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Sieben Jahre ist es her, dass Tungdil und Ingrimmsch zuletzt das Geborgene Land beschützten. Markus Heitz wandte sich danach den Albae zu, nun kehrt er zu den Zwergen zurück. Ist der fünfte Teil tatsächlich ein Triumph?

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(c) Piper Verlag
Umfang: 656 Seiten
ab 16.02.2015 im Handel
Leseprobe / Bestellen bei Amazon

Gefahr von innen und außen
Nur wenige Monate nach den Geschehnissen aus Das Schicksal der Zwerge ist das geborgene Land einmal mehr bedroht. Zwar sind die Albae weitgehend vernichtet, doch mit einem Mittel, dass ihre schwarzen Augen tarnt, drohen die letzten Albae sich unerkannt unter die Elben zu mischen, die in Scharen ins geborgene Land zurückkehren. Dazu sorgt ein seltsames Mädchen, das großen Einfluss auf die Mächtigen der Menschen zu haben scheint, für Unruhe. Damit nicht genug, braut sich auch im Jenseitigen Land neuer Ärger zusammen. Riesige Armeen sammeln sich.
Es ist einmal mehr an Ingrimmsch, mittlerweile Großkönig der Zwerge, und dem zurückgekehrten Tungdil, gegen die Gefahr ins Feld zu ziehen. Aber ist dieser Tungdil nun der wahre Gelehrte?

Dass die Zwerge-Reihe vor allem für Action und Spannung steht und weniger auf tiefschürfende Konflikte und vielschichtige Figuren setzt, ist bekannt. So bekommen wir auch diesmal wieder Heroic Fantasy der klassischen Art serviert, einmal mehr können nur die Zwerge das geborgene Land retten.

Für diejenigen, die nur die Zwerge-Reihe kennen und die Albae-Romane ausgelassen haben, wird sich der Roman – obwohl kurz nach Teil 4 angesiedelt – nur selten wie eine Fortsetzung anfühlen. Abgesehen davon, dass einige Ereignisse aus „Tobender Sturm“ nur sehr knapp zusammengefasst werden, liegt das auch daran, dass Heitz zu einigen Figuren aus dem letzten Zwerge-Abenteuer nicht viel einfällt. Mallenia, Coira und Rodario sind lediglich Statisten, Goda wird nur noch im Nebensatz erwähnt und selbst Balyndar, immerhin Träger der Feuerklinge, die auch diesmal auf dem Cover prangt, hat nur gelegentliche Auftritte. Ebenso bleiben einige Fragen aus Teil 4 unbeantwortet, beispielsweise wieso die Acronta den Zwergen damals nicht beistanden oder wer der Zwergen-Zauberer ohne Unterkiefer war. Obwohl es auch diesmal wieder ins jenseitige Land geht, spielen die Ubariu seltsamerweise überhaupt keine Rolle und die Erklärung für den Tungdil aus Teil 4 bleibt auch recht knapp.

Das wäre alles nicht weiter schlimm, wenn Heitz andere Figuren ins Zentrum stellen würde. Aber eine durchgehende Hauptfigur gibt es eigentlich nicht. Im ersten Drittel hält Ingrimmsch die Geschichte zusammen, dann übernimmt Tungdil, während Ingrimmsch längere Zeit nicht mehr vorkommt. Zwischenzeitlich wird gern zur Spannungserzeugung wieder mal hierhin und dorthin „geschaltet“, andere Perspektivträger wie der Alb Carmondai oder die Zwerginnen Gosalyn und Beligata dürfen mal etwas Einsicht in ihr Innenleben bieten. Leider bleiben sie aber genau wie die Antagonisten und deren Motivationen recht blass, so richtig warm wird man mit keiner der Figuren.

Überhaupt wirkt der Roman inhaltlich hier und da halbgar. Immer wieder verlaufen Handlungsstränge im Sande oder werden nach langer Vorbereitung durch Zufälle oder Glück recht lapidar abgehandelt, dazu gesellt sich die eine oder andere Ungereimtheit. Dass es am Ende große Zeitsprünge (einmal drei Jahre!) gibt, bei denen die zwischenzeitlichen Geschehnisse nur kurz zusammengefasst werden, tut dem Spannungsbogen auch nicht unbedingt gut. Selbst das Finale bietet nicht den großen Höhepunkt, den man angesichts des (unglücklich gewählten) Titels vielleicht erwartet. Beinahe symptomatisch ist es eine Nebenhandlung am Tor der Dritten, die noch am meisten Tiefgang bietet.

So bleiben auf der Habenseite in erster Linie die Action- und Kampfszenen, die Heitz gewohnt fesselnd aufs Papier gebracht hat, sowie das eine oder andere Rätsel, mit dem er den ansonsten recht dünnen Plot aufpeppt. Wem das reicht, um sich gut unterhalten zu fühlen, wird hier einmal mehr ordentlich bedient. An die ersten beiden Bände der Saga kann Teil 5 aber nicht anknüpfen, wer Teil 3 und 4 schon nicht mehr so gut fand, wird auch diesmal nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen.

Titelbild (c) Piper Verlag

Fazit

Trotz sieben Jahren Zwerge-Abstinenz bleibt Heitz bei seinen Leisten, sprich: Action, Kampfszenen und ein paar Rätseln als Hauptzutaten zu einem eher einfach gestrickten Plot. Insgesamt bleibt der Roman leider recht oberflächlich, Grundidee und Hauptfiguren sind altbekannt, wenn es Neues gibt, hat es oft mit der eigentlichen Haupthandlung nur am Rande zu tun. Ein Triumph ist der Roman somit leider nicht geworden, eingefleischte Zwerge-Fans werden aber dennoch zufriedengestellt.

Wertung


Pro

  • gelungene Action- und Kampfszenen
  • einige gute Ideen
  • diverse Rätsel halten den Leser bei der Stange

Contra

  • die meisten Figuren bleiben blass
  • einige Ungereimtheiten
  • manche neue Idee nur oberflächlich ausgearbeitet
  • einige Nebenhandlungen verlaufen im Sande
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Kategorien: Bücher, Fantasy
von Jörg Benne 16.Feb.2015 1.998 x gelesen