung
    • Figuren unnahbar, taugen nicht zur Identifikation
    • Hang zum Philosophischen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 18.Mai.2013 1.111 x gelesen