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    Fantasy-Geschichten rund um Assassinen sind in den letzten Jahren ja nicht unbedingt Mangelware, weshalb ich diesem neuen Vertreter von einem noch völlig unbekannten Autor zuerst etwas skeptisch gegenüberstand. Lobende Stimmen zur englischen Originalversion machten mich dann aber doch neugierig…

    Da müssen Fachleute ran
    Der fünfzehnjährige Girton Klumpfuß ist trotz seines namensgebenden körperlichen Handicaps und schwieriger Startbedingungen zu einem geschickten Nachwuchs-Assassinen geworden. Doch eine unfreiwillige Mission stellt Girton und seinen Meister vor gewaltige Herausforderungen – ein anderer Meuchelmörder scheint es auf den wenig liebenswerten Kronprinzen des Landes abgesehen zu haben. Das Duo soll nun den potenziellen Attentäter und damit dessen Auftraggeber ausfindig machen. Während sich Meister Karn als eine Art Hofnarr in die adlige Gesellschaft einschleicht, muss Girton sein Glück als angebliches unfähiges Landei unter den zerstrittenen Knappen versuchen.

    Es ist ein recht düsteres Szenario, in das uns der Autor hier entführt. Durch den Einsatz von Magie wurden weite Teile der Landschaft in trostlose, unfruchtbare Einöden verwandelt. Jeglicher Verdacht bezüglich magischer Fähigkeiten stellt deshalb ein Todesurteil dar. Hunger und Armut bestimmen den Alltag der Bevölkerung und es gibt viele Sklaven, zu denen auch Girton als Kind zählte.
    Das ganze Setting mit seinen Rittern, Narren und Leibeigenen vermittelt eine mittelalterliche Atmosphäre, die aber durch einen Hauch Zauberei, Priester toter Gottheiten oder eigenartige „Pferde“ mit Geweihen und Klauen dann doch einen spürbaren Fantasy-Einschlag bekommt.

    (c) Heyne
    Umfang: 464 Seiten (Klappbroschur)
    seit 09.01.2018 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Sympathische Figuren, gemeine Intrigen
    Obwohl das Szenario wie gerade beschrieben durchaus dunkel ist und auch brutale Szenen sowie Morde vorhanden sind, bleibt die Story – gemessen an der Thematik – allerdings oft noch relativ harmlos. Durch den jungen Erzähler, dessen Knappenausbildung und andere Elemente wie aufkeimende jugendliche Freundschafts- und Liebesgeschichten hat das Abenteuer stellenweise viel von einem All-Age-Roman. Was per se ja nichts Schlimmes ist. Man würde es nur anhand des Covers und der Beschreibung vielleicht nicht unbedingt vermuten, deswegen der Hinweis.

    Girton ist ein sympathischer, glaubhafter Ich-Erzähler, in dessen Gedankengänge und Emotionen wie mangelndem Selbstvertrauen, aber auch großer Loyalität man einen guten Einblick erhält. Zum besseren Verständnis der Figur und ihrer Eigenheiten tragen unter anderem eingestreute Rückblicke bei. Der Tonfall hat, allen gemeinen Wendungen, Strapazen und traurigen Momenten zum Trotz, immer wieder einen Anflug von Humor, etwa in der Beschreibung der Situationen.

    Schon dadurch liest sich die Geschichte flott und flüssig, noch dazu kann auch die Handlung an sich mit ihren Intrigen und interessanten Nebencharakteren überzeugen. Sie ist dann für mich aber doch nicht ganz so raffiniert und denkwürdig wie in manch anderem Assassinen- oder Diebesabenteuer, etwa in der Schatten-Trilogie von Brent Weeks.
    Gefallen hat mir das recht vernünftig abgeschlossene Ende. Der inzwischen alte Girton deutet zwar an, dass noch so manches Abenteuer folgte, die Story dieses Bandes kann aber auch ganz gut für sich allein stehen.

    Fazit

    Die Stunde des Assassinen ist ein flott zu lesendes Abenteuer mit einem sympathischen Ich-Erzähler, interessanten Nebencharakteren, gelungener Atmosphäre und einem Schuss (Galgen)humor. Die Story wird gut und mit einigen spannenden Wendungen erzählt, erreicht in ihrem Aufbau nur nicht ganz die Rafinesse diverser Konkurrenztitel. Die Figuren und ihre glaubhaft geschilderten Emotionen gleichen das aber weitgehend aus.

    Wertung


    Pro

    • sympathischer Ich-Erzähler
    • interessante Nebencharaktere
    • gelungene, recht düstere Atmosphäre
    • einige Wendungen
    • flüssig zu lesender Schreibstil mit Spannung und Humor

    Contra

    • nicht ganz so raffiniert wie die Genregrößen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 22.Jan.2018 1.018 x gelesen