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    Wer Fantasy liebt und häufig liest oder schaut, wird im Bezug auf Story-Verläufe und andere Elemente immer wieder Déjà-vu-Erlebnisse haben. Die Murdstone-Trilogie aus der Feder des vor knapp einem Jahr verstorbenen Autors Mal Peet nimmt nicht zuletzt diese ausgelutschten Genre-Klischees aufs Korn.

    murdstonecover

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 320 Seiten
    seit 01.02.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Eine folgenschwere Begegnung der dritten Art
    Der britische Schriftsteller Philip Murdstone schrieb bisher Jugendbücher nah an der Realität, über die Sorgen ausgegrenzter Teenager. Doch eines Tages muss der zurückgezogen lebende und an den neuen Medien herzlich uninteressierte Autor erfahren, dass mit solchen Werken kein Geld mehr zu machen ist. Nein, stattdessen ist Fantasy das Must Have, oder sagen wir lieber Must Write.
    Obwohl ihm seine Agentin gleich ein passendes Strickmuster an die Hand gibt (Zauberer, Schwerter mit exotischen Namen und auf jeden Fall ein magisches Amulett, außerdem möglichst eine Trilogie…), kann der bald völlig verzweifelte Murdstone mit dem Fantasy-Gedöns so gar nichts anfangen und es wollen sich keine verwertbaren Ergebnisse einstellen. Bis ihm im Suff ein seltsamer Gnom begegnet und quasi die Geschichte eines potenziellen Bestsellers diktiert.
    Doch die Sache hat ihren Preis. Murdstone hätte wissen sollen, dass man mit solchen Gestalten lieber keine Geschäfte macht (aber er hat halt einfach nicht genug Fantasy-Erfahrung). Nun muss er mit den Folgen eines magischen Pakts zurechtkommen und sein Leben wird immer mehr durch übersinnliche Ereignisse auf den Kopf gestellt.

    Nur für den Fall, dass es noch nicht deutlich geworden ist: Die Murdstone-Trilogie ist nicht wirklich ein dreibändiges Werk, sondern der Name bezieht sich einfach auf Philips im mühsamen Entstehungsprozess befindliches Projekt.
    Das Buch zeigt sich als augenzwinkernde Parodie aufs Fantasy-Genre und den Literaturbetrieb im Allgemeinen mit all den aufgeblasenen Kritikern, millionenschweren Verfilmungen und der verzweifelten Suche nach dem nächsten großen Trend. Die Anspielungen und (eher leisen, nicht zu albernen) Gags sind mal leichter zu erkennen, mal etwas versteckter, etwa wenn während einer Szene bei einem Radiosender der Moderator in einem Nebensatz erwähnt, dass Thomas Pynchon im Anschluss seine Autobiographie vorstellen wird.

    Unterhaltsam sind darüber hinaus allerlei Skurrilitäten wie die verschrobenen Dorfbewohner in Murdstones Wahlheimat. Zusätzlich kann auch der Schreibstil mit ausgefeilten Formulierungen glänzen.
    Der Protagonist wird dem Leser durch seine menschlichen Schwächen sympathisch und man fühlt seine Verzweiflung angesichts nahender Abgabetermine und leerer Seiten regelrecht mit. Auch Nebenfiguren wie die ehrgeizige Agentin werden überzeugend charakterisiert.
    Weniger gut gefallen hat mir persönlich das Ende der Geschichte, aber andererseits passt es eigentlich doch ziemlich gut zu den vorangegangenen Entwicklungen im Handlungsverlauf.

    Fazit

    Die Murdstone-Trilogie ist eine unterhaltsame, ideenreiche Parodie auf gängige Fantasy-Klischees und die Eigenheiten des Literaturgeschäfts. Es macht Spaß, zu lesen wie das Leben des Protagonisten durch Schreibblockaden und unerklärliche Phänomene immer mehr aus den Fugen gerät. Der schwarze Humor des Buches ist dabei eher leise und hintergründig, verzichtet also etwa weitgehend auf alberne Slapstick-Einlagen.

    Wertung


    Pro

    • Fantasy/Buchgeschäft unterhaltsam parodiert
    • sehr guter Schreibstil
    • überzeugend charakterisierte Hauptfigur und skurrile Nebencharaktere

    Contra

    • das Ende hat mir weniger gefallen als der Rest
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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 28.Feb.2016 534 x gelesen