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    In der Welt von Grauwacht leben die Menschen in ewiger, bitterkalter Nacht. Ständig droht ein Krieg zwischen ihnen und den amphibienhaften Sasseks, die im Tag leben. Der Tag-/Nachtzyklus läuft sehr langsam ab. So existiert eine Seite des Planeten sehr lange im Licht, die andere Seite sehr lange in Dunkelheit. Daraus folgen dann natürlich auch die entsprechenden Temperaturen von glutheiß bis eiskalt. Die ständige Wanderschaft prägt die gesamte Gesellschaft auf dem Planeten. Die Menschen bleiben in der Nacht, die Sasseks im Tag. Der dadurch entstehende Wechsel an den Grenzen wird von der Grauwacht gehütet. All das beruht auf einem alten Abkommen.

    grauwacht

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 432 Seiten
    seit 19.01.2015 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Für die Menschen bleibt wohl nur der zugeschneite Teil der Welt
    Im Zentrum des Romans steht Remon, der einst ein Guardista der Grauwacht war, diese aber wegen der Liebe zu seiner Frau Nata verlassen hat. Enna, ihre jugendliche Tochter, ist Zeichen ihrer Liebe und ihr ganzes Glück. Doch niemand darf die Grauwacht so einfach verlassen, denn jedem Guardista wird das Nabo verliehen, eine mächtige, äußerst seltene und wertvolle Substanz, die den Körper vor Verletzungen – auch schweren – schützt, wodurch die Krieger der Grauwacht fast unbesiegbar werden. Die Menge des Nabos ist begrenzt, sodass nur einige Hundert Guardista existieren können. Jeder, der die Grauwacht verlässt, nimmt also jemand anderem den Platz weg und erweckt damit die Gefahr, dass er draußen in der Wildnis stirbt und sein Nabo für die Gemeinschaft verloren ist.
    Als Remon von der Guardista Vorena gefunden wird, zwingt diese ihn, mit ihr nach einem verschollenen Guardista zu suchen. Sobald die beiden ihn gefunden haben, soll Remon vor Gericht gestellt und für seinen Verrat an der Grauwacht verurteilt werden. Auf Eidbruch steht der Tod. Während der Suche der beiden lernen wir die faszinierende Welt Bisola und die interessanten Konzepte, die sich der Autor für uns ausgedacht hat, näher kennen.

    Vorenas Auftrag endet aber nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat, und sie muss Remon ungestraft laufen lassen. Hier beginnt die eigentliche Geschichte, denn Remon entdeckt, dass seine Frau und seine Tochter ihre heimatliche Gemeinschaft verlassen haben, da sie Remon für tot hielten. Er macht sich auf die Suche nach ihnen – der erste von vielen Wendepunkten in der Geschichte.
    Wir folgen Nata in die Metropole Oculor. Dort will sie mit ihrem Vater sprechen, um mehr über die merkwürdige Veränderung der beiden Monde des Planeten herauszufinden. Warum färben sich die Monde mit einem Mal grün und blau? Liegt darin eine Gefahr für das Leben auf Bisola? Wird Remon Nata wiederfinden oder wird er doch noch von der Grauwacht gestellt und hingerichtet? Diese und viele andere Fragen treiben den Leser weiter. Das Buch hat jede Menge Drive und entwickelt sich nach den ersten hundert Seiten zu einem echten Pageturner.

    Wie in vielen Büchern von Robert Corvus erleben wir die Welt aus der Sicht von zahlreichen Protagonisten, ich beschränke mich hier auf diejenigen, die schon zu Anfang des Buches eine größere Rolle spielen.
    Remon hat eine starke Persönlichkeit und setzt die Stärke, die ihm das Nabo verleiht, dazu ein, seine Gemeinschaft bei der Jagd bestmöglich zu unterstützen. Als Vorena ihn erkennt, fügt er sich dem Unvermeidlichen, kämpft aber stets für seine Familie.
    Vorena ist eine prinzipientreue Frau, die in der Grauwacht als zänkisch verschrien ist. Sie sagt, was sie denkt und hält an Ehre und Treue in jeder Situation fest.
    Nata ist die Tochter eines angesehenen Weisen, die für ihre Liebe die Sicherheit der luxuriösen Metropole Oculor aufgegeben hat, in der niemand frieren oder hungern muss. Dies zeigt ihre starke Liebe zu Remon. Doch gleichzeitig ist Nata eine kluge Frau, die sich auf die Spur eines großen Rätsels setzt, um herauszufinden, was es mit der Veränderung ihrer Welt auf sich hat. Ein bisschen schade finde ich, dass der Autor versucht, Natas Suche mit ihrer Angst vor dieser Veränderung zu erklären. Die wissenschaftliche Neugier der Frau erscheint mir stark genug und wäre für mich eigentlich ein ebenso glaubwürdiges Motiv für ihre Suche.

