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    Forrest Gump und der Hundertjährige haben es vorgemacht: Man nehme eine Person und lasse sie (und den Lesern) an historischen Momenten auf ihre eigene humorvolle Weise teilhaben. Dasselbe Rezept verfolgt auch Michael Poore, allerdings mit einer phantastischen Note: Diesmal begleiten wir den Teufel persönlich (als sein Alter Ego John Scratch) durch die amerikanische Geschichte.

    raffiniertmrscratch

    (c) Lübbe Verlag
    Autor: Michael Poore
    Umfang: 444 Seiten
    seit 17.01.2014 im Handel
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    Woodstock und andere Events
    Der Teufel wird kurz vor dem Woodstock Festival von einer Hippie-Band angerufen, deren Gitarrist gerade gestorben ist. Im Tausch gegen ihre Seelen wünscht sich die Sängerin Ruhm, der Drummer will Geld und der Bassist möchte die Welt verändern. Der Teufel gewährt ihnen diese Wünsche auf seine eigene Art, und während er die drei über die Jahre begleitet und dabei auch selber zum Star aufsteigt, erinnert er sich an historische Momente, denen er beiwohnte.

    Poores Roman ist nicht chronologisch aufgebaut und beginnt ziemlich am Ende mit der Szene, die auch auf der Buchrückseite beschrieben ist. Nach einem unmoralischen Angebot in einer von ihm moderierten TV-Sendung wird der Teufel niedergeschossen. Dies ist der eigentliche Anlass, sich an alles andere zu erinnern (warum wird am Ende klar) und Poore tut das in kurzen Kapiteln, die wild in der Zeit herumhüpfen.
    Dass der Autor bislang vor allem für Magazine und Zeitschriften geschrieben hat, bemerkt man nicht nur an seinem glossenartigen Schreibstil, sondern auch an den kurzen Absätzen, in die die einzelnen Kapitel wiederum eingeteilt sind.

    Das dauernde Hin- und Hergespringe zwischen den einzelnen Handlungsfäden (in denen noch dazu jahrelange Lücken klaffen) und den Zeiten tut dem Roman nicht gut. Dass die Geschichten der drei Bandmitglieder auch nicht so amüsant sind, wie der Autor vielleicht denkt, tut ihr übriges. Kurioserweise ist das Buch nämlich dann am besten, wenn Poore seinen oft eher müden Humor beiseitelässt, und auf satirische Weise nachdenklich wird. Gerade die geballte Kritik an den Medien, der Kommerzialisierung der US-Kirche und der immer weiter um sich greifenden Verdummung der zu gleichgültigen Konsumdrohnen mutierenden Bevölkerung sind die starken, provokativen Seiten des Buches – aber die sind leider viel zu selten. Erst gegen Ende wird das Buch etwas tiefgründiger, aber dafür kommt Poore auch mit einer ziemlich seltsamen Liebesgeschichte daher, die den Teufel unnötig menschlich macht.

    Interessant könnten die historischen Episoden aus dem Leben des Teufels sein, doch hier kommt ein anderes Problem des Buches zum Tragen: Es ist durch und durch amerikanisch. Während der durchschnittlich gebildete Deutsche wohl noch weiß, was in Gettysburg geschah, dürfte es bei dem Namen Nat Turner (Anführer eines Sklavenaufstandes) schon einige Fragezeichen geben. Der Teufel hat sich aber eben offenbar wenig für den Rest der Welt interessiert, von kurzen Gastspielen in Ägypten und dem alten Rom abgesehen, trieb er sich laut diesem Buch nur in den USA rum. Der Teufel bei den Indianern, der Teufel und die ersten Siedler, der Teufel im Unabhängigkeitskrieg, der Teufel und JFK und so weiter, und so weiter. Dass Poore dabei einigen Schabernack mit den historischen Persönlichkeiten treibt (und viele durchaus kritisch darstellt), ist zwar manchmal halbwegs amüsant, aber Benjamin Franklin oder George Washington sind für uns eben nur vage Gestalten aus der Geschichte auf einem anderen Erdteil, sodass die Satire hierzulande nicht so gut funktioniert wie in den USA. Und mit seiner Charakterisierung des Teufels mag der Autor die amerikanischen Fundamentalisten ja provozieren, wie Poore es wohl beabsichtigt, hier erntet er dafür hingegen nur Schulterzucken.

    Fazit

    Der raffinierte Mr. Scratch ist mitnichten „unglaublich amüsant“, wie es der Klappentext verspricht. Zum Schmunzeln brachte das Buch mich nur einige Male, die satirische Keule, die die Inhaltsangabe noch verheißt, packt der Autor außerdem zu selten aus. Letztlich ist mir das Buch aber auch viel zu USA-fixiert und ich frage mich, wieso Luebbe ein so auf den amerikanischen Markt zurechtgeschriebenes Buch überhaupt nach Deutschland gebracht hat.

    Wertung


    Pro

    • zuweilen beißende (US-)Gesellschafts-Kritik
    • einige komische Einfälle

    Contra

    • Geschichte der drei Band-Mitglieder eher öde
    • nur selten wirlich humorvoll
    • total auf die Geschichte der USA fixiert

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Jörg Benne 31.Jan.2014 1.934 x gelesen