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    Stella Gemmell ist die Witwe des bekannten Fantasy-Autors David Gemmell, dessen letztes Buch sie nach seinem Tod zuende schrieb. Bei Der Moloch handelt es sich nun um ihren ersten „eigenen“ Roman.

    (c) Blanvalet VerlagAutor: Stella GemmellUmfang: 736 Seitenseit 17.02.2014 im HandelLeseprobe bei Amazon

    (c) Blanvalet Verlag
    Autor: Stella Gemmell
    Umfang: 736 Seiten
    seit 17.02.2014 im Handel
    Leseprobe bei Amazon

    Kriegerische Großstadt

    Seit Jahrhunderten herrscht Krieg zwischen der gigantischen Cité (dem namensgebenden „Moloch“) und ihren Nachbarn. Generation um Generation wird zwangsverpflichtet, um in grausamen Schlachten verheizt zu werden, während in der heruntergekommenen Stadt Alte, Kinder und andere Kampfunfähige ein oft trostloses Dasein fristen. Vielen Bewohnern ist der Sinn der unendlichen Auseinandersetzungen schon längst nicht mehr klar, doch solange der als unsterblich geltende Kaiser den Moloch regiert, gibt es keine Hoffnung auf Frieden…
    Die Geschichte beginnt im weit verzweigten, labyrinthartigen Abwasserkanal-System unter der Stadt, wo wir schon gleich ein paar der Hauptfiguren kennen lernen, die später (in unregelmäßigen Abständen) wechselnd begleitet werden. Da wären z.B. die Geschwister Elijah und Emly, vor allem aber auch ein alter Mann, der sich Bartellus nennt und in den Tunneln Zuflucht sucht, in seinem früheren Leben jedoch zu den größten Helden der Cité zählte. Im Laufe des Buches wird sich zeigen, dass weder der Veteran selbst, noch seine Freunde und Feinde diese Zeit wirklich hinter sich lassen können.

    Kämpfernaturen ohne Sinn für Scherze

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Erlebnissen verschiedener Soldaten, darunter etwa die begabte Kämpferin Indaro, welche in ihrer Dienstzeit schon mehr Schlachten geschlagen hat als sie zählen kann – so pausenlos kommt es hier zu neuen grausamen Gemetzeln um jeden Quadratzentimeter Boden. Die realistische Schilderung der Kämpfe und vor allem auch die düstere Ausweglosigkeit der Situation kenne ich sonst eigentlich eher von männlichen Autoren. Wer gerne actionreiche Szenen mit gespaltenen Schädel, abgesäbelten Fingern, aufgeschlitzten Pferden und fallenden Kameraden liest, wird in diesem Buch jede Menge Futter finden. Mir persönlich war das Geschehen aber ehrlich gesagt insgesamt ein wenig zu deprimierend.
    Nichts gegen düstere Fantasy – in dieser Richtung habe ich schon einiges gelesen und auch gemocht. Aber in den meisten anderen Storys gibt es dann doch einige aufmunternde Passagen, die in Der Moloch hingegen rar gesät sind und meistens auch schon gleich wieder durch irgendeine Gemeinheit ein böses Ende finden. Auch schwarzer Humor, wie er viele Bücher mit ähnlicher Thematik auflockert, fehlt hier. Das Buch ist eine, im wahrsten Sinne des Wortes, todernste Angelegenheit.

    Intrigen und böse Überraschungen

    So fiel es mir auch recht schwer, Sympathien für die meisten Charaktere (außer z.B. die junge Emly) zu entwickeln. Die durch ihr Kriegerdasein emotional verkrüppelt wirkenden Soldaten sind mir ein wenig fremd geblieben.
    Trotz allem hat mich die Handlung aber gefesselt, schon weil ich immer noch die Hoffnung hegte, dass zumindest für ein paar der Figuren noch ein friedlicheres, erfülltes Leben möglich sein wird, falls die im Lauf der Geschichte geschmiedeten Pläne aufgehen und die Leute nicht vorher einer der vielen Verschwörungen und unliebsamen Überraschungen zum Opfer fallen. Insbesondere gegen Ende muss man sich auf einige Wendungen gefasst machen und das Personal wird nochmals schmerzhaft reduziert. Apropos Ende: Der Moloch ist ein sich abgeschlossener Roman, ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass in einem Folgeband beleuchtet wird, wie es mit manchen der Charaktere weitergeht.
    Auch der gelungene Schreibstil trägt einiges zur Atmosphäre der Geschichte bei – so hat man etwa die Orte wie die Kanalisation, die Kampfschauplätze oder die Residenzen der Reichen sehr bildlich vor Augen. Die Welt des Buchs wirkt vom Zivilisationslevel her teils mittelalterlich, in vielen Dingen, schon bei den Personennamen oder auch in der Organisation der Armee, sind aber vor allem Parallelen zum römischen Imperium unserer Welt festzustellen.

    Fazit

    Der Moloch ist ein gutes Buch für Fans kriegerischer, düsterer Fantasy und bietet viele interessante Ideen rund um eine alte Stadt, deren riesigen Untergrund, einen Jahrhunderte andauernden Krieg und den verzweifelten Versuch, diesem ein Ende zu setzen. Dank seiner diversen Wendungen konnte mich der dicke Wälzer über weite Strecken auch durchaus fesseln, mir fehlen aber richtige Identifikationsfiguren und vielleicht der eine oder andere Lichtblick im Geschehen.

    Wertung


    Pro

    • gelungener Schreibstil
    • interessante Welt
    • spannendes Finale
    • actionreiche Kampfszenen

    Contra

    • arg düstere Atmosphäre und Story
    • nur bedingt sympathische Hauptcharaktere

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 12.Mrz.2014 1.657 x gelesen