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    David Morrell, mittlerweile 72 Jahre alt, ist schon lange im Thriller-Bereich aktiv. Gleich sein Erstling war die Roman-Vorlage zu „Rambo“ und mit dem Erscheinen des Films kamen seine Bücher auch nach Deutschland. Mit „Creepers“ landete er vor ein paar Jahren noch einmal einen Volltreffer, nun meldet er sich mit „Der Opium-Mörder“ zurück – diesmal vor historischem Setting.

    opiummoerder

    (c) Knaur Verlag
    Umfang: 528 Seiten
    seit 01.12.2015 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Geschichte wiederholt sich
    Lange bevor Jack the Ripper London unsicher machte, sorgten die Ratcliffe-Highway-Morde im Jahr 1811 für Panik in der Hauptstadt des Empire. Rund 40 Jahre später scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Inspector Ryan wird an einen Tatort gerufen, wo ein grausiger Mord an einer ganzen Familie begangen wurde – genau wie beim ersten Ratcliffe-Highway Mord. Als er erfährt, dass der Autor Thomas de Quincey in der Stadt ist, der mit seinem sehr detaillierten Aufsatz über die damaligen Morde für Aufsehen sorgte, fällt sein Verdacht auf ihn. Der alte Mann erweist sich zwar als unschuldig, doch es scheint, als habe der wahre Mörder eine Rechnung mit de Quincey offen.
    (Thomas de Quincey ist eine reale Persönlichkeit (siehe Wikipedia). Er hat wirklich den Aufsatz über die Ratcliffe Highway-Morde geschrieben. Die Geschehnisse die im Roman erzählt werden sind indes fiktiv).

    „Der Opium-Mörder“ beginnt wie ein klassischer Thriller. Im ersten Kapitel wird der grausige Mord aus der Sicht des Täters beschrieben. Schon wenig später fällt aber der etwas eigenwillige Stil auf, in dem Morrell die Geschichte verfasst hat. Er benutzt einen allwissenden Erzähler, der ab und zu hervortritt und geschichtliche Zusammenhänge erklärt. Wie man im Nachwort lesen kann, entspricht dieser Stil den Geschichten aus dem 19. Jahrhundert, dennoch sind die immer wieder eingestreuten Info-Dumps über Details der viktorianischen Gesellschaft etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie das Erzähltempo zuweilen ziemlich verschleppen.

    Die Prämisse (Killer mordet nach Buchvorlage, Autor gerät unter Verdacht => Basic Instinct lässt grüßen) ist nicht neu aber recht ansprechend ausgestaltet. Mit de Quincey hat Morrell eine interessante Figur, die allerdings den Inspector und seinen Constable stark an den Rand drängt und beide recht blass wirken lässt. Dazu trägt auch Emily noch bei, die Tochter von de Quincey. Sie ist eine gegen die diskriminierenden Sitten ihrer Zeit aufbegehrenden junge Frau und in ihrer vorlauten, belehrenden Art manchmal dezent nervig. Der eigentliche Schwachpunkt des Buches ist aber der Killer. Seine Motivation erscheint überkonstruiert, die Auflösung ist recht schwach. Wäre die Handlung spannend und rasant, könnte man über die inhaltlichen Schwächen noch hinwegsehen, aber für Thrillerfans geht es doch oft zu behäbig voran und de Qinceys Schlussfolgerungen sind auch nicht immer nachvollziehbar.

    Fazit

    Als Morrell-Fan hatte ich auf einen weiteren Thriller gehofft und das erste Kapitel war auch durchaus vielversprechend. Danach wird das Tempo aber allzu oft durch historische Abhandlungen verschleppt und die Motivation des Killers erscheint recht konstruiert. So ist die gut recherchierte Lektüre in erster Linie Fans von historischen Romanen zu empfehlen.

    Wertung


    Pro

    • gut recherchiert
    • interessante Hauptfigur

    Contra

    • die die anderen Figuren aber blass aussehen lässt
    • Motivation des Killers wirkt sehr konstruiert
    • Erzähl-Tempo oft eher schleppend

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher
    von Jörg Benne 8.Feb.2016 1.430 x gelesen