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    Vielleicht kennt ihr schon Die Chroniken von Siala und Die Chroniken von Hara aus der Feder des russischen Bestseller-Autors Alexey Pehov. Mit Dunkeljäger entführt er uns nun in eine weitere fremde Welt.

    Fantasy meets Flugzeug

    Der adlige Elf Lasserelond, kurz Lass, will nach zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen ein weiteres, sinnloses Blutvergießen in seinem Volk verhindern und wird durch die Befehlsverweigerung vom geachteten Anführer zum gesuchten Verbrecher. Schweren Herzens muss er den Großen Wald verlassen und versucht, auf der von allerlei Ganoven, aber auch rechtschaffenen Abenteurern und interessanten Unikaten bewohnten Schildkröteninsel ein neues Zuhause zu finden. Wegen eines geheimnisvollen Amuletts, welches während der Flucht zufällig in seinen Besitz gelangt, kommen weitere Gefahren auf Lass zu…
    Den Klappentext finde ich bei diesem Buch mal wieder etwas unpassend. Denn während dort der Schwerpunkt auf die Konflikte innerhalb der Elfen-Gesellschaft gelegt wird und z.B. vom „entscheidenden Schlag“ gegen das geschwächte Reich die Rede ist, spielt dieses Thema in Wirklichkeit nur eine sehr untergeordnete Rolle. Es kann allerdings gut sein, dass Lass in weiteren Bänden dann tatsächlich wieder in seine Heimat zurückkehrt und versucht, sich in die entprechenden Machtkämpfe einzumischen.
    Die Welt von Dunkeljäger bietet eine gelungene Mischung aus klassischer Fantasy (mit Magie und vielen typischen Völkern) und einer technischen Komponente, vor allem rund um die verschiedensten Fluggeräte. Durch die Beherrschung spezieller Dämonen, die als Energiequelle eingesetzt werden, können sich seit einiger Zeit wendige „Aeroplane“ (im Prinzip Kampfflugzeuge) sowie mächtige Handels- oder Kriegsschiffe vom Segler bis zum Schaufelraddampfer in die Lüfte erheben. Auch Lass selbst verfügt über wertvolle Erfahrungen als Pilot, was ihm im Laufe der Handlung immer wieder von Nutzen ist.

    dunkeljäger

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 432 Seiten
    seit 13.10.2014 im Handel
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Gefräßige Haustiere und andere seltsame Gestalten

    Die Geschichte wird von Lass in der Ich-Form erzählt und man kann sich recht gut in die Gedanken des Exil-Elfen hineinversetzen. Als ein weiterer Sympathieträger fungiert vor allem sein Sidekick, das Schuhe vertilgende und generell reichlich verfressene Fellknäuel Dreipfot. Auch sonst kommt es zu Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Völkern und damit verbunden allerhand Eigenheiten und Vorurteilen, ganz wie im echten Leben. Geldgierige Leprechaune, minderbemittelte Orks, unterschätzte Halblinge, eklige Rattenmenschen – das ist nur eine kleine Auswahl der illustren Bewohnerschar. Außerdem finden sich einige interessante Ideen hinsichtlich des Kreaturen-Einsatzes: Aggressive Feuerbienen dienen so etwa als Geschosse, die feindliche Fluggeräte in Schutt und (wortwörtlich) Asche legen, und eine fette Kröte wird vom Zoll – ja, diese Welt kann ziemlich bürokratisch sein – zum Aufspüren verborgener magischer Kräfte in Gegenständen eingesetzt.
    Die Handlungsfäden rund um Lass‘ Verfolger oder den mysteriösen Anhänger geraten streckenweise etwas ins Stocken und kommen erst später wieder in Fahrt. Bis dahin wird man aber unter anderem durch actionreiche Aeroplan-Wettflüge, spannende Luftgefechte oder das Kennenlernen neuer Freunde unterhalten. Gerade die Kämpfe und Rennen würden sich auch ganz gut in einem Spiel oder Film machen. Durch die gelungenen Beschreibungen fällt es dem Leser leicht, die Szenen vor dem inneren Auge lebendig werden zu lassen.
    Die Charakterzeichnungen könnten abseits der zentralen Personen hingegen manchmal etwas tiefgründiger sein. Manche Figuren sind zwar durchaus lustig und liebenswert oder aber zwielichtig und bedrohlich, etwas befremdlich und lieblos werden jedoch unter anderem Todesfälle geschildert, sowohl bei Feinden als auch bei Verbündeten. Es wirkt für mich schon ein wenig oberflächlich, wenn eine Person z.B. eben noch fröhlich herumgealbert hat und ihr gewaltsames Ableben dann in einem Nebensatz abgehandelt wird (auch wenn es nur um einen „unwichtigeren“ Charakter geht). Manchen Lesern wird auch ein gewisser Schuss Romantik fehlen, denn Lass ist mit all seinen Gefährten – zumindest bis jetzt – lediglich rein freundschaftlich verbunden.
    Dunkeljäger ist übrigens ein weitestgehend abgeschlossenes Abenteuer, die Welt des Buches bietet aber noch viel Platz für weitere Erlebnisse der bekannten Figuren (oder auch anderer Helden). Am Ende des Buches befindet sich ein 19 Seiten umfassendes Glossar mit Informationen zu allen Aeroplan-Modellen, den verschiedenen Rassen und diversen wichtigen Orten.

    Fazit

    Dunkeljäger lässt viele bekannte Fantasy-Völker auftreten, bringt aber nicht zuletzt durch die actionreichen Luftgefechte neuen Schwung ins vermeintlich angestaubte Grundgerüst. Darüber hinaus werden die Eigenheiten der verschiedenen Rassen schön dargestellt und mit Dreipfot hat sich der Autor einen richtig sympathischen Sidekick für den Helden ausgedacht. Auch Details wie die lebende Munition oder der Umgang mit den Antriebs-Dämonen haben mir gefallen. In Sachen Charakterentwicklung/-beziehungen oder Komplexität der Handlung kann das Buch den Genregrößen allerdings nicht wirklich das Wasser reichen.

    Wertung


    Pro

    • interessante Ideen rund um die Fluggeräte und andere Technologien
    • viele actionreiche Szenen
    • jede Menge verschiedene Völker mit ihren Eigenheiten
    • ulkiger Sidekick

    Contra

    • Haupt-Handlung gerät zwischendurch ins Stocken
    • Charakterentwicklung bleibt zu oft oberflächlich

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 26.Okt.2014 1.991 x gelesen