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    Jon Skovron hat bisher Jugendbücher und Kurzgeschichten veröffentlicht, Pakt der Diebe ist nun der erste Band einer Fantasy-Reihe für Erwachsene. Nicht zuletzt Fans von Locke Lamora und Konsorten sollten sich das Ganze mal genauer anschauen…

    Piratenkapitäne, Kriegermönche und böse Zauberer
    Das Buch entführt uns ins namensgebende Imperium der Stürme, welches sich über zahlreiche weit verstreute Inseln unterschiedlichster Größe erstreckt und von einem tyrannischen Kaiser regiert wird. Im Auftrag des Herrschers führen die so genannten Biomanten grausame Menschenexperimente durch, um ihre Fähigkeiten zur Verwandlung von Lebewesen für Kriegszwecke zu vervollkommnen.
    Auch das ganze Dorf eines kleinen Mädchens fällt diesen Versuchen zum Opfer und das namenlose Waisenkind, in Gedenken an die zerstörte Siedlung Bleak Hope genannt, kommt im Kloster der Vinchen-Krieger unter. Der oberste Mönch bildet Hope ohne Wissen der anderen Brüder in der Tradition seines Ordens aus – eine Karriere, die Frauen normalerweise verwehrt bleibt. Mit den nötigen Kampfkünsten ausgestattet, macht sich die Protagonistin als junge Erwachsene auf den Weg, um Rache an den Biomanten zu üben.
    Die zweite Hauptperson ist ebenfalls bereits als Kind verwaist: Red schlägt sich nach dem Tod seiner Eltern mehr schlecht als recht mit seinen Taschendiebstahl-Fähigkeiten durch, bis sich eine Gaunerin seiner erbarmt und ihn unter ihre Fittiche nimmt. Mit flinken Fingern, viel Schlagfertigkeit und einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen wird der Jungspund zu einer wichtigen Persönlichkeit zwischen Seeräubern, Huren und anderen Bewohnern seiner rauen Umgebung. Das schicksalhafte Aufeinandertreffen der beiden Hauptdarsteller lässt ein neues Dream Team entstehen und erstmals die Chance aufkommen, den Biomanten das Handwerk zu legen.

    (c) Heyne
    Umfang: 592 Seiten (Hardcover)
    seit 13.02.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Hart aber herzlich
    Jon Skovron hat mit seinem Empire of Storms ein sehr interessantes und vielschichtiges Szenario erschaffen, das unter anderem mit Elementen aus Piratenabenteuern, Steampunk und klassischer Fantasy aufwartet. Vor allem die ganz spezielle Gesellschaft in Reds heimatlichem Stadtviertel wird mit viel Atmosphäre und inklusive eigenem Vokabular (im angehängten Glossar erläutert und im Zusammenhang auch gut verständlich) sowie entsprechenden Strukturen anschaulich dargestellt.

    Die Schilderungen wirken stellenweise etwas überzeichnet – da beißt etwa eine Schankwirtin aufmüpfigen Gästen die Ohren ab, die Figuren legen beeindruckende Stunts vom Schlage eines Tiger and Dragon hin oder die Opfer der Biomanten zerfließen spektakulär zu einer schwappenden Masse -, das tut der Unterhaltung in meinen Augen aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, man fühlt sich so noch stärker an wahnwitzige Abenteuer im Stil von Fluch der Karibik erinnert. Auch manche Charaktere haben bisweilen einen sympathischen Jack Sparrow-Touch.

    Überhaupt bekommt es der Leser hier mit allerlei liebenswerten Ganoven zu tun. Die beiden Hauptfiguren werden im Laufe der Zeit durch eine wachsende Crew verstärkt, zu der beispielsweise Reds nur auf den ersten Blick skrupellose Ziehmutter oder ein gewitzter Erfinder gehören. Ich konnte mich schnell mit den Figuren anfreunden und trotz düsterer und gewalttätiger Anteile wird hier eine Geschichte mit Humor und Herz erzählt, in der etwa das Thema Freundschaft eine zentrale Rolle spielt.

    Obwohl es zwischendurch immer wieder ruhigere Phasen gibt und auch bis zur ersten Begegnung der Protagonisten eine ganze Weile vergeht, kam bei mir zu keiner Zeit Langeweile auf. Die gelungene Atmosphäre, Reds ambitionierte Pläne und die dann doch oft eingestreuten Actionszenen sowie allerlei Wendungen halten bis zum relativ offenen, neugierig machenden Ende stets bei der Stange.

    Die deutsche Version hat meiner Meinung nach kleine Schwächen – insgesamt ist die Übersetzung zwar gelungen und angenehm zu lesen, was durch all die speziellen Ausdrücke der dortigen Umgangssprache bestimmt nicht einfach war (schön ist es z.B., dass längst nicht alle Eigennamen auf Teufel komm raus eingedeutscht wurden), aber an ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, dass andere Formulierungen bzw. Bedeutungen noch ein wenig passender gewesen wären. Mangels Kenntnis des Originals ist das aber nur ein subjektiver Eindruck und noch dazu ist der Großteil des Buchs wie gesagt auch wirklich gut lokalisiert worden.

    Fazit

    Empire of Storms: Pakt der Diebe ist der vielversprechende Auftakt einer neuen Fantasy-Reihe. Außer dem vielseitigen und atmosphärischen Szenario mit einer interessanten Mischung aus Elementen wie Piraten und Martial Arts haben es mir vor allem die sympathischen Charaktere, sowohl in den Haupt- als auch in den Nebenrollen, angetan. Ich bin schon gespannt, welche Abenteuer noch auf Hope, Red und ihre bunte Crew zukommen.

    Wertung


    Pro

    • interessantes Setting
    • gelungene Atmosphäre
    • sympathische Charaktere
    • düsterer Touch, Humor und Action kombiniert

    Contra

    • Übersetzung wirkt an ein paar Stellen nicht optimal

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 2.Mrz.2017 1.256 x gelesen