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    Zu Patrick Rothfuss muss man eigentlich gar nicht mehr viel sagen – schließlich haben Der Name des Windes und der dazugehörige Nachfolger Die Furcht des Weisen die Fantasy-Welt und vor allem die Herzen der Leser im Sturm erobert. In der Königsmörder-Chronik hat Held Kvothe die Bekanntschaft des geheimnisvollen Mädchens Auri gemacht und genau dieser interessanten Nebenfigur widmet sich der Autor in der nun erschienenen Novelle.

    diemusikderstille

    (c) Klett-Cotta Verlag
    Umfang: 173 Seiten
    seit 21.02.2015 im Handel
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Gegenstände mit Seele

    Die Musik der Stille entführt uns in das labyrinthartige Geflecht aus vergessenen Gängen und Kammern unter der Universität von Imre. Hier, im „Underding“, führt Auri ein verborgenes Leben und beschäftigt sich tagtäglich damit, alle Dinge ihrer Welt (nach für Außenstehende nur schwer verständlichen Regeln) zu ordnen, damit „nichts nicht so ist, wie es sein sollte“.
    In Auris besonderer Vorstellung haben selbst unbelebte Gegenstände eine eigene Persönlichkeit, man liest von vor sich hintrödelnden Keramikrohren, müden Stoffstreifen, schüchternen Türen oder fanfarenstolzen Tagen. Diese ganz eigene Sichtweise spiegelt sich unter anderem auch in allerlei kreativen Wortschöpfungen wieder, mit denen die Protagonistin etwa die einzelnen Schauplätze ihres unterirdischen Zuhauses benennt.

    Das Buch bricht mit althergebrachten Traditionen und Lesegewohnheiten, denn es besitzt weder Dialoge, noch einen Spannungsbogen oder die typischen Gefahren und Konflikte. Auri selbst bleibt (von den fast schon lebendig wirkenden Objekten abgesehen) die einzige Person und streng betrachtet passiert in dieser Geschichte gar nicht viel. Und doch funktioniert sie!
    Das liegt zum einen am wunderschönen Schreibstil mit seinen bildhaften Beschreibungen, den oben erwähnten Besonderheiten und seinem angenehm verträumten Tempo, zum anderen vor allem an der Hauptfigur selbst. Würde man Auri mit ihren streng ritualisierten Handlungen und verschrobenen Ansichten psychologisch analysieren, entstände der Eindruck eines einsamen, sehr zwanghaften und traumatisierten Mädchens, das sich in eine streng geordnete Lebensweise außerhalb der Gesellschaft flüchtet und zu schützen versucht. Doch in ihrem eigenen Kosmos erinnert sie eher an ein elfengleiches, faszinierendes Wesen, welches den Leser bezaubert und tief berührt. Einige schwarz-weiße Illustrationen sowie Überlegungen des Autors zur Entstehung dieses ungewöhnlichen Werkes runden Die Musik der Stille ab.
    Die Novelle ist schwer zu beschreiben und anders als jedes Buch, das ich bisher gelesen habe, und ich kann deshalb jedem Interessierten nur raten, sich selbst ein Bild davon zu machen.

    Fazit

    Ich begrüße es sehr, dass hier einer der faszinierendsten Figuren der Königsmörder-Chronik ein eigenes Buch spendiert wurde. Und eigen ist schon das richtige Stichwort – Rothfuss hat mit Die Musik der Stille eine höchst ungewöhnliche Novelle geschrieben, die so gar nicht dem üblichen Bild entspricht, das man von einer Fantasy-Geschichte hat. Den Leser erwartet hier eher eine Charakterstudie der besonderen Art, ohne typische Handlung. Damit wird der Autor zwar nicht den Geschmack aller Fans der eigentlichen Reihe treffen, doch viele andere wird Auris spezielle Sicht der Welt sicherlich ebenso sehr berühren wie mich.

    Wertung


    Pro

    • faszinierende, liebenswerte Hauptfigur
    • ganz eigene Perspektive
    • wunderschöner Schreibstil

    Contra

    • gemessen am Umfang ziemlich teuer
    • streng genommen gibt es fast keine Story

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 21.Feb.2015 1.441 x gelesen