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    „Für alle Fans von Game of Thrones“ liest man auf einem kleinen roten Aufkleber auf dem Cover von Der rote Krieger (Original: The Red Knight), dem Debüt von Miles Cameron. Keine Frage, ein Epos haben wir hier vor uns, satte 1160 Seiten hat das Werk. Die Gemeinsamkeiten mit George R.R. Martins Erfolgsserie halten sich allerdings in Grenzen.

    derrotekrieger

    Heyne Verlag
    1160 Seiten
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Inhalt
    Der rote Ritter, ein geheimnisvoller junger Adliger, der ein Geheimnis um seine Herkunft macht, ist Hauptmann einer Söldnertruppe und wird von der Äbtissin von Lissen Carak, einer Bergfestung im Westen, angeheuert, nachdem die Wildnis umliegende Gehöfte überfallen hat. Doch es geht nicht nur um ein paar kleine Überfälle, wie sich bald herausstellt. Die Wildnis will unter der Führung des Magiers Thorn die Festung erobern, die ein Geheimnis birgt.

    Der rote Krieger (im Buch ist immer vom roten Ritter die Rede, aber ein Buch mit diesem Titel gibt es bereits) handelt in erster Linie von der Belagerung der Festung, von den Bemühungen des namenlosen Hauptmanns, diese gegen eine Übermacht zu verteidigen. Zwar spielen auch einige Episoden am Hof des Königs, der ein Heer aushebt, um den Belagerten zu Hilfe zu eilen, das Intrigenspiel, das einen Großteil der Faszination von Game of Thrones ausmacht, kommt aber so gut wie gar nicht vor, weshalb der Vergleich hinkt. Der rote Krieger ist in erster Linie ein Schlachtengemälde, eine Hommage an die Ritterzeit.

    Der Weltenentwurf des Autors ist dabei weitgehend mittelalterlich, die Geschichte spielt in einem fiktiven Land unserer Welt (es wird teilweise Französisch gesprochen, London und griechische Philosophen werden genannt), der christliche Glaube spielt eine große Rolle, bereichert wird dies allerdings durch Dämonen und andere Fabelwesen und durch Magie. Einzige Ähnlichkeit zu Game of Thrones ist hier die Mauer im Norden, die die zivilisierte Welt vor den Wilden schützen soll – im Roman aber kaum eine Rolle spielt.

    Eine Besonderheit der Geschichten ist die Vielzahl der Perspektiven, aus denen der Autor sie erzählt. Deutlich mehr als 20 sind es – und leider liegt hier auch die Schwäche des Romans. Zum einen wird der Leser gerade zu Beginn schlichtweg überfordert. Es gibt nicht nur Dutzende Personen (darunter zig Sers), sondern auch zig Sichten auf das Handeln dieser Figuren, was es nicht unbedingt leichter macht, der Handlung zu folgen. Ein Personenregister hätte darüber hinaus dringend notgetan.
    Nicht zuletzt deshalb, weil der Autor manchmal Perspektiven/Personen über hunderte Seiten vernachlässigt und manch ein Leser dann vermutlich erstmal überlegen muss: „Wer war das nochmal?“
    Zum anderen spreche ich auch nicht umsonst von Geschichten, denn neben der Belagerung werden noch diverse weitere Begebenheiten erzählt – was dem Gesamtwerk nicht unbedingt zum Vorteil gereicht. Manche Episode und die eine oder andere Perspektive hätten meiner Meinung nach ruhig weggelassen werden können, dadurch hätte der Roman nicht verloren, im Gegenteil.

    Die Begeisterung des studierten Historikers Cameron geht außerdem zuweilen mit ihm durch. Zwar wirkt die Geschichte meist sehr authentisch, aber dass der Autor immer wieder beschreibt, wie die Ritter die Einzelteile ihrer Rüstung anziehen, wäre dann doch nicht nötig gewesen. Die eine oder andere stilistische Schwäche (Wortwiederholungen, Perspektivbrüche) muss man auch erwähnen.
    Ein echtes Ärgernis ist das letzte Kapitel, das den bis dahin mehr oder weniger abgeschlossenen Roman fast nur dahingehend erweitert, dass ein paar lose Fäden eine Fortsetzung schmackhaft machen sollen.

    Fazit

    Der rote Krieger ist ein klassischer Fall von „weniger ist manchmal mehr“. Gerade in der zweiten Hälfte, wenn sich die Geschichte fast nur noch um die Belagerung dreht, ist der Roman wirklich gut. Leider werden aber viele Leser gar nicht so weit kommen, weil sie von den vielen handelnden Personen und Neben-Episödchen überfordert/genervt den Roman beiseitelegen. Freunde von Ritterschlachten gegen Fantasy-Wesen sollten – das entsprechende Durchhaltevermögen vorausgesetzt – aber trotz der Schwächen einen Blick riskieren und werden sich wohl gut unterhalten fühlen. Wer an Game of Thrones aber vor allem das Intrigenspiel der Mächtigen schätzt, wird trotz der Empfehlung auf dem Cover mit diesem Roman kaum glücklich werden.

    Wertung


    Pro

    • authentisch wirkende Ritter-Fantasy
    • spannende Belagerungs- und Schlachtszenen
    • einige sehr interessante Figuren

    Contra

    • Autor verzettelt sich in Nebenplots/Perspektiven
    • zu viele Personen, kein Personenregister
    • letztes Kapitel fügt eigentlich nur ein offenes Ende an
    • stilistisch ausbaufähig

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 3.Aug.2013 3.172 x gelesen