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    Die Karte der Welt war eine ganze Weile auf der Spiegel-Bestsellerliste vertreten und das später erschienene Prequel Der Wille des Königs wurde durch diesen Erfolg ebenfalls für viele Fantasy-Fans interessant, wobei die Geschichte in meinen Augen einige Schwächen hatte (siehe Rezension).
    Interessanterweise wieder exklusiv für den deutschen Markt hat der Autor nun das dritte und letzte Buch der Reihe geschrieben.

    rubinrotekönigin

    (c) blanvalet Verlag
    Umfang: 544 Seiten
    seit 18.01.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Alte Bekannte und neue Bündnisse
    Während es sich beim zweiten Band wie erwähnt um ein Prequel handelte, ist Die rubinrote Königin nun wirklich eine Fortsetzung des Erstlings. Die Handlung ist einige Jahrzehnte nach den Ereignissen von Die Karte der Welt angesiedelt, was das Buch aber nicht davon abhält, ein paar damalige Figuren ungealtert zurückkehren zu lassen (an anderen hat der Zahn der Zeit dann aber doch genagt).
    Die Erklärung dafür liefert der schon bekannte unheimliche „Schleier“, welcher Teile der Welt bedeckt und zu Beginn den früheren Antagonisten Vill sowie das Flussvolk-Mädchen Adara wieder freigibt. Aus den erbitterten Feinden werden durch gemeinsam überstandene Widrigkeiten schließlich Weggefährten, zumal sich herausstellt, dass der einst völlig emotionslose Vill nun wieder in der Lage ist, Gefühle zu empfinden. Allerdings muss er feststellen, dass das Leben ohne diesen Ballast früher manchmal einfacher war…
    Neben ein paar anderen Charakteren, die man kapitelweise begleitet (darunter etwa ein skrupelloser Gestaltwandler und Körperdieb), steht vor allem die namensgebende Königin im Mittelpunkt, die mit ihren Truppen Abrogan erobert hat. Schon früh wird angedeutet, dass die junge Frau nicht die ist, die sie zu sein vorgibt. Und im Kampf gegen einen gemeinsamen Feind müssen sich die grundverschiedenen Protagonisten letztendlich zusammenraufen.

    Gute Ansätze, aber viele Mängel im Detail
    Abenteuerliche Passagen mit unwirtlichen (anschaulich beschriebenen) Gegenden, Naturkatastrophen, fleischfressenden Insekten und anderen Gefahren wecken Erinnerungen an die vielen Hindernisse, welche die Helden des ersten Bandes auf ihrer Reise bewältigen mussten. Hier hat auch das neue Buch einige spannende Momente und fantasievoll gestaltete Schauplätze, die gemessen am Gesamtumfang des Werks aber meiner Meinung nach zu selten sind. Viele vor sich hin plätschernde Passagen dazwischen hätten problemlos gekürzt werden können, ohne dass man etwas vermisst hätte.

    Leider fehlt mir außerdem auch diesmal eine vernünftige Identifikationsfigur. Insgesamt haben die Hauptcharaktere, ein paar guten Ansätzen zum Trotz, zu wenig Tiefe und Wiedererkennungswert. Durch die später im Buch eingefügte Vorgeschichte der Hochstapler-Königin wird diese dem Leser zwar näher vorgestellt und zumindest ansatzweise sympathisch, die Gute ist aber einfach zu naiv – so viel Blindheit gegenüber den Intrigen des Adels kann man eigentlich auch einer jungen Schauspielerin vom Lande kaum zutrauen. Und Vills Wandel vom Bösewicht zum fürsorglichen Anführer wirkt auch nicht immer sonderlich glaubwürdig.
    Überhaupt machen manche Storyentwicklungen keinen richtig schlüssigen Eindruck und die Handlungsfäden enden teils recht abrupt oder es gibt plötzliche Sprünge in der Geschichte. Wenigstens kommt die Reihe aber zu einem durchaus vernünftigen Abschluss, so dass nicht doch noch nachträglich ein weiterer Band aus dem Hut gezaubert werden dürfte.

    Fazit

    Leider hat auch dieser Abschlussband trotz guter Ansätze wieder fast die gleichen Schwächen wie das Vorgängerbuch – obwohl die titelgebende Königin mir wenigstens deutlich sympathischer ist als die Hauptfiguren aus Der Wille des Königs, bleiben die Charaktere letztendlich ziemlich blass und teils nicht recht glaubwürdig. Und auch der Handlungsverlauf hat, abseits der durchaus gelungenen Abenteuerszenen mit ihren unliebsamen Überraschungen und schön beschriebenen Orten, einige Durchhänger oder nur halbherzig durchdachte Passagen.

    Wertung


    Pro

    • einige spannende Szenen voller Gefahren
    • teils schön beschriebene Welt
    • Rückkehr bekannter Figuren in neuen Rollen

    Contra

    • ausbaufähige Charaktere
    • zwischendurch immer wieder eher langweilige Passagen
    • Handlungsfäden nicht immer geschickt verknüpft
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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 13.Feb.2016 1.363 x gelesen