    Das Setting der Geschichte macht den Roman zu etwas sehr Besonderem. Die Welt vermischt Fantasy- und SciFi-Elemente, denn es existieren Schutzschilde und andere Gerätschaften, die eher in eine zukünftige Welt passen. Doch der Autor verwebt all diese Komponenten sehr glaubwürdig miteinander. Das Nabo ist eine weitere außergewöhnliche Idee. Es macht die Grauwacht nicht nur interessant, es wirft Remon auch in ein Dilemma, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt. Wer das Nabo in sich trägt, trägt auch eine große Verantwortung. Und weil Robert Corvus für seine Konsequenz bekannt ist, habe ich während des Lesens schon sehr um den Mann bangen müssen.
    Durch das Einführen eigener Entfernungs- und Zeitangaben wird die Welt noch lebendiger. Strecken werden in Clicks gemessen, was auf mich wie ein Element aus einem SciFi-Roman wirkt. Besonders gefallen hat mir aber die Zeitmessung. Sie beruht vollständig auf den Monden, die sich um den Planeten drehen. So gibt es den Begriff »Doppelmond«, der den Moment bezeichnet, wenn die beiden Monde des Planeten genau hintereinander stehen. Zwischen zwei Doppelmonden liegt in etwa ein Jahr. Weitere Zeitabstände kann man an den Umläufen der beiden Monde ablesen. Dabei braucht einer der Monde (Mezza) sehr viel länger als der andere (Dya), sodass sich vielfältige Zeitenteilungen ergeben. Dies alles ist wunderbar in die Geschichte integriert und macht sie sehr stimmungsvoll.
    Doch das sind nicht alle Idee, die der Autor in das Buch gesteckt hat. An jeder Ecke trifft der Leser auf neue Einfälle und es scheint, als lese man nicht nur diesen einen Roman, sondern als stöbere man in einer ganzen, reichhaltigen Bibliothek.

    Robert Corvus schreibt gewohnt klar und nicht verschnörkelt und der Roman liest sich genau so, wie ich es gerne habe. Besonders bei Kämpfen bemerkt man, wie tief sich der Autor mit der Materie beschäftigt hat. Er beschreibt die verschiedenen Bewegungen wunderbar und sehr treffend. Ich persönlich mag lange Kampfbeschreibungen nicht so sehr, auch wenn sie zu Fantasybüchern gehören, doch es ist schön zu merken, dass der Autor weiß, wovon er spricht.
    Die konsequente Umsetzung der Welt kommt auch in der Sprache gut rüber.
    Ab etwa der Mitte des Buches versetzt uns der Autor gar in einen Sassek. Robert Corvus gelingt es sehr gut, dieses fremde Volk glaubwürdig zu machen und die Welt der Menschen auf Bisola aus den Augen der Amphibie zu beschreiben. Es machte sehr viel Spaß diese Kapitel zu lesen.

    Fazit

    Ein genialer Roman, bei dem ich den Moment gefürchtet habe, in dem ich den letzten Satz lese. Charaktere, Setting und Plot sind sehr glaubwürdig umgesetzt. Es gibt so viele Wendepunkte, dass es nie langweilig wird und man jedes Mal einen anderen Aspekt dieser tollen Welt erforschen kann. Ich fand alle Bücher des Autors sehr gelungen, doch dieser Roman war mit Abstand das Beste, das ich bisher von ihm gelesen habe.

    Wertung


    Pro

    • Cooles Setting, sehr konsequent durchgezogen
    • Charaktere sehr glaubhaft
    • Viele Wendepunkte und guter Drive der Geschichte
    • sprachlich nicht verschnörkelt, sondern direkt und auf den Punkt
    • großes Rätsel um die Welt

    Contra

    • eingestreute Interludien am Ende der Abschnitte sind etwas verwirrend

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Science-Fiction
    von Dominik Schmeller 18.Apr.2016 745 x gelesen