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    Mit seinem erfolgreichen Roman Ich und die Menschen konnte sich der Brite Matt Haig auch auf der deutschen Bestsellerliste eine ganze Weile behaupten. Nach mehreren Büchern für Erwachsene und Kinder widmet sich Haig beim neusten Werk vor allem der jugendlichen Zielgruppe.
    Erneut geht es um das Aufeinandertreffen von Menschen und anderen intelligenten Lebewesen – wobei letztere in der Story von den meisten Leuten allerdings gar nicht als solche gesehen werden…

    echoboycover

    (c) dtv
    Umfang: 400 Seiten (Taschenbuch)
    seit 09.12.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Schöne neue Welt?
    England im Jahr 2115. Andere Länder und ihre Metropolen sind dank des technischen Fortschritts nur noch Minuten entfernt (selbst die Reise zur Mondkolonie dauert nur wenige Stunden) – sofern sie noch nicht, wie etwa New York oder Barcelona, allerlei (Klima)Katastrophen wie Überflutung oder Dürre zum Opfer gefallen sind. Die meisten Krebsarten sind längst besiegt, die Lebenserwartung hat sich ungefähr verdoppelt. Virtuelle Umgebungen für Bildung, Freizeit und Handel ersetzen weitgehend den Kontakt mit der echten Welt. Durch Klonen sind längst ausgestorbene Arten wie die Neanderthaler zurückgekehrt. Und vor allem bevölkern zahllose so genannte Echos die Welt. Optisch unterscheiden sich die Androiden eigentlich nur durch ihre Makellosigkeit von den Menschen, die hochintelligenten Roboter haben aber keine Rechte und vor allem keinen freien Willen.
    Als eine vor kurzem erworbene Echo plötzlich durchdreht, verliert die fünfzehnjährige Audrey auf brutale Weise ihre Eltern und findet bei ihrem steinreichen Onkel Unterschlupf, der bezeichnenderweise selbst zu den größten Produzenten von Echos und anderen modernen Errungenschaften zählt. Ausgerechnet der „jugendliche“ Echo Daniel, ein neuer Prototyp, scheint zu wissen, welche Hintergründe der Tod von Audreys Eltern wirklich hat.

    Die Geschichte wird überwiegend aus der Sicht von Audrey erzählt, in mehreren langen Abschnitten kommt aber auch Daniel zu Wort, so dass man die Gelegenheit hat, zum Beispiel interessante Details über den „Werdegang“ des neuartigen Echos und über seine Gedankenwelt zu erfahren. Beide Perspektiven überzeugen durch elegant formulierte Sätze, glaubwürdig geschilderte Emotionen und gut vorstellbare Schauplätze. Auch wenn viele Erfindungen und Entwicklungen dieser Zukunftswelt dem geneigten Leser bereits in anderen Büchern begegnet sind (älteren Semestern wie mir sicherlich noch öfter als der eigentlichen Zielgruppe), bieten deren Beschreibungen gute Unterhaltung und gleichzeitig Stoff zum Nachdenken.

    Eine Liebesgeschichte ist vorhanden (was man ja unschwer schon aufgrund des, nebenbei sehr hübschen, Covers erraten kann), sie wirkt aber nicht zu schnulzig und übertrieben. Stattdessen zeigt sich die Story oft eher gesellschaftskritisch und regt wie gesagt zum Nachdenken über aktuelle und mit hoher Wahrscheinlichkeit kommende Entwicklungen an, unter anderem über die Frage: Wie intelligent muss ein künstliches Geschöpf werden, um tatsächlich zu leben und auch so behandelt zu werden?

    Die Geschichte verläuft recht geradlinig und ist manchmal einen Tick zu vorhersehbar, durch den angenehmen Schreibstil und einige actionreiche Zwischenfälle kommt aber keine Langeweile auf. Allerdings fehlen mir ein gewisser Wow-Effekt und mehr Innovationen.
    Das Buch hat einen ganz vernünftigen Abschluss – Fortsetzungen sind wohl auch nicht geplant -, ein paar Handlungsfäden hätten aber ruhig noch etwas ausgebaut werden können.

    Fazit

    Echo Boy ist eine unterhaltsame, flüssig zu lesende Zukunftsgeschichte mit vielen schönen Formulierungen, interessant geschilderten technischen Errungenschaften und einigen Actionszenen. Die enthaltene Liebesgeschichte ist nicht zu süßlich, sondern zum Nachdenken anregende Entwicklungen stehen im Mittelpunkt. Allerdings ist der Verlauf der Handlung stellenweise zu vorhersehbar und einige Ideen wurden ganz ähnlich schon in anderen Büchern und Filmen verarbeitet.

    Wertung


    Pro

    • angenehmer Schreibstil
    • interessante technische Entwicklungen
    • ein Schuss Gesellschaftskritik bzw. Stoff zum Nachdenken
    • flüssig zu lesen, mit Action und ohne größere Längen

    Contra

    • stellenweise etwas vorhersehbar
    • oft nicht besonders innovativ
    • ein paar kleine offene Fragen bleiben

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 8.Jan.2017 709 x gelesen