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    Horrorstör. Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich musste bei diesem Titel erst mal an Fisch denken. Sowas wie Sharknado, Haie im Supermarkt oder ähnliches, nur mit Kaviar-Produzenten. Die Wahrheit sieht anders aus, ist aber auf ihre eigene Weise auch ziemlich abgefahren.
    Durch seine besondere Aufmachung ist Horrorstör auf jeden Fall ein echter Blickfang. Das Buch kommt im Look eines hochwertigen Möbelkatalogs daher, samt pseudo-skandinavischen Artikelbezeichnungen und Preisangaben auf dem Cover. Auf den zweiten Blick bemerkt man dann ein paar verstörende Details in der Kulisse und spätestens die Rückseite verheißt düstere Ereignisse in der vermeintlichen Wohnidylle. Nicht umsonst prangt die Bezeichnung „Thriller“ unter dem Titel, genauer gesagt handelt es sich um eine Horrorstory mit einer Portion schwarzem Humor.

    horrorstoercover

    (c) Knaur
    Umfang: 276 Seiten
    seit 01.09.2015 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    „Es ist nicht bloß ein Job. Es ist der Rest deines Lebens.“
    Als noch günstigere Alternative zu IKEA und Konsorten hat sich das ORSK-Einrichtungshaus an zahlreichen nordamerikanischen Standorten etabliert. Ausgefeilte Marketing-Strategien sorgen dafür, dass die Kundschaft bereitwillig ihr Erspartes in die mehr oder weniger sinnvollen Produkte des Unternehmens investiert. So auch in der Filiale von Cuyahoga County, Ohio. Verkaufsmitarbeiterin Amy verdient sich dort nach einem abgebrochenen Studium ihre Brötchen, betrachtet die Unternehmensphilosophie aber eher zynisch. Im Gegensatz zu ihrem Vorgesetzten Basil, der ehrgeizig und hohle Phrasen dreschend die Karriereleiter erklimmen will. Dummerweise kommt es im Laden in letzter Zeit zu nächtlichen Akten des Vandalismus.
    Um Nachforschungen der Geschäftsleitung zuvorzukommen, bringt Basil Amy und eine weitere Mitarbeiterin durch die Aussicht auf eine beachtliche Geldprämie dazu, mit ihm gemeinsam den Vorfällen auf den Grund zu gehen. Zwei weitere, nicht „eingeladene“ Kollegen lockt die Chance, als TV-Geisterjäger berühmt zu werden. Keine gute Idee, denn zwischen Brooka-Sofas und Kjërring-Regalen lauert das echte Grauen.

    Schwächen bei den inneren Werten
    Nicht nur der Umschlag ist im Katalog-Look gehalten, auch im Inneren bietet Horrorstör ein ganz spezielles Design, angefangen bei der grünlichen Schrift und dem Layout mit breitem Seitenrand, über Artikelabbildungen und -beschreibungen vor jedem Kapitel (die zunehmend gruselige Züge annehmen) bis zu Auszügen aus dem ORSK-Handbuch für Führungskräfte oder Rabattcoupons. Dieses Drumherum und auch der ungewöhnliche Schauplatz machen das Buch interessant, auch wenn die eigentliche Gruselgeschichte weit weniger innovativ ist. Obwohl sich in den Kaufhausgängen einige Schockmomente ereignen, hat mich die Handlung nicht komplett fesseln können, zwischendurch gibt es recht langatmige Passagen und auch das Ende war etwas unbefriedigend. Auch beim Schreibstil kann der Roman nicht sonderlich punkten, die Formulierungen wiederholen sich z.B. des öfteren.
    Gelungen ist aber unter anderem die zwischen den Zeilen steckende Kritik am kopflosen Konsum, den Geschäftsmodellen ähnlicher Ketten oder dem Umgang mit ihrem Personal. Die Aussage ist durchaus unterhaltsam verpackt, man darf aber keine „echten“ Scherze erwarten, die den Leser ständig zum Lachen bringen. Der Humor ist eher leise und düster.

    Fazit

    Wer Bücher mit besonderer Aufmachung mag, sollte sich Horrorstör auf jeden Fall mal näher anschauen. Der Katalog-Look und die enthaltenen Details wie Artikelbeschreibungen oder Bestellformulare machen einiges her und lassen teilweise in Vergessenheit geraten, dass die eigentliche Horror-Geschichte keinen Innovationspreis gewinnen wird. Aber eben nur teilweise.

    Wertung


    Pro

    • sehr gelungene Aufmachung
    • interessantes Setting
    • Parodie auf Möbelhäuser, doofe Slogans und die Gesellschaft an sich

    Contra

    • nur mäßig spannende Horrorstory
    • einige zähe Passagen
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    Kategorien: Bücher, Horror
    von Christina Schmitt 2.Jan.2016 645 x gelesen