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    Bei manchen Büchern ist das Cover so ansprechend, dass ich einfach nicht darum herumkomme, mindestens einen zweiten Blick zu riskieren. Andere Titelbilder schrecken mich dagegen eher ein wenig ab und lassen mich das entsprechende Werk gar nicht erst in die Hand nehmen bzw. anklicken. Beide Verhaltensweisen mögen manchem Buch unrecht tun, denn wie man weiß, trügt der Schein nicht selten. Trotzdem hat mich das Cover, genauer gesagt die Visage von Lord Limbus lange davon abgehalten, mit dem Lesen zu beginnen. Jetzt erzähle ich euch endlich, was das neuste Buch von Stephan Russbült (Die Oger, Dämonengold, Der Düsterkrallenwald) an inneren Werten zu bieten hat.

    lordlimbus

    (c) Bastei Lübbe
    Umfang: 448 Seiten
    seit 10.09.2015 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Eine zweite Chance?
    Der Erzmagier Reuben hat seinem Leben am Königshof aus politischen sowie moralischen Gründen den Rücken gekehrt und betätigt sich seit einiger Zeit als einfacher Priester einer abgelegenen Siedlung. Doch als Invasoren in das Dorf einfallen, versucht der Zauberer seine Gemeinde zu retten – allerdings ohne Erfolg. Im Gefecht segnet er das Zeitliche, was ihm aber zuerst gar nicht bewusst ist. Denn Reuben wurde zum lebenden Toten, der sich wegen seines vorangegangenen Verhaltens noch dazu mit dem Limbus herumschlagen muss, einem Ort, an den gottlose Menschen verbannt werden. Doch mindestens ein Gutes hat die neue Daseinsform: Reuben ist nun dazu in der Lage, auch andere Tote zu erwecken und mit dieser Armee Rache an seinen Feinden zu üben. Gleichzeitig versucht er jedoch (teils mühevoll), sich auch noch einen Rest Menschlichkeit zu bewahren und die Gewalt nicht eskalieren zu lassen.
    Ein anderer Handlungsfaden, der sich später mit Reubens Geschichte kreuzt, dreht sich um den verwaisten Sklavenjungen Jacob, welcher von einem recht skurrilen alten Kauz freigekauft wird und zusammen mit seiner Schicksalsgenossin Ava nun unter anderem das Geheimnis hinter den seltsamen Wahnvorstellungen des Alten lüften wird.

    Untot, aber nicht unkaputtbar
    Den Schreibstil der Geschichte fand ich sehr gelungen, düster, in den Dialogen etwas altmodisch und gut zur Welt des Buches passend. Nicht nur in Reubens Sicht auf die Dinge blitzt auch immer wieder eine Spur bissiger, schwarzer Humor auf. Unter anderem schildert der Autor interessante und detailliert beschriebene, makabere Zerfallserscheinungen des Protagonisten – Stück für Stück bröckelt dem Antihelden das modrige Fleisch von den Knochen, wenn ihm etwa eine steife Meeresbrise entgegenweht, oder er verliert durch verschiedene Zwischenfälle gar ganze Körperteile.
    Auch beim Ausgestalten von Nebencharakteren hat sich der Autor ins Zeug gelegt und ein paar recht ungewöhnliche Figuren als Begleiter erschaffen. So durchdacht die Charaktere auch sind und so verzweifelt Reuben auch versucht, seinen finsteren Trieben und Gedanken zu widerstehen – es fiel mir schwer, mich richtig mit dem Untoten und seinem Heer aus modernden Gestalten zu identifizieren. Deswegen war es ganz gut, dass mit Jacob noch ein zweiter, lebendiger Protagonist mit ins Spiel kam.

    Die Story ist, von den beiden wechselnden und sich dann auch überschneidenden Perspektiven mal abgesehen, relativ geradlinig erzählt und weiß durch den schon erwähnten Stil sowie einige nette Ideen gut zu unterhalten, auch wenn ab und an noch etwas mehr Spannung hätte drin sein dürfen.
    Ich war von einem Einzelband ausgegangen, denn im Titel und der Beschreibung deutete erst mal nichts darauf hin, dass es sich um den Teil einer Reihe handelt. Und auch beim Lesen sah es lange so aus, als ob die Geschichte in diesem einen Buch komplett zum Abschluss kommen könnte. Allerdings machen einige Entwicklungen zum Ende hin dann wohl doch eine Fortsetzung wahrscheinlich oder zumindest gut möglich.
    Kleine Anmerkung am Rande: Es haben sich einige Fehler wie etwa fehlende Buchstaben/ganze Wörter ins Buch geschlichen – der Lesefluss wird dadurch nicht ernsthaft unterbrochen, aber es ist mir eben aufgefallen.

    Fazit

    Lord Limbus erzählt die interessante Geschichte eines Untoten, der versucht, sich trotz aller Gräueltaten und Zerfallserscheinungen einen Rest Menschlichkeit zu bewahren. Gut gefallen haben mir neben dem gelungenen Schreibstil unter anderem diverse ungewöhnliche Ideen im Bereich der Nebencharaktere. In der Handlung hätte ich mir zwischendurch aber noch etwas mehr Action gewünscht und die Identifikation mit dem Antihelden fällt sicherlich nicht nur mir recht schwer.

    Wertung


    Pro

    • gelungener Schreibstil
    • interessante Charaktere
    • eigene Ideen trotz "Zombie"-Thematik

    Contra

    • Story könnte manchmal spannender sein
    • Identifikation mit Reuben fällt schwer
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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Horror
    von Christina Schmitt 30.Jan.2016 523 x gelesen