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    Seth Dickinson ist bisher lediglich als Autor von Erzählungen sowie für das Spiel Destiny in Erscheinung getreten. Mit Die Verräterin hat er nun aber ein umfangreiches Projekt rund um eine ungewöhnliche Heldin und ihre zwar fremde, aber teils doch auf unangenehme Weise vertraute Welt gestartet.

    Eine Weltmacht mit gefährlichen Schattenseiten
    Das Imperium der Masken: Ein mächtiges Reich, das sich ausgefuchster Methoden bedient, um seine Herrschaft auszuweiten und zu festigen. Psychologische Tricks wie das Indoktrinieren der Jüngsten oder die Konditionierung kommen ebenso zum Einsatz wie „Zuchtprogramme“ und Zwangssterilisierungen, welche böse Erinnerungen an die Nazi-Zeit wecken. Unter dem Deckmantel einer zivilisierteren Gesellschaft und blühender Handelsbeziehungen treiben die Schergen der Maskerade ihr böses Spiel mit den verschiedenen Völkern ihrer Welt.
    Einem dieser nahezu kampflos eroberten Länder entstammt Baru Kormoran, die Heldin der Geschichte. Als Hochbegabter winkt ihr der Aufstieg in die obersten Sphären des Imperiums – und damit die Chance, ihren geheimen Racheplan in die Tat umzusetzen. Doch zuerst soll sie als Reichsbuchhalterin die rebellischen Bewohner einer anderen Region zur Räson bringen. Eine Aufgabe, welche Barus scharfen Verstand genau wie ihr eigentlich schon so hartes Herz auf eine gewaltige Probe stellen wird….

    Dieses Buch entwickelt ein stark politisch geprägtes Szenario, in dem man unter anderem keine Magie und keinerlei Fabelkreaturen antrifft. Im Mittelpunkt stehen stattdessen die Gesellschaft und die Geschichte einer von zahlreichen Kulturen bevölkerten Welt, wo asiatisch und afrikanisch angehauchte Elemente auf eher kolonial-britisch oder auch antik-römisch geprägte Inhalte treffen. Und manche Themen erinnern wie oben erwähnt in ihrer Fiesheit an die Auswüchse unserer Vergangenheit.
    Trotz der düsteren und stellenweise reichlich deprimierenden Thematik besitzt die Sprache dieser Geschichte fast schon einen poetischen Klang, unter anderem dank schöner Vergleiche, etwa in der Schilderung von Szenen aus Barus jungen Jahren. Die Bilder ihrer fremdartigen und verlorenen Kindheit werden lebendig.
    Durch Fremdwörter und manchen altmodisch wirkenden Ausdruck genau wie die komplexe Thematik wird das Abenteuer aber zu nicht unbedingt leicht lesbarer Kost.

    imperium1cover

    (c) Fischer TOR
    Umfang: 560 Seiten (Klappbroschur)
    seit 22.06.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Keine waschechte Sympathieträgerin
    In der Story werden zerbrechliche Bündnisse geschmiedet, Spione, Doppelagenten, Foltermethoden und geschickt arrangierte Fallen kommen zum Einsatz.
    Baru will also die Herrschaft des Imperiums von innen heraus zerstören, im Machtapparat aufsteigen, um ihre Heimat zu retten. Diesem Ziel ordnet die Protagonistin alles unter, auch wenn es noch so schmerzhaft ist. Diese Beharrlichkeit ist durchaus beeindruckend, aber gerade die so konsequent durchgezogene Rücksichtslosigkeit der Heldin macht es oft auch sehr schwer, sie zu mögen.
    Mir persönlich ist sie daher trotz der hautnahen Begleitung von klein auf und der durchaus faszinierenden Brillanz letztendlich eher fremd geblieben, auch wenn stellenweise auf jeden Fall ein Hauch von Mitleid für dieses emotional verkrüppelte Opfer einer gemeinen Welt aufkam. Man kann nur hoffen, nie selbst in die Machenschaften eines ähnlichen Regimes verwickelt zu werden…

    Die Handlung bietet einen fesselnden Anfang, ein starkes Szenario, ein ziemlich erschütterndes Ende, aber auch einen teils etwas schleppenden Mittelteil. Die endlose Paktiererei mit all den kompliziert benannten Herzögen und Vasallen wirkt manchmal ermüdend, wobei diverse Wendungen dann aber doch meistens rechtzeitig wieder mehr Spannung ins Geschehen bringen. Kriegerische Auseinandersetzungen sind ebenfalls vorhanden, die Kämpfe sind aber kein Schwerpunkt dieses Romans. Wer sich gar nicht mit eher politisch und historisch anmutenden Fantasybüchern anfreunden kann, dürfte mit der Geschichte ein Problem haben.

    Fazit

    Die Verräterin – Das Imperium der Masken ist ein sprachlich hervorragender Fantasy-Roman, mit ausgeklügelter Handlung und Mut zu harten Schicksalen für seine Charaktere. Das fiese Imperium und all die Intrigen lassen eine bedrohliche Atmosphäre entstehen. Die rücksichtslose Protagonistin ist brillant und sorgt mit ihren konsequent durchgezogenen Plänen für Überraschungen und teils Entsetzen bei Zeitgenossen wie auch Lesern. Sympathiepunkte kann man so aber nicht gerade sammeln. Etwas problematisch ist in meinen Augen auch der Mittelteil der Geschichte, welcher sich stellenweise ein wenig zieht. Fans von politischen Ränkespielen und groß angelegten Verschwörungen kommen aber wirklich auf ihre Kosten.

    Wertung


    Pro

    • spannendes Szenario und teils ungewöhnliche Fantasy-Themen
    • überzeugender Sprachstil
    • einige Wendungen
    • starke Hauptfigur, die konsequent ihre Ziele verfolgt...

    Contra

    • ...was es aber recht schwer macht, sie zu mögen
    • stellenweise etwas schleppende Handlung im Mittelteil

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 24.Jun.2017 1.454 x gelesen