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    Das Lied des Blutes und der Folgeband Der Herr des Turmes konnten jeweils die Höchstwertung abstauben – sie gehören zu meinen absoluten Lieblingsbüchern der letzten Jahre. Meine Erwartungen an (und meine Vorfreude auf) den Abschluss der Rabenschatten-Trilogie waren entsprechend hoch.
    Hm… manchmal wäre etwas mehr Pessimismus vielleicht eine gute Idee.

    Gemeinsames Ziel, getrennte Wege
    Vaelins Lied des Blutes ist verstummt und er kann sich dadurch nicht mehr auf seine von Jugend an gewohnten Kampffähigkeiten und die übermenschliche Intuition verlassen, auf die sich sein Ruf begründete. Die Umstellung kostet den Helden einiges an Kraft, zumal ihn sein Weg in extrem unwirtliche Gefilde führt – zusammen mit einigen Getreuen sowie neuen Verbündeten macht er sich in der eisigen Einöde auf die Suche nach einer Lösung für das Problem mit den so gut wie unsterblichen Widersachern.
    Alucius versucht im besetzten Varinshold einen Beitrag zur Befreiung zu leisten und muss über sein früheres feiges, übermäßig dem Genuss zugeneigtes Selbst hinauswachsen.
    Königin Lyrna zeigt sich nach den errungenen Teilsiegen von der unerbittlichen Seite und rüstet zum Gegenschlag. Mit einer riesigen Streitmacht will sie nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ jenseits des Meeres die Gegner ein für alle Mal unschädlich machen.
    Frentis kommt nicht von seiner Peinigerin los, mit der ihn noch immer quälende Träume verbinden.
    Gleichzeitig führt er einen Stoßtrupp ins feindliche Gebiet, um unter anderem die Sklaven in Volaria zur Rebellion zu bringen.
    Auch Reva führt der Weg in die Höhle des Löwen. Für ihre Untertanen ist sie eine Art Jeanne d’Arc der Fantasywelt, die mit göttlichem Segen zum Kreuzzug aufruft – sie selbst bekommt angesichts dieser blinden Verehrung jedoch arge Gewissensbisse…

    königinderflammencover

    (c) Klett-Cotta
    Umfang: 879 Seiten
    seit 27.08.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Licht und Schatten
    Die Perspektive wechselt mal wieder kapitelweise zwischen den zentralen Figuren. Obwohl sie überzeugend dargestellt sind und durch komplexe Charakterisierung mit Stärken, Schwächen und individuellen Persönlichkeitsmerkmalen punkten, ist es schade, dass Vaelins Geschichte über weite Strecken eher in den Hintergrund gedrängt wird.
    Statt wie zu Beginn der Trilogie der eindeutige Held des Buches zu sein, ist er bloß einer unter mehreren und bekam noch dazu einen meist nicht unbedingt actiongeladenen Part ab. Wer den Protagonisten wie ich lieb gewonnen hat, kann also schon ein bisschen enttäuscht sein. Wobei mich vor allem die Kapitel meiner zweiten Lieblingsfigur Reva durchaus etwas entschädigen.
    Gewaltig an Sympathiepunkten eingebüßt hat dagegen Lyrna. Zwar zeichnete sich die jetzige Königin unter anderem schon immer durch ihre Ambitioniertheit aus, ihr Verhalten in diesem Band finde ich aber (auch wenn ihr zweifellos Schlimmes widerfahren ist) teils verabscheuungswürdig und es hat nur vergleichsweise wenig Freude gemacht, ihre Abschnitte zu lesen.

    Der Autor kann erneut seinen über jeden Zweifel erhabenen Schreibstil bezogen auf schöne Formulierungen und Beschreibungen präsentieren, der sich abseits der Charaktere etwa auch in der Schilderung der Schauplätze zeigt. So vermittelt z.B. Vaelins Reiseziel eine tolle Atmosphäre – die verschneiten Umgebungen mit der Urgewalt ihrer gigantischen Eisschollen und tödlichen Stürme lassen den Leser richtig frösteln.

    Detailliert werden auch die zahlreichen Kämpfe des Buches geschildert. Es gibt hohe Opferzahlen auf allen Seiten zu beklagen, auch „prominente“ Charaktere werden nicht verschont. Die grausamen Schlachten lassen ordentlich Spannung aufkommen und werden vor allem vielen Fans düsterer Fantasy gefallen, für meinen Geschmack ist der Kampfanteil aber schon fast etwas zu hoch.

    Kommen wir zum Hauptkritikpunkt: Dafür, dass über all die vielen Seiten und wechselnden Handlungsstränge eine komplexe Geschichte erzählt wird (gerade, wenn man bei der Betrachtung auch die beiden vorherigen Bände berücksichtigt), kommt das Ende hier deutlich zu schnell. Das Finale wirkt überhastet, die Lösung des ganzen Schlamassels erscheint mir ein wenig zu simpel und ich hatte außerdem nicht hundertprozentig das Gefühl, mich angemessen von den Charakteren und ihrer Welt verabschieden zu können. Sehr, sehr schade. Was an Zeit, Energie und Seitenzahl in so manche Schlacht geflossen ist, wäre hier wahrscheinlich besser aufgehoben gewesen…

    Fazit

    Der Abschluss der Rabenschatten-Trilogie enttäuscht auf hohem Niveau. Vaelin und seinen Mitstreitern bleibt das perfekte Finale verwehrt, das sie angesichts der Qualität der beiden Vorgängerbände verdient hätten. Zu hastig und unbefriedigend wirkt der Abschluss, zu sehr wird der ursprüngliche Hauptcharakter diesmal in den Hintergrund gedrängt. Zentrale Stärken wie die detailreiche Welt, die fesselnde Atmosphäre und die vielschichtigen Charaktere sind zwar auch hier anzutreffen, bezogen auf die eigentliche Handlung hätte ich mir aber - ganz besonders am Ende - mehr erhofft.

    Wertung


    Pro

    • prima Schreibstil
    • vielschichtige Charaktere
    • fesselnde Atmosphäre
    • komplexe Welt und schön geschilderte Schauplätze

    Contra

    • überhastetes, enttäuschendes Ende!
    • Vaelin wird zu sehr in den Hintergrund gedrängt
    • etwas zu hoher Kampfanteil

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 20.Sep.2016 996 x gelesen