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    „Im Zweifel gegen die Angeklagte“ – so kann man die übliche Einstellung in der Welt von Marthas Widerstand zusammenfassen. Die Autorin Kerry Drewery entwirft in ihrem ersten auf Deutsch verfügbaren Buch eine düstere Vision des zukünftigen Justizsystems, bei der nicht zuletzt die Macht der Medien eine entscheidende Rolle spielt.

    marthaswiderstand

    (c) one by Lübbe
    Umfang: 426 Seiten (Hardcover)
    seit 16.03.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen


    Elektrischer Stuhl per Mehrheitsbeschluss

    England in der nicht genauer definierten nahen Zukunft: Die üblichen Gerichtsverhandlungen mit Zeugen, Beweisen, Richtern und Co. gehören der Vergangenheit an – über Schuld und Unschuld der Angeklagten wird per Internet und Telefon abgestimmt, begleitet von reißerisch aufgemachten entsprechenden Sendungen. Was die wieder eingeführte Todesstrafe angeht, entscheidet sich das Publikum in den meisten Fällen für deren Vollstreckung am Ende einer nur siebentägigen Haftzeit.
    Besonders schlecht scheinen die Karten für die sechzehnjährige Hauptfigur Martha zu stehen. Schließlich hat das Mädchen ganz offensichtlich einen beliebten Prominenten auf dem Gewissen, wurde mit der Tatwaffe in der Hand gestellt und gab den Mord darüber hinaus auch offen zu. Bei ein paar wenigen Zeitgenossen wie Marthas psychologischer Beraterin kommen allerdings Zweifel am Tathergang auf. Doch was will die junge Inhaftierte dann mit dem eventuellen Märtyrertod bezwecken?

    Gerechtigkeit sieht anders aus
    Der Leser begleitet Martha während der Haft von einer der täglich wechselnden Zellen zur nächsten. Immer beengter wird das Umfeld, immer beklemmender die Atmosphäre und immer schlechter die Behandlung. Durch die Ich-Perspektive werden die seelischen Nöte der Protagonistin hier sehr deutlich, durch viele Rückblicke wird außerdem nach und nach enthüllt, was zu den Ereignissen der verhängnisvollen Nacht geführt hat.
    Zwischendurch bekommt man Einblicke in die Situation einiger Nebenfiguren, insbesondere nimmt die Beraterin einen wichtigen Platz ein, welche selbst bereits schlimme Erfahrungen mit dem veränderten Justizsystem gemacht hat.

    Und dann wären da noch die an Drehbücher erinnernden Ausschnitte der fiesen Fernsehshow „Death is Justice“, die aus dem Gefängnis berichtet, Personen aus dem Umfeld der Betroffenen befragt und die öffentliche Meinung durch allerlei Tricks massiv beeinflusst. Medien-Unsitten, die man ansatzweise schon heute beobachten kann, werden in dieser Zukunftsversion auf die Spitze getrieben und Voyeurismus sowie einseitige Berichterstattung haben freie Bahn.
    Das Buch liefert damit ein spannendes Thema und an sich auch gelungene Gesellschaftskritik. Allerdings hätte man meiner Meinung nach noch mehr aus diesem Grundgerüst machen können. Vor allem so manche Enthüllung in der Story wirkte für mich zu vorhersehbar, außerdem blieben die Nebenfiguren meistens etwas zu blass. Vielleicht wird sich die Handlung ja in diesen Bereichen noch weiter entwickeln, denn im nächsten Jahr soll eine Fortsetzung erscheinen…

    Fazit

    Marthas Widerstand bietet eine interessante Grundidee, die auch durchaus solide umgesetzt wurde. Die gesellschaftskritische Dystopie zeigt, welche Auswirkungen etwa ungebremste Sensationsgier haben kann, und lässt auch die seelischen Nöte der Gefangenen deutlich werden. Letztendlich mangelt es dem Buch aber an einem gewissen „Wow-Effekt“ - einige Wendungen der Geschichte waren meiner Meinung nach schon zu früh vorauszusehen und auch die Nebenfiguren bleiben überwiegend ziemlich blass.

    Wertung


    Pro

    • spannendes Thema
    • gut dargestellte Medien-Manipulation
    • überzeugende Hauptdarstellerin

    Contra

    • teils vorhersehbare Entwicklungen
    • recht blasse Nebencharaktere

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 5.Apr.2017 978 x gelesen