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    Bernhard Hennen ist einer der ganz großen deutschen Fantasy-Autoren. Schon diese Tatsache macht neugierig auf den Start seiner neusten Reihe, Die Chroniken von Azuhr, der noch dazu mit einer sehr ansprechenden Aufmachung glänzt. Stimmen neben geprägtem Cover, blauem Schnitt und farbiger Landkarte am Anfang auch die inneren Werte?

    Die Schatten der Vergangenheit
    Vor Jahrzehnten musste der Erzpriester Lucio Tormeno eine schwierige Entscheidung treffen, deren Auswirkungen noch immer spürbar sind. Inzwischen ist sein Sohn Nandus selbst Erzpriester in fortgeschrittenem Alter und hat seinen begabten Jüngsten Milan zum Nachfolger auserkoren. Doch der Sechzehnjährige lehnt sich gegen den strengen und von ihm als ungerecht empfundenen Vater auf. Durch die Begegnung mit ein paar Rebellen wird Milans Zorn weiter angefacht und der Widerstand in neue, ernstere Bahnen gelenkt. Zur gleichen Zeit häufen sich Berichte über Sichtungen des geheimnisvollen Krähenmanns, welcher eigentlich nur in alten Geschichten sein Unwesen treibt…

    Nach einem recht umfangreichen und sehr dramatischen, düsteren Prolog aus der Zeit von Lucio Tormeno folgt die Geschichte dann meist dem jugendlichen Milan, enthält aber auch immer wieder Kapitel rund um Nandus oder Nebenfiguren wie die exotische Kurtisane Nok und den örtlichen Hauptmann der Wache auf der Jagd nach dem Krähenmann.
    Der hauptsächlische Schauplatz, ein Teil der Insel Cilia, erinnert mit seinen Schiffen, Händlern und Adelsfamilien an italienische Stadtstaaten der Renaissance wie Venedig, inklusive der passenden Namen und drohender Pestausbrüche. Auch andere Elemente weisen Parallelen zu unserer Welt in früheren Zeiten auf – ein auftauchendes Volk ähnelt z.B. einer Mischung aus Mongolen und Chinesen oder Japanern. Das Buch hat dadurch viel von einem historischen Roman, nur eben aus einer fremden Welt, doch mit im Lauf der Handlung dezent zunehmender Fantasy-Komponente. Märchen- oder, wie es in diesem Szenario heißt, „Mären“-Gestalten beginnen, leibhaftig aufzutauchen. Der Zusammenhang zwischen diesem Phänomen und den Protagonisten wird mit fortschreitender Geschichte deutlich.

    (c) Fischer TOR
    Umfang: 576 Seiten (Klappbroschur)
    seit 29.12.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Vater und Sohn
    Ein zentrales Thema des Romans ist das schwierige Verhältnis zwischen Milan und seinem Vater. Der kluge und in seinem Wesen rechtschaffene, wenn auch teils fehlgeleitete, Jüngling stellt dabei den Sympathieträger des Ganzen dar, doch man entwickelt teilweise auch ein wenig Verständnis für die Entscheidungen des oft grausam und herzlos wirkenden Nandus, der letztendlich nur das Beste für seine Heimat will. Die beiden Hauptfiguren, genau wie allerlei Nebencharaktere, können mit ganz unterschiedlichen Facetten aufwarten, auf simple schwarz-weiße Persönlichkeiten wird erfreulicherweise verzichtet, auch wenn ein paar Charakterzüge dann doch ein wenig klischeehaft wirken.

    Die Story hält einige, teils fiese Wendungen bereit und vermittelt eine dichte, insgesamt relativ dunkle Atmosphäre. Der gelungene Schreibstil zeichnet ein lebendiges Bild der Figuren und Schauplätze, so dass man gut in die Welt der Geschichte eintauchen kann. Anfangs gibt es noch kaum übernatürliche Komponenten, so dass die Handlung vorerst wirklich eher Fans historischer Romane erfreut, später nimmt der „Fantasy“-Anteil aber wie bereits erwähnt merklich zu.
    Vor allem das noch viele Fragen offen lassende Ende hat einen übersinnlichen Touch und verspricht für die Fortsetzung weitere magische Abenteuer.

    Fazit

    Die Chroniken von Azuhr starten mit einem lesenswerten Auftaktband, der nicht nur schick aussieht, sondern auch eine wendungsreiche Geschichte mit vielschichtigen Charakteren und einer komplexen, historisch anmutenden Welt zu bieten hat. Die Fantasy-Elemente werden dabei zuerst nur sparsam eingesetzt, mehren sich aber im Verlauf der Handlung. Nicht nur die zahlreichen Hennen-Fans kommen hier auf ihre Kosten und dürfen sich über eine neue epische Reihe freuen.

    Wertung


    Pro

    • spannende Geschichte
    • interessante Charaktere
    • komplexe, historisch wirkende Welt 
    • gelungener Schreibstil
    • schicke Aufmachung

    Contra

    • vor allem anfangs wenige Fantasy-Elemente
    • vereinzelt klischeehafte Charakterzüge

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 6.Jan.2018 291 x gelesen