• Werbung

  •  
    Anmelden

    Nach den diversen Romanen rund um Soneas Welt und der Trilogie Das Zeitalter der Fünf hat die australische Bestseller-Autorin Trudi Canavan für ihre hiermit startende aktuelle Reihe ein neues Universum erschaffen. Bühne frei für Die Magie der tausend Welten, Band 1.
    Anders als man es angesichts des Titels Die Begabte vermuten könnte, welcher natürlich passend zu den früheren Büchern gewählt wurde, hat der Roman nicht nur EINE Hauptfigur, sondern gleich zwei – davon sogar einen männlichen Protagonisten. Die Handlung wechselt mehrfach (nach größeren Abschnitten, also nicht kapitelweise) vom einen zum anderen Charakter, gemeinerweise meistens genau dann, wenn es für die aktuelle Figur gerade brenzlig wird. Dadurch wird immer eine gewisse Spannung aufrecht erhalten, ohne dass man ständige Sprünge mitmachen muss. Der Originaltitel Thief’s Magic passt übrigens in unterschiedlicher Weise zu beiden Helden…

    diebegabtecover

    (c) Penhaligon Verlag
    Umfang: 672 Seiten
    seit 10.11.2014 im Handel
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon


    So ein Buch möchte ich auch

    An einem Ort, der Erinnerungen an die viktorianische Zeit und die Industrialisierung unserer Welt weckt, nur dass in diesem Fall die Maschinen durch Magie betrieben werden und sogar schon reger Luftschiff-Verkehr herrscht, befindet sich der Student Tyen Eisenschmelzer in der universitären Ausbildung zum „Zauberer-Archäologen“. Während einer Expedition stößt Tyen auf das magische Buch Pergama, welches vor Hunderten von Jahren eine menschliche Frau war, bei Berührung Gedanken liest und unendlich viel Wissen in sich aufzunehmen in der Lage ist. Möglicherweise kann Pargama mit ihren Informationen auch eine Lösung für die drohende Magie-Knappheit des Landes liefern. Voller Faszination und aus Angst, dass dieser bahnbrechende Fund auf Nimmerwiedersehen in den Archiven der Akademie verschwinden könnte, versucht Tyen vorerst, die Entdeckung geheim zu halten. Was natürlich nicht gelingt. Der eigentlich so strebsame, pflichtbewusste und von seinen Kommilitonen schon fast als langweilig empfundene Protagonist gerät so in ein richtiges Abenteuer voller Versteckspiele und Verfolgungsjagden.

    Lebesgeschichte mit ein paar Längen

    In einer ganz anderen Welt lebt Rielle, die Tochter einer wohlhabenden Färber-Familie. In der Gesellschaft ihres Landes haben Frauen im öffentlichen Leben nicht sonderlich viel zu melden und zu allem Übel ist der Gebrauch von Magie aus religiösen Gründen nur Priestern gestattet. Selbst wer einfach nur im Stande ist, Rückstände verbrauchter magischer Kraft zu sehen, wird misstrauisch beäugt. Doch nun häufen sich in der Stadt widerrechtliche Zaubereien und gleichzeitig entdeckt die magiebegabte Rielle ihre Liebe zum zwar sehr talentierten, aber ziemlich mittellosen Maler Izare.
    Durch diese Beziehung besitzt der Handlungsfaden rund um Rielle eine romantische, gefühlsbetonte Komponente, die Tyens Geschichte (zumindest bisher) noch weitgehend fehlt. Schon deshalb hat die junge Frau für viele Leserinnen und gerade die Anhängerinnen der Sonea-Bücher wahrscheinlich eher das Potenzial, zur Identifikationsfigur zu werden. Auch einige sympathische Nebencharaktere haben den Weg ins Buch gefunden.
    Leider wird das Ganze aber mit einer streckenweise zu geruhsamen Atmosphäre und dezent lahmen Story erkauft, die erst später richtig Fahrt aufnimmt und die anfangs noch zu gehorsame Rielle in echte Bedrängnis geraten lässt. Die meiste Zeit über hat mir Tyens Welt mit ihren magisch-technischen Errungenschaften, interessant geschilderten Action-Szenen und vor allem auch abwechslungsreicheren Schauplätzen deshalb mehr zugesagt.

