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    In seinem Debütroman schildert J. Patrick Black die Auswirkungen einer schon seit Jahrhunderten andauernden außerirdischen Bedrohung. Als Leser erkunden wir die namensgebende Stadt und andere Regionen einer stark veränderten Erde.

    Verschiedene Seiten eines großen Krieges
    Der zwölfjährige Jax sticht an seiner Akademie weder im körperlichen noch im geistigen Bereich sonderlich hervor, doch dank seiner extrem seltenen Begabung kann er im Falle eines Angriffs die letzte Hoffnung der ganzen Stadt sein.
    Naomi zieht mit ihrem Familienclan von einer Siedlung zur anderen, wo sie Handel treiben, ohne sich längere Zeit an einem Ort aufzuhalten. Das Mädchen eifert Schwester Rae nach, die als Teil einer Art Späher-Truppe schon in so manche Auseinandersetzung mit den teils kriegerisch veranlagten anderen Bewohnern ihrer rauen Umgebung verwickelt war. Doch eines Tages geraten die Reiter in einem seltsam idyllischen Tal in einen Kampf gegen Feinde, denen sie scheinbar nichts entgegenzusetzen haben.
    Torro schuftet wie die meisten Bewohner der Siedlung 225 in einer Fabrik, um Verpflegung für die Einwohner, aber vor allem auch für zahllose Soldaten, herzustellen. Regelmäßige Rekrutierungen per Losverfahren (oder auch wegen angesammelter „Strafpunkte“) lassen die meisten Zeitgenossen zittern. Denn wer an die Front geschickt wird, kehrt niemals zurück. Und über die wahren Hintergründe des endlos scheinenden Krieges werden die Menschen der Siedlung im Dunkeln gelassen.

    Soweit die Beschreibungen zu drei Hauptfiguren, wobei die Handlung auch noch aus der Sicht von mehreren anderen Charakteren erzählt wird, darunter z.B. eine hochbegabte junge Erfinderin. Alle diese Protagonisten dienen als Ich-Erzähler – schon dadurch, und durch die häufigen Wechsel, wird es manchmal etwas schwierig, sich wieder in der jeweiligen Situation zurechtzufinden. Insgesamt hat mir der vielschichtige Blick auf die unterschiedlichen Facetten des Geschehens aber gefallen, wobei ich sowieso etwas für diese Erzählweise übrig habe, was natürlich Geschmackssache ist.

    (c) Heyne
    Umfang: 800 Seiten (Klappbroschur)
    seit 13.06.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Bunter Themenmix
    Zukunftstechnologie und eher als Magie zu bezeichnende Kräfte („Telemetie“) treffen in Die Neunte Stadt aufeinander. Nomadische Familien, an sozialistische Vergangenheiten erinnernde Gesellschaften, futuristische Militärschulen mit exotischen Unterrichtsfächern, Mech-Gefechte, Parallelwelten… Die Themen dieser Geschichte wurden bunt gemischt und garantieren eine ordentliche Portion Abwechslung. Zwar sind die Elemente überwiegend nicht ganz neu, die Kombination geriet aber unterhaltsam.

    Genau wie manche der Protagonisten erfährt der Leser erst später Genaueres zur Invasion und dem damit verbundenen Kriegsgeschehen. Auch Details zur speziellen Magie des Szenarios werden nach und nach enthüllt. Es ist interessant, die Figuren bei dieser Entdeckungsreise zu begleiten und zu verfolgen, wie ihr jeweiliges Weltbild teilweise völlig auf den Kopf gestellt wird. Trotz bekannter Elemente bietet die Geschichte dann auch einige gelungene eigene Ideen wie die Rolle besonderer Träume im Zusammenhang mit der Telemetie.

    Die Story enthält einige durchaus filmreife Szenen, actionreiche Gefechte und außerdem sympathische Interaktionen zwischen den Charakteren, auch wenn die Beziehungen häufig ein wenig zu oberflächlich bleiben. Durch Details wie die künstliche Intelligenz in der Werkstatt der Erfinderin oder einen mit StarWars-Zitaten um sich werfenden Nebencharakter (nicht die einzige Anspielung auf dort fast vergessene Kulturgüter) kommt auch etwas Humor ins Spiel. Trotzdem hätte die Handlung und damit auch der Seitenumfang stellenweise aber etwas gestrafft werden können.
    Nebenbei bemerkt sind mir in der Übersetzung einige Flüchtigkeitsfehler wie vergessene Buchstaben ins Auge gestochen.

    Am Ende des Buches ist ein Etappenziel erreicht und die Handlungsstränge laufen nach spannenden Szenen auf eine gewisse Ruhepause zu, man merkt aber, dass noch längst nicht alle Geschichten aus diesem Szenario erzählt wurden. Mal sehen, wann wir mit einer Fortsetzung rechnen dürfen.

    Fazit

    Die Neunte Stadt lässt ihre ganz unterschiedlichen Hauptfiguren Dinge herausfinden, die ihr Weltbild teils völlig auf den Kopf stellen. Der Leser begleitet die Ich-Erzähler auf diesem Weg zur Erkenntnis und erforscht auf unterhaltsame Weise ein Szenario, das zwar so manches bekannte Element enthält, aber auch mit eigenen Ideen wie einer speziellen Art von Magie punkten kann. Die Geschichte bietet schon durch die Protagonisten ordentlich Abwechslung, auch wenn manche Passagen ruhig ein wenig kürzer gefasst sein könnten. So erwartet uns hier kein herausragendes Werk der Science-Fiction, aber eine trotzdem lesenswerte Geschichte, die mit ihren jungen Hauptdarstellern gerade auch für jugendliche Zukunftsfans einen Blick wert sein kann.

    Wertung


    Pro

    • abwechslungsreicher Themenmix
    • Hintergründe werden zusammen mit den Figuren aufgedeckt
    • interessantes Magiesystem
    • sympathische Charaktere...

    Contra

    • ...die aber manchmal zu oberflächlich bleiben
    • hätte etwas straffer erzählt werden können
    • manche Elemente wirken zu bekannt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 5.Jul.2017 710 x gelesen
    • Schöne Rezi, die ich nach meinem bisherigen Stand (S. 480) so unterschreiben würde. Mir fehlt auch ein bisschen mehr Eigenständigkeit im Buch, es kommt einem doch sehr viel sehr bekannt vor.