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    In Kalypto – Die Herren der Wälder von Tom Jacuba entsteht vor uns eine reichhaltige Welt, bis ins letzte Detail geschildert und liebevoll gestaltet. Drei Charaktere mit völlig unterschiedlichen Motiven werden in ein perfides Spiel geworfen. Was wird aus dieser Welt, wenn das Zweite Reich Kalypto nach ihr greift?

    kalypto

    (c) Bastei Lübbe
    Umfang: 557 Seiten
    seit 16.04.2015 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Ein altes Reich kehrt zurück und reißt die Welt in den Krieg
    Die alte Zivilisation Kalypto erwacht nach sehr, sehr langem Schlaf. Die Welt hat sich verändert. Die Magierin Catolis bekommt den Auftrag, zusammen mit weiteren Magiern im Verborgenen herauszufinden, welche Völker nun auf dieser Welt leben und welches von ihnen am besten geeignet ist, dem Zweiten Reich Kalypto zu dienen.

    Mir fällt es schwer, die Handlung zusammenzufassen. Ich hatte schon beim Lesen das Problem, dass mir irgendwie der Drive im Buch gefehlt hat. Der Leser weiß nicht immer, wohin die Reise gehen soll. Das kann gut und spannend sein. Hier war es mir aber zu viel und ich war eher verwirrt, anstatt gespannt.

    Im Buch spielen drei Charaktere die Hauptrollen. Catolis ist die Drahtzieherin hinter allem. Sie stößt die Suche nach den Völkern an und dirigiert alles aus dem Hintergrund, hat immer alles im Griff und wirkt völlig von sich überzeugt.
    Lasnic ist ein Waldmensch, der nach einer sehr ungewöhnlichen und rauen Kindheit mit seinem Leben im Waldreich zurechtkommen muss. Der Charakter blieb für mich leider bis zum Schluss des Buches recht unsympathisch, auch wenn er sich in den letzten Zügen noch gebessert hat. Lasnic flucht gerne und ist ein Weiberheld.
    Ayrin wurde durch den mysteriösen Tod ihrer Mutter schon früh Königin und spürt oft das ganze Gewicht des Bergkönigreiches Garona auf ihren Schultern (und das ist massiv). Die Garonesen sind ein hartes und raues Volk und so ist es zeitweise auch ihre Königin. Sie muss ihre Stellung im Bergkönigreich behaupten und ihren Hass überwinden, den sie gegen ihre kleine Schwester Lauka spürt.
    Ich konnte ihre Gefühle teils recht gut nachvollziehen, streckenweise aber auch gar nicht. Als Charakter ist Ayrin ziemlich schwer greifbar. Ich hätte mir gewünscht, sie hätte ihren Willen mehr durchgesetzt und sich nicht von den »Älteren« so vieles vorschreiben lassen. Aber auch dies mag eine Eigenart der Garonesen sein, passen würde es zu diesem Volk.

    Das Besondere an diesem Buch ist auf jeden Fall die Welt, die der Autor Tom Jacuba hier erschaffen hat. Es gibt viele verschiedene Reiche, alle mit einem eigenen Volk belebt, das eigene Gedanken, eine eigene Sprache, Sitten und Lebensweise hat. Auf jeder Buchseite atmen diese Völker in ihrem eigenen Takt. Man muss nur einen Satz lesen und weiß sofort, wo in der Welt man sich gerade aufhält. Dies wird durch die vielen Wortneuschöpfungen des Autors unterstützt. Jedes Volk hat eine ganz eigene Art, die Dinge zu betrachten. So sprechen die Waldmenschen beispielsweise nicht von König und Graf, sondern von Waldfürst und Eichgraf. Schartan ist der Teufel und »ins Vorjahrslaub fallen« heißt sterben.
    Sosehr diese sprachliche Eigenart der Völker einen in den Roman zieht, sosehr kann sie auch den Leser verwirren. Dadurch verliert die Lektüre an Spannung. Das Buch wandert auf dem schmalen Grat zwischen »toll detailreich« und »zu detailreich, ich bin verwirrt«. Dazu kommt noch, dass es sehr viele Namen im Roman gibt. Leider ist es mir beim Lesen nicht gelungen, alle Namen immer parat zu haben, sodass ich einige Passagen nicht gleich verstanden habe. Auch dies ein Problem für die Spannung. Andererseits muss das bei einer so reichen Welt eben sein. Und es gehört zur Fantasy irgendwie ja auch dazu. Ein Namensregister wäre hier vielleicht nicht schlecht gewesen.

    Die Wortwahl des Autors ist passend auf jedes Volk zugeschnitten. Die Sprache lässt sich flüssig lesen und sie ist nicht zu poetisch.
    Etwas merkwürdig wirkte auf mich, dass Lasnic von seinem Vater immer nur als »Vogler« spricht. Das scheint sehr distanziert und ebenso wirkte der Charakter dann auf mich als Leser.

    Fazit

    Ein gutes Buch, dessen Handlung manchmal ein bisschen ziellos wirkt und das durch den extremen Reichtum an Details fast schon verwirrt. Ob ich den zweiten Teil lesen will, muss ich mir noch gut überlegen. Und dies sagt leider auch viel über die Qualität der Geschichte.

    Wertung


    Pro

    • eine wirklich gut ausgedachte, abwechslungsreiche Fantasy-Welt
    • ein Plot, der sich von anderen abhebt
    • trotz Mehrteiler ein halbwegs befriedigendes Ende

    Contra

    • zu viele Namen und Nebenhandlungen führen zur Verwirrung
    • eingeführte Personen scheinen nicht immer wichtig für die Geschichte
    • mit Lasnic eine unsympathische Hauptfigur
    • Charaktere konnten mir nicht ans Herz wachsen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Dominik Schmeller 13.Apr.2016 1.335 x gelesen