• Werbung

  •  
    Anmelden

    Tad Williams gehört sicherlich zu den bekanntesten Autoren der modernen Phantastik und nicht zuletzt sein Osten Ard-Epos (Das Geheimnis der Großen Schwerter) verhalf ihm zu einer treuen Fangemeinde. Jahrzehnte später lässt er das beliebte Szenario endlich zu neuem Leben erwachen – und auch in der Welt des Buches sind gut 30 Jahre vergangen…

    Ein Wiedersehen nach langer Zeit
    Die gereiften Monarchen König Simon und Königin Miriamel befinden sich, begleitet von ihrem Enkel Prinz Morgan, auf einer Rundreise durch die verschiedenen Ländereien des Reiches, um ihren Vasallen einen Besuch abzustatten und etwa den treuen Isgrimnur ein letztes Mal zu sehen. Neben solch traurigen Anlässen liefern auch andere Vorkommnisse Grund zur Besorgnis – so lassen einige Adlige wohl einen uralten finsteren Kult wieder aufleben. Zur gleichen Zeit gerät eine Botin der Sithi kurz vor Erreichen des Königshofes in einen Hinterhalt und einem mysteriösen Jäger kommen in den frostigen Gegenden seines Aufenthaltsortes beunruhigende Gerüchte zu Ohren. Die Königin der Nornen scheint aus ihrem Schlaf erwacht zu sein und nach der endgültigen Vernichtung des sterblichen Abschaums zu trachten…

    Der ehemalige Küchenjunge Simon, das liebenswerte „Mondkalb“ des vergangenen Abenteuers, hat seine bescheidenen Wurzeln nicht vergessen. Er ist ein volksnaher Herrscher, der ein offenes Ohr für seine Untertanen hat und sich dagegen sträubt, in Liedern oder Geschichten als Held dargestellt zu werden.
    Doch mit dem jugendlichen Enkel hat Simon so seine Last – der Jüngling Morgan ist oft gelangweilt und bockig, fühlt sich im Schatten seiner heldenhaften Großeltern und des früh verstorbenen und schmerzlich vermissten Vaters stehend. Morgan verplempert seine Zeit mit Saufgelagen und oberflächlichen Freunden, statt sich der Verantwortung als Thronfolger zu stellen.
    Aber im Lauf der Geschichte beginnt sich der Prinz, wenn auch langsam, zu wandeln, was nicht zuletzt seiner Begegnung mit ungefähr gleichaltrigen Trollen zu verdanken ist. Die Tochter und der zukünftige Schwiegersohn des wohlbekannten Binabik sind, wie schon dieser selbst in den früheren Büchern, echte Sympathieträger mit einer lustigen Art zu reden und zu denken, aber großem Mut und Weisheit im kleinen Körper.

    (c) Klett-Cotta
    Umfang: 745 Seiten (Hardcover)
    seit 09.09.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Wir kennen uns doch
    So wie Binabik geben sich hier viele alte Bekannte ein Stelldichein, was das Ganze für Kenner der Klassiker natürlich noch interessanter macht, doch auch zahlreiche neue Charaktere bringen Abwechslung ins Geschehen. So verfolgt man beispielsweise die gefahrvolle Reise der Halbblut-Kriegerin Nezeru oder die Erlebnisse ihres Nornen-Vaters und macht mit dem Mönch Etan eine spannende, aber auch verbotene Entdeckung.
    Der Leser erlebt Szenen aus den verschiedensten Teilen des Reiches, wo sich Zeichen der drohenden Krise bemerkbar machen. Einige Passagen des Buches verlaufen recht ruhig, bringen die eigentliche Handlung nur relativ wenig voran und scheinen eher der Vorbereitung und der Ausgestaltung des epischen Szenarios zu dienen, was dem Leser etwas Geduld abverlangt. Außerdem werden die alten Abenteuer etwas zu häufig erwähnt – hilfreich für Neulinge oder Vergessliche (wie mich), aber für andere wahrscheinlich ein wenig lästig.

    Die Atmosphäre ist dafür wunderbar gelungen, das Szenario hat nicht nur für Serienveteranen viel zu bieten. Schon durch die verschiedenen Perspektiven wird wie gesagt auch einige Abwechslung geboten. Und man merkt dann doch, wie sich die Situation immer mehr zuspitzt.
    Darüber hinaus kann der Schreibstil überzeugen und lässt uns, trotz der Erzählung in der dritten Person, hautnah an den Schicksalen der komplex ausgearbeiteten Charaktere teilhaben.
    Recht gemein ist allerdings das ziemlich abrupte Cliffhanger-Ende. Wahrscheinlich schon dadurch bedingt, dass Die Hexenholzkrone aus Gründen des Umfangs ins zwei Teilbände zerlegt wurde (daher auch der etwas umständliche Titel). Zum Glück soll die Fortsetzung bereits in wenigen Wochen folgen.

    Fazit

    Die Hexenholzkrone 1 ist eine nicht nur, aber ganz besonders für Fans der früheren Osten Ard-Bücher lohnenswerte Reise in ein komplex ausgearbeitetes Szenario mit sehr überzeugender Atmosphäre. Viele alte Bekannte und Erinnerungen an frühere Ereignisse erfreuen das Veteranen-Herz, gleichzeitig bringen interessante frische Charaktere eine große Portion Abwechslung und neue Facetten in das Abenteuer. Der eher ruhige Verlauf vieler Passagen ist vielleicht nichts für Action-Liebhaber, trotzdem kam zumindest bei mir aber keine Langeweile auf und vor allem die teils sehr sympathischen Figuren haben es mir angetan.

    Wertung


    Pro

    • atmosphärische, detailreiche Welt
    • komplexe, teils sehr sympathische Figuren
    • Wiedersehen mit alten Bekannten, aber auch frischer Wind durch neue Charaktere
    • gelungener Schreibstil
    • Glossar mit Personenverzeichnis und weiteren Infos am Ende

    Contra

    • einige schon etwas zu geruhsame Passagen
    • sehr offenes Ende durch aufgeteilten Band

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema , ,

    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 10.Okt.2017 1.371 x gelesen