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    Als Schöpfer des spannenden Metro-Universums, das nicht zuletzt auch sehr beliebte Videospiel-Ableger hervorgebracht hat, konnte sich der Russe Dmitry Glukhovsky weltweit einen Namen machen. Mit Future ist nun ein weiterer dicker Wälzer des Autors erschienen, der uns Leser in ein ganz neues, aber ebenfalls ziemlich düsteres Zukunftsszenario entführt.

    futurecover

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 928 Seiten
    seit 12.05.2014 im Handel
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Der Preis der Unsterblichkeit

    Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Und in Glukhovskys Roman ist dieser Traum schon längst Wirklichkeit geworden. Dank des medizinischen Fortschritts sind unsere Nachfahren in der Lage, bei bester Gesundheit und jugendlichem Aussehen ganz locker mehrere Hundert Jahre lang zu leben. Doch wie so oft hat die Sache ihre Schattenseiten: Die Erde ist wahnsinnig überbevölkert, allein in Europa (dessen Ländergrenzen inzwischen Geschichte sind) wohnen, oder eher hausen, 120 Milliarden Menschen auf engstem Raum. Kilometerhohe Türme beherbergen die Einwohnerschaft ganzer Städte und Länder, nur die reichsten Personen haben in den oberen Etagen etwas mehr Platz und Aussicht für sich.
    Um die Bevölkerungszahlen nicht noch mehr explodieren zu lassen, gibt es strenge Gesetze bezüglich der Fortpflanzung – im Fall einer Schwangerschaft wird einem Elternteil eine Art Alterungs-Virus injiziert, das innerhalb weniger Jahre zum Tod führt. So macht man also recht schnell Platz für den Nachwuchs…
    Immer wieder versuchen Menschen, dieser Strafe zu entgehen, indem sie etwa ihre Kinder in Verstecken zur Welt bringen, doch den unerbittlichen Spezialeinheiten der Regierung kann niemand entkommen. Die dann „konfiszierten“ Kinder werden in trostlosen Internaten zu neuen Mitgliedern der Ordnungshüter ausgebildet. Auch Jan Nachtigall, der Held des Buches, hat seine Jugend in einer solchen Einrichtung vollbracht (immer wieder sind Kapitel mit entsprechenden Erinnerungen in die Handlung integriert) und dadurch einen gewaltigen Hass entwickelt. Wie den meisten seiner Zeitgenossen wurde ihm noch dazu ein totaler Ekel vor alternden Körpern und auch Kindern anerzogen. Mitleidlos und voller Wut auf all die „Schmarotzer“ geht er seinem Job nach, bis ihm im Laufe eines Auftrags Zweifel an der Richtigkeit seiner Befehle kommen…

    Böse Inhalte, gut erzählt

    Jan ist (vor allem zu Beginn) kein Typ, den man gern zum Grillfest oder auf einen Eisbecher einladen möchte – der Antiheld und Ich-Erzähler steckt voller Brutalität, Zynismus und Hoffnungslosigkeit. Aber gut formulieren kann der Kerl, das muss man ihm lassen. Durch die sprachgewaltigen, fantasievollen und immer wieder zum Nachdenken anregenden Schilderungen hat man die ganze finstere Situation bildlich vor Augen, reist mit Jan zu den Ruinen fast vergessener Sehenswürdigkeiten, zu künstlichen Gartenanlagen oder in die gefährlichen Gassen der übelsten Slums. Oft bin ich auf Sätze gestoßen, die ich mir am liebsten aufgeschrieben hätte (wenn ich nicht so faul wäre). Einen Vorgeschmack auf den erstklassigen Schreibstil des Buches könnt ihr euch ja in der Leseprobe verschaffen, wobei das dort enthaltene Anfangskapitel noch etwas actionarm daherkommt – später darf man sich dagegen über viele spannende Szenen und unliebsame Wendungen in der komplexen Story freuen. Allerdings treten dazwischen auch ein paar Längen auf, wenn Jan z.B. mit der Situation hadert oder sich ausgedehnt mit Gedanken über seine verlorene Mutter beschäftigt.
    Ein Warnhinweis an Zartbesaitete: Future ist kein Buch für euch. Mord, Folter und Vergewaltigung lassen die sowieso schon deprimierende Ausgangslage stellenweise noch erheblich bösartiger werden – als Film oder Spiel wäre es bestimmt nicht jugendfrei.

    Fazit

    Mit Future hat der Metro-Autor eine weitere ebenso düstere wie faszinierende Zukunftsvision erschaffen, die zum Nachdenken anregt und dank ausgezeichneter Formulierungen auch sprachlich absolut zu überzeugen weiß. Obwohl der Hauptdarsteller bedingt durch seine verkorkste Kindheit häufig ein ziemliches Ekel ist, verfolgt man gebannt den Kampf gegen seine inneren Dämonen und das scheinbar unbesiegbare System. Ich bin verdammt froh, dass ich nicht in so einem Riesenturm leben und Heuschrecken essen muss.

    Wertung


    Pro

    • verstörendes Zukunftsszenario
    • sehr guter Schreibstil
    • viele spannende Szenen

    Contra

    • zwischendurch ein paar Längen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 3.Jun.2014 2.855 x gelesen