    Cliffhanger-Ende

    Bei beiden Hauptcharakteren macht sich stellenweise arge Naivität bemerkbar – der vorbelastete Fantasy-Leser sieht manche Situationen schon kommen und möchte die Helden gern warnen, muss dann aber doch miterleben, wie sie genau in die Falle tappen. Aber die Protagonisten hatten halt einfach noch nicht die Möglichkeit, entsprechende Lebenserfahrung zu sammeln…
    Noch ist zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu sagen, was die genaue Verbindung zwischen beiden Handlungsebenen sein wird. Das Ende dieses Bandes ist offen, aber ich vermute, dass sich die Wege von Tyen und Rielle recht bald kreuzen werden.
    Mit dem Klappentext bin ich übrigens mal wieder nicht ganz zufrieden, weil in meinen Augen die falschen Schwerpunkte gesetzt werden bzw. sogar etwas verfälschte Informationen enthalten sind. Die Verwendung von Pergamas englischem Original-Namen Vella ist da das geringste Problem.

    Fazit

    Das Szenario der neuen Reihe hat mit seinen verschiedenen Welten, den beiden komplett unterschiedlichen Helden und nicht zuletzt der Buch-Lady Pergama viel Potenzial, das bis jetzt aber noch nicht voll genutzt wird. Die Ereignisse vor dem sehr offenen Ende lassen darauf hoffen, dass wir in der Fortsetzung unter anderem weitere Kulturen und magische Besonderheiten des zugrundeliegenden Universums zu Gesicht bekommen werden. Die Begabte hat meiner Meinung nach vor allem in den Kapiteln der weiblichen Hauptfigur ein paar Längen, durch den geschickten Wechsel zwischen den Protagonisten oder auch die atmosphärischen, gelungenen Schilderungen und Formulierungen bleibt jedoch selbst dann die Lesemotivation erhalten. So schafft es das neue Werk zwar nicht in den Kreis meiner Lieblingsbücher, ich werde die Geschichte aber auf jeden Fall weiter verfolgen.

    Wertung


    Pro

    • interessantes neues Universum
    • zwei sehr unterschiedliche Hauptfiguren
    • magisches Buch als ungewöhnliche Nebenfigur
    • schön geschilderte Welten

    Contra

    • Story kommt streckenweise nur langsam voran
    • Rielles Umgebung ist weniger abwechslungsreich als die von Tyen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema , ,

    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 20.Nov.2014 2.027 x gelesen
    • sffanfan

      Hey hey!:-)
      Da hab ich mal ne Frage: Ich gehöre wahrscheinlich zu den ganz ganz wenigen die mit den Sonea-Büchern so gar nichts anfangen konnten. Hab damals Band 1 gelesen und es danach auf ewig beendet. Würdest du sagen, dass das eine schlechte Voraussetzung für die Begabte ist? Ich glaube ich hab oft die Erfahrung gemacht, dass man schon irgendwie von einem Buch eines Autors auf seine anderen Werke schließen kann. Irrtum ist aber auch hier niemals so ganz ausgeschlossen.

    • Christina Schmitt

      Hi 🙂
      Gar nicht so leicht zu beantworten. Durch das neue Szenario und z.B. auch Tyen als Hauptfigur unterscheidet sich das Buch durchaus in vielen Bereichen von den Sonea-Bänden. Aber der grundsätzliche Schreibstil ist halt schon ziemlich ähnlich. Also wenn du mit dem ersten Buch gar nichts anfangen konntest, bin ich deswegen etwas skeptisch was die neue Reihe betrifft.