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    „Eines der besten Fantasy-Debüts des Jahres“ heißt es vielversprechend auf der Rückseite von Im Schatten der Giganten, dazu wird die Hauptfigur, der Dieb Easie Damasco, auch noch mit Captain Sparrow verglichen. Allerdings sollte man sich von der Aufmachung dieses Buches lieber nicht blenden lassen, aber dazu später mehr.

    schatten_giganten_cover

    Piper Verlag, April 2013
    Autor: David Tallerman
    399 Seiten
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    Strauchdieb klaut Riese

    Eigentlich hat Easie Damasco sein Leben schon auf Seite 1 verwirkt. Der Gelegenheitsdieb hat sich am Tross des Kriegsherrn Moaradrid vergriffen und den Strick schon um den Hals. Doch der Kriegsherr selbst greift ein – und kommandiert Easie zu den „Freiwilligen“ ab, dem Kanonenfutter seiner Truppe. Wie durch ein Wunder überlebt Damasco die folgende Schlacht, sitzt noch dazu auf einem Riesen, der ihm gehorcht, und kommt sogar noch mit einem dreisten Diebstahl aus dem Zelt des Kriegsherren davon. Aber damit fängt das Abenteuer erst an.

    Der Auftakt des Romans ist durchaus gelungen. Er ist spritzig geschrieben, Easies große Klappe erinnert in der Tat ein wenig an Captain Sparrow, und die Idee, ihm einen nicht besonders hellen Riesen an die Seite zu stellen, hätte durchaus Potenzial geboten.
    Leider schöpft der Autor dieses aber kaum aus. Im Grunde ist Easie die ganzen 400 Seiten auf der Flucht, mal zu Fuß, mal zu Pferd, mal in einer Kutsche, immer wieder verfolgt von den Schergen Moaradrids oder dem Kriegsherrn höchstselbst. Die Handelnden zeigen zunächst kaum eine Entwicklung, Zwischenmenschliches zwischen der Handvoll näher beschriebener Figuren bleibt Stückwerk und die Welt, durch die der Dieb hetzt, bietet nur leere Kulissen statt einer lebendigen Umgebung.

    Unsympathische Hauptfigur

    Darüber hinaus erweist sich Easie, der die Geschichte als Ich-Erzähler präsentiert, als Unsympath. Seine bisweilen große Klappe ist ja noch ganz amüsant (aber selbst das wird nicht konsequent durchgezogen), davon ab ist er jedoch ein egomanischer Feigling, dessen einziges hervorstechendes Merkmal seine bisweilen aufblitzende Dreistigkeit ist. Dass er im Klappentext als „furchtlos“ beschrieben wird, ist ein schlechter Scherz und hat nichts mit dem Inhalt zu tun.
    Keineswegs ist Easie jedenfalls ein durchtriebener Meisterdieb wie ein Locke Lamorra, dessen Pläne Charme haben, statt dessen ist er ein ganz gewöhnlicher Strauchdieb, dem die eigene Haut fast immer näher ist, als das Allgemeinwohl. So geht es ihm auch nur um sein Überleben und seinen Vorteil und er wird wie eine Schaluppe im Wind der Ereignisse getrieben – und da auch der Plot seine Längen und vor allem seine Lücken hat, reißt all das niemanden vom Hocker.

    Bliebe immerhin noch die Möglichkeit, dass uns hier rasante Action geboten wird, die wenigstens die Sword & Sorcery-Freunde zufriedenstellen würde. Aber Easie ist eben kein Kämpfer (auch wenn das deutsche Cover das suggeriert). Seine größte Kampfhandlung besteht darin, jemandem auf den Fuß zu treten, ansonsten versteckt er sich oder rennt weg. Ein paar Schlachten beobachtet er zwar, aber deren Schilderung wird oft durch innere Monologe, in denen Easie über den Ausgang und dessen Folgen nachsinnt, die Dynamik genommen.

    Fazit

    Nach gutem Beginn lässt Im Schatten der Giganten stetig nach. Es fehlt an Tiefgang, egal ob Figuren, Welt oder Plot, alles bleibt oberflächlich und blass. Nicht einmal Action wird viel geboten, die eine oder andere Fluchtszene wiederholt sich gar (2x zu Pferd, 2x mit Kutsche) und aus dem Gespann „gewissenloser Dieb trifft einfältigen Riesen“ wird viel zu wenig gemacht. Alles in allem eher eine Enttäuschung. Ich denke da wird das Jahr noch einige deutlich bessere Fantasy-Debüts bringen als das.

    Wertung


    Pro

    • gute Idee
    • stilistisch ok
    • gelegentlich aufblitzender Sarkasmus

    Contra

    • blasse Figuren
    • Welt besteht aus leblosen Kulissen
    • Fluchtszenen wiederholen sich
    • Logiklücken im Plot
    • hoher Preis

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 5.Mai.2013 1.243 x gelesen