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    Mit „Die Soldaten“ begeisterte mich Tobias O. Meißner mit einer intelligenten und „anderen“ Art Fantasy rund um das Thema Militär und was es aus den Einzelnen macht. Auch in Klingenfieber nimmt sich Meißner wieder einen Archetyp der Fantasy vor: Die Amazone.

    klingenfieber

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 430 Seiten
    ab 12.11.2013 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Je Dorf ein Toter
    Stenrei ist ein Jugendlicher, dem seine Dorfwelt schon lange zu klein geworden ist. Er sehnt sich nach der weiten Welt und sieht seine Chance, der Dorfidylle zu entfliehen, als die Klingentänzerin Erenis in sein Örtchen kommt. Sie fordert den stärksten Kämpfer des Dorfes zum Zweikampf und verspricht ihm für den Sieg eine reiche Belohnung, besiegt und tötet ihn jedoch mit Leichtigkeit. Dann zieht sie weiter. Fasziniert folgt Stenrei ihr zum nächsten Dorf, wo sich das Spiel wiederholt. Es gelingt ihm, sie zu überzeugen, ihn mitzunehmen auf ihrem Feldzug gegen die Männer, bald schon verfolgt von der Obrigkeit, die ihrem Tun ein Ende setzen will. Was treibt diese Frau nur an?

    Der Beginn des Buches ist sehr gelungen. Man spürt die Faszination des Halbstarken Stenrei für die Amazone, die nicht nur hervorragend kämpfen kann, sondern (natürlich) auch wunderschön ist. Seine Gefühle, seine Begeisterung, aber auch seine Abscheu für ihre Taten kann man gut nachvollziehen und rätselt mit ihm, was Erenis antreibt, die für Männer nichts übrig zu haben scheint, außer der Klinge ihres Schwertes.

    Dann aber gibt es einen Bruch. Plötzlich erleben wir die Geschichte auch aus der Sicht der Amazone, dazu kommt noch ein Rittrichter ins Spiel, der die Jagd auf Erenis anführt und mit seiner herablassenden, frauenverachtenden Art all das verkörpert, was Erenis an den Männern hasst.
    Nachdem das große Geheimnis um Erenis‘ Herkunft und ihren Antrieb geklärt ist, erreicht die Handlung einen Tiefpunkt. Ein paar Zweikämpfe werden in wenigen Sätzen lapidar abgehandelt, die Beziehung zwischen Stenrei und Erenis bewegt sich ebenso im Schneckentempo vorwärts wie die Ermittlung des Rittrichters. Erst ein Zufall bringt noch einmal Schwung in die Handlung, aber das Abenteuer bleibt recht dünn und muss z.B. durch eine an Guy de Maupassants Novelle „Boule de suif“ angelehnte, ausführlichst geschilderte Kutschfahrt aufgeblasen werden.

    Im Weiteren gewinnt man den Eindruck, dass der Autor nicht mehr so genau wusste, was er eigentlich erzählen wollte. Die Vendetta der Amazone ist zwar noch der Hauptstrang, aber ebenso beleuchtet Meißner Stenreis Suche nach einem Platz im Leben und die schwer nachvollziehbare Besessenheit des Richters – und keiner der drei Stränge wird richtig zufriedenstellend erzählt. Zu wenig nachvollziehbar erscheinen Erenis‘ Motive, zu überzeichnet der Charakter des Rittrichters. Stenrei, zu Beginn noch tragende Figur und Sympathieträger, wird zunehmend zum Ballast degradiert und spielt im Hauptstrang der Geschichte eigentlich gar keine Rolle mehr, sondern bekommt eine kleine Parallelhandlung spendiert, weil wohl auch dem Autor klar war, dass er ihn nicht einfach verschwinden lassen konnte.

    Auch wenn der Roman stilistisch sehr gelungen und auch interessant aufgebaut ist (es gibt keine Kapiteleinteilung, ein Prolog folgt am Schluss), bleibt somit letztendlich ein zwiespältiger Eindruck. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Verlag für eine überflüssige Klappbroschur ohne Mehrwert und gerade mal 430 Seiten mit dicken Rändern 17 Euro verlangt.

    Fazit

    Nach gutem Beginn wurde Klingenfieber für mich mehr und mehr zur Enttäuschung. Der so sympathische Stenrei wird zur Mitte als reines Vehikel entlarvt, das zu Beginn gebraucht wird, um ein Geheimnis um die Lebensgeschichte von Erenis aufzubauen zu können. Aber gerade Stenrei war mir ans Herz gewachsen. Je unwichtiger er für die eigentliche Handlung wurde, desto weniger Spannung empfand ich, auch weil dem Plot nach der Klärung von Erenis' Geheimnis die Luft ausgeht und er nicht das einhalten kann, was der Auftakt versprach. Das ist schade, denn sprachlich bietet Meißner gewohnt hohes Niveau, dazu spannende Actionszenen und eine eigentlich gute Idee. So bleiben am Ende vor allem enttäuschte Erwartungen.

    Wertung


    Pro

    • sprachlich gelungen
    • interessante Ausgangssituation
    • Stenrei sehr sympathisch
    • Erenis zu Beginn faszinierend

    Contra

    • eigentlicher Plot ziemlich dünn
    • Rittrichter total überzeichnet
    • Stenrei wird zunehmend zur Randfigur degradiert

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 22.Nov.2013 1.580 x gelesen