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    Mit seiner zuerst im Episodenformat veröffentlichten Dystopie Silo eroberte US-Autor Hugh Howey auch hierzulande zahlreiche Leserherzen. Das neue Buch Level ist nun ein Prequel zum ersten Band. Ein Hinweis vorab: Ich empfehle es hier dringend, die beiden Bücher auch wirklich in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen, sonst nimmt man Silo einiges von seiner Spannung bzw. seinen Überraschungen. Auch für den folgenden Text spreche ich vorsichtshalber eine Spoiler-Warnung aus, falls ihr Band 1 noch nicht kennt.

    level_cover

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 432 Seiten
    seit 11.08.2014 im Handel
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Wie alles begann

    Level spielt sich auf mehreren Zeitebenen ab, zwischen denen ungefähr kapitelweise gewechselt wird. So verfolgt man einerseits die Ereignisse, welche vor vielen Generationen zum Bau und zur Besiedelung der Silos geführt haben, zum anderen geht es um Entwicklungen kürzer vor und schließlich dann auch noch während der Geschichte des ersten Bands.

    Das Jahr 2049. Donald Keene, studierter Architekt und nun in die Politik eingestiegen, wird Teil eines gigantischen Bauprojekts. Im Auftrag seines Mentors Senator Thurman soll er eine riesige unterirdische Bunkeranlage planen, die angeblich die Mitarbeiter einer Atommülldeponie und ihre Familien im Falle eines Unglücks aufnehmen wird. Erst mit der Zeit klärt man Donald über die wirkliche Bedeutung seines Entwurfs auf und selbst dann haben seine Auftraggeber noch einige brisante Geheimnisse…

    2110, Silo 1. Verwaltungsmitarbeiter Troy wird aus dem Kälteschlaf erweckt, um seine sechsmonatige Schicht abzuleisten. Denn in diesem Silo, der mächtigen Zentrale, wechseln sich für die Bewohner solche Schichten mit langen Phasen des Eingefrorenseins ab. Zumindest für die Männer – Frauen und Kinder werden, vermeintlich um Konflikte zu vermeiden, zwischendurch überhaupt nicht aufgetaut und es bleibt nur die vage Hoffnung auf ein Wiedersehen in der Zukunft. Eintönig und trostlos vergehen die Tage, der Trott wird für Troy jedoch durch diverse Notfälle aus den anderen Silos unterbrochen – was seinen Gemütszustand allerdings nicht gerade verbessert. Angesichts der alarmierenden Neuigkeiten muss er schwerwiegende Entscheidungen treffen. Außerdem kehren quälende Erinnerungen zurück, welche eigentlich durch die Einnahme spezieller Pillen unterdrückt werden sollen. Bald stellt Troy fest, dass auch in Silo 1 vieles anders ist als es scheint…

    Soweit die Aufteilung im ersten Drittel des Buches. Später wird der Architekten-Handlungsstrang durch Erlebnisse anderer Charaktere abgelöst, welche weiterhin abwechselnd mit der Geschichte aus Silo 1 erzählt werden. Man erhält so Einblicke in einen früheren Silo-Aufstand und erfährt außerdem, wie es dem aus dem vorherigen Buch bekannten „Solo“ vor Juliettes Ankunft ergangen ist.

    Beklemmende Atmosphäre

    Bei Trilogien ist der Mittelteil ja häufig etwas schwächer, im Fall der Silo-Saga habe ich das aber nicht so empfunden. Nicht alles erscheint völlig logisch, das Gesamtpaket ist aber stimmig und so kann man über vereinzelte nur bedingt glaubwürdig wirkende Details hinwegsehen. Der Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und es ist dem Autor gelungen, eine gute Balance zu finden. Durch die gelungenen Schilderungen hat man z.B. die Umgebungen lebendig vor Augen und kann sich in die Köpfe der Personen hineinversetzen, ohne dass das Ganze in ellenlange Beschreibungen und Monologe ausartet.
    In Sachen Hauptcharaktere gibt es diesmal eigentlich keinen hervorstechenden Sympathieträger – der Star des Buches ist seine Geschichte mit all ihren nach und nach enthüllten Geheimnissen und Wendungen.
    Neben der bereits bekannten und für viel Spannung sorgenden klaustrophobischen Grundstimmung unter der Erde stehen in Level vor allem Schuldgefühle im Mittelpunkt bzw. die wichtige Frage, welche Maßnahmen man ergreifen darf und welcher Preis bezahlt werden muss, um ein potenzielles größeres Übel abzuwenden. Die Story wird dadurch oft düster und recht deprimierend, aber auch interessant und regt zum Nachdenken an. Gemeinerweise endet die Handlung mit einem Cliffhanger, so dass das Warten auf den abschließenden dritten Band noch schwerer fällt.

    Fazit

    Level ist perfektes Lesefutter für alle Fans des ersten Bands. Die Stärke des Buchs ist erneut seine beklemmende, klaustrophobische Atmosphäre, kombiniert mit den nach und nach zum Vorschein kommenden Geheimnissen. Darüber hinaus regt es zum Nachdenken darüber an, wie weit man gehen darf, um seine Werte zu verteidigen. Kleine Schwächen im Bereich der Logik und der Charaktere stören den guten Gesamteindruck nur geringfügig.

    Wertung


    Pro

    • nach wie vor sehr interessantes Szenario
    • spannende, beklemmende Atmosphäre
    • viele Geheimnisse und Wendungen
    • gelungener Schreibstil und Aufbau

    Contra

    • manche Details erscheinen nicht hundertprozentig logisch
    • die Hauptpersonen könnten sympathischer sein

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 2.Okt.2014 1.533 x gelesen