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    Es ist schon erstaunlich, wie viele erfolgreiche Autoren aus dem kleinen Island kommen, wenn man die überschaubare Einwohnerzahl bedenkt. Aber gut, bei der Fussball-EM haben die Isländer ja auch die ganz Großen geärgert. Kann Steinar Bragi mit seinem Thriller Hochland auch bei den Großen mitspielen.

    hochland_cover

    (c) DVA
    Umfang: 303 Seiten
    seit 12.09.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Unfall in Island
    Zwei befreundete Pärchen sind mit dem Auto im unbewohnten Hochland Islands unterwegs, als sie im Nebel die Straße aus den Augen verlieren und gegen ein Haus prallen. Die Bewohner, ein altes Ehepaar, sind zwar verschroben aber hilfsbereit. Durch einen Sturm sitzen die vier Freunde erstmal in dem Haus fest und nach und nach wächst das Misstrauen gegenüber dem Ehepaar. Wieso wohnen die beiden im Obergeschoss und die Tür zum Erdgeschoss ist verriegelt? Was hat es mit den Füchsen auf sich, die ums Haus streunen? Und wieso steht eine einsame Laterne scheinbar nutzlos auf dem Hof und brennt doch jede Nacht?

    Ich bin ehrlich: Von Bragis Erstling „Frauen“ habe ich nie gehört und auch „Hochland“ wäre komplett an mit vorübergegangen, hätte der Verlag uns nicht unaufgefordert ein Leseexemplar geschickt. Von den Vergleichen mit Stephen King und dem reißerischen Slogan „Dieser Mann beherrscht alle Schattierungen des Horrors“ neugierig gemacht, begann ich mit der Lektüre.

    Bragi erzählt die Geschichte aus den Perspektiven aller vier Freunde, wobei er innerhalb eines Kapitels stets bei einer Figur bleibt. So erfahren wir einiges über sie, leider aber nicht unbedingt durch Dialoge oder Handlungen, sondern durch oft seitenlange Rückblicke auf deren eigenes Leben bzw. das eines anderen, incl. beruflichem Werdegang, missglückter Beziehungen und so weiter. Mit diesen Abhandlungen lernen wir die Figuren zwar kennen, aber der Autor stört immer wieder nachhaltig die ansonsten durchaus geschickt aufgebaute Mystery-Atmosphäre um das Haus, seine Bewohner und seine Umgebung.

    Im weiteren Verlauf wird es immer rätselhafter und zuweilen kommt durchaus Spannung und sogar ein bisschen Grusel auf, aber das Ende hat mir das Buch nachdrücklich verleidet. Der Autor verliert sich in philosophischen Gedankengängen, führt die ganze erlebte Handlung quasi ad absurdum und lässt den geneigten Thriller-Fan am Ende ziemlich ratlos zurück. Das mag den einen oder anderen Feuilletonisten begeistern (wobei ich selbst das nicht nachvollziehen kann, denn auch stilistisch bietet Bragi nichts Besonderes), vom Standpunkt eines Thriller-Lesers hat das Buch aber trotz guter Ansätze das Thema weitgehend verfehlt.

    Fazit

    Steinar Bragi mag unter Feuilletonisten eine große Nummer sein, klassische Unterhaltungsliteratur liefert er hier allerdings nicht und mit Horror oder Stephen King hat die Lektüre von Hochland nur selten etwas zu tun, auch wenn zuweilen durchaus Atmosphäre aufkommt. Der Verlag muss sich vorhalten lassen, dass er mit Cover, Titel und Buchrückseite wohl die falsche Klientel anspricht, denn der geneigte Horror-/Thriller-Fan wird hier wohl kaum glücklich.

    Wertung


    Pro

    • durchaus atmosphärisch
    • Mysterium wird geschickt aufgebaut

    Contra

    • Auflösung führt fast alles ad absurdum
    • Figuren werden durch elend lange Abhandlungen vorgestellt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Horror
    von Jörg Benne 23.Sep.2016 1.886 x gelesen
    • Anwalt65

      Alles vollkommen treffend beschrieben. Langatmig. Ab Seite 250 von 303 nimmt das Ganze Fahrt auf…