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    Beim Anblick des eher unspektakulären Covers war ich ehrlich gesagt noch nicht allzu interessiert an diesem Buch. Doch wieder einmal hat sich gezeigt, dass man sich nicht von Äußerlichkeiten täuschen lassen sollte.

    Elende Mistviecher
    Seit 30 Jahren herrschen mehrere Drachen über die verschiedenen Regionen von Kondorra. Tag für Tag mühen sich die Bewohner ab, nur um den überdimensionierten Echsen noch mehr Rinder für den fetten Fanst und horrende Goldmengen als Unterlage für selbigen zu liefern. Zum „Dank“ müssen sie dann auch noch hinnehmen, dass die Tyrannen aus luftiger Höhe im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Untertanen scheißen. Auch Jungbauer Will bekommt die ungerechte Herrschaft eines Drachen zu spüren, als er wegen angeblicher Schulden Hals über Kopf von seinem Hof fliehen muss. Zum Glück trifft er auf eine kleine Gruppe Mitstreiter, um die abenteuerlichen Pläne umzusetzen, die er als Kind mit dem inzwischen noch versoffeneren und verrückteren Knecht seiner Eltern schmiedete – sie wollen den Drachen dort treffen, wo es ihm am wehsten tut: Bei seinem Gold.

    Die Geschichte dieser ungleichen Bande wird in der dritten Person erzählt, trotzdem beleuchten die Kapitel lose abwechselnd die Perspektiven der einzelnen Gruppenmitglieder. Neben Will wäre da zum einen die Söldnerin Lette, welche sich in Kondorra eigentlich beruflich neu orientieren und dem Kriegerdasein abschwören wollte. Allerdings muss sie feststellen, dass Mord und Totschlag einfach eher ihr Ding sind als Brötchenbacken oder Schweinezucht. Dieser Meinung ist auch Lettes Gefährte Balur, ein Echsenmensch mit dezent eigenwilliger Ausdrucksweise und viel Spaß an Schlägereien jeder Art. Den kultivierteren Kontrast dazu bildet die (Ex?)-Magierin Quirk, die eigentlich in das Tal gereist ist, um ihrer Leidenschaft für die Erforschung magischer Kreaturen nachzugehen.
    Unterstützt, oder meist eher zur Weißglut gebracht, werden die Helden vom ehemaligen Knecht Firkin, der durch sein eigenwilliges Geschwätz Verwirrung stiftet, aber auch ein besonderes Talent dafür beweist, Menschen für seine aberwitzigen Pläne zu begeistern…

    (c) Heyne
    Umfang: 672 Seiten (Taschenbuch)
    seit 13.06.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Immer wieder für ein Grinsen gut
    Mit oftmals mehr Glück (oder auch Selbstvertrauen) als Verstand stürzen die sympathischen Protagonisten von einer haarsträubenden Situation in die nächste. Neben abgefahrenen Wendungen und actionreichen Szenen wie Kämpfen und Verfolgungsjagden ist dabei die sehr unterhaltsame Schreibweise die Stärke dieses Buchs. Die Beschreibungen und Dialoge glänzen mit viel Wortwitz, Ironie und Galgenhumor. Dabei herrscht gern auch mal eine recht derbe Ausdrucksweise mit z.B. Bezeichnungen wie Arschloch für die Drachen (das haben sie aber auch wirklich verdient). Und trotz des Humor sind die Schilderungen teils brutal und manchmal recht eklig, wenn etwa einem Feind die Innereien zum Allerwertesten herausgeprügelt werden.
    Der Stil ist schon deshalb wieder einmal Geschmackssache, das Gesamtpaket fand ich (eben vor allem durch die ideenreichen Formulierungen und die Situationskomik) aber sehr spaßig und kurzweilig.

    Dragon Lords – Das Gold der Narren ist schon vom Titel her als Beginn einer Reihe zu erkennen und wird auch vom Autor so bezeichnet (die Fortsetzung soll Ende des Jahres erscheinen), aber liefert nach einem feurigen Finale ein durchaus rundes Ende ohne Cliffhanger für diesen Band. Allerdings bietet die vorne abgedruckte Weltkarte noch viel Platz für weitere Geschichten, denn das erste Buch ist, bis auf ein paar Rückblicke, eben komplett im eher kleinen Kondorra angesiedelt.

    Fazit

    Dragon Lords – Das Gold der Narren ist eine sehr unterhaltsame Abenteuergeschichte voller Humor und Action. Es macht Spaß, mitzuerleben wie die grundverschiedenen Charaktere von einer haarsträubenden Situation in die andere schliddern und dabei mit mehr Glück als Verstand und mit vereinten Kräften ihr Schicksal meistern, um den miesen Drachen eins auszuwischen.

    Wertung


    Pro

    • gelungener Schreibstil mit viel Witz
    • wendungsreiche, teils abgefahrene Geschichte
    • sympathische Charaktere
    • vernünftiges Ende, trotz Reihen-Beginn

    Contra

    • Realismus-Anhänger unter den Fantasy-Freunden sind hier falsch

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 16.Jul.2017 539 x gelesen