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    Der schicke finstere Look von Nevernight mit seinem ungewöhnlichen roten Schnitt zieht schnell die Blicke auf sich. Doch kann der dicke Wälzer auch inhaltlich überzeugen?

    Das Gegenteil von Ponyhof
    Nachdem ihr Vater von politischen Rivalen hingerichtet wird, entgeht die zehnjährige Mia Corvere nur knapp der Ermordung. Ein geheimnisvolles Schattenwesen rettet das Mädchen und Mia wird bald darauf zur Schülerin eines gealterten Meuchelmörders. Doch selbst all das errungene Wissen, die Kampffertigkeiten und die rätselhafte Beherrschung der Schatten reichen nicht aus, um Rache an den mächtigen Feinden zu üben. Sechs Jahre darauf schließt sich Mia deshalb einer Ausbildungsstätte für Assassinen an, wo die Entschlossenheit und die Skrupellosigkeit der Schüler auf geradezu unvorstellbar harte Proben gestellt werden.

    Mias Ausbildung, immer mal wieder unterbrochen durch Erinnerungen an vergangene Ereignisse, macht einen Großteil der Handlung aus. Erzählungen über Schulen für Mörder, Krieger oder Magier sind natürlich erst mal nichts Neues, dem Autor gelingt es aber, dem Thema einen eigenen, größtenteils düsteren Touch zu geben. Die Lehrmeister und ihre Aufgaben sind ideenreich ausgestaltet, die Atmosphäre im Quartier des Ordens ist gnadenlos. Gegen die Giftmischerin dieser Bildungseinrichtung ist Professor Snape z.B. ungefähr so weich wie Zuckerwatte.

    (c) Fischer TOR
    Umfang: 704 Seiten (Hardcover)
    seit 24.08.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Das Lachen bleibt manchmal im Halse stecken
    Die Ereignisse der Handlung sind entsprechend häufig brutal und blutig, die Opferzahlen enorm. Definitiv nichts für Zartbesaitete. Trotzdem besitzt dieses Buch auch einen ausgesprochen sympathischen Sinn für Komik. Zahlreiche schwarzhumorige Einlagen sind zu finden, ohne dass das Ganze in Albernheiten ausartet.

    Der Erzähler hat einen erfrischenden, sehr unterhaltsamen Blick aufs Geschehen, was sich nicht zuletzt bei den in jedem Kapitel eingestreuten Fußnoten bemerkbar macht. Solche Texte finde ich spätestens seit den Bartimäus-Romanen interessant und hier erfährt man unter anderem viele fantasievoll ersonnene Details zur Geschichte und Kultur dieser Welt oder es gibt kurze Zusatzinformationen, welche die Skurrilität einer Situation unterstreichen.

    Verschiedene Besonderheiten machen das Setting zusätzlich einzigartig. Darunter etwa der spezielle Tagesrhythmus – da fast immer mindestens eine der drei Sonnen am Himmel steht, herrscht in diesem Szenario nur alle paar Jahre tatsächlich finstere Nacht. Aus diesem Umstand ergeben sich die unterschiedlichsten Folgen für die Gesellschaft, Religion und Lebensweise, nicht zuletzt für Mias Schattenfähigkeiten.

    Trust no one
    Da Mia es mit den Herrschenden aufnimmt und an mancher Ecke unliebsame Überraschungen und gemeine Wendungen auf sie warten, kommt trotz ruhigerer Phasen im Mittelteil zu keiner Zeit Langeweile auf. Die Heldin und ihre Mitschüler haben es wirklich faustdick hinter den Ohren und ungeachtet aufkeimender Freundschaften oder gar Ansätzen romantischer Gefühle (plus Sexszenen) kann man in den dunklen Hallen niemandem trauen.
    Neben der Hauptdarstellerin und ihrem durch bissige Kommentare glänzenden schattenhaften „Nicht-Katzen“-Begleiter bereichern dort auch einige gelungene Nebenfiguren mit individuellen Schicksalen und Motivationen die Story.

    Zu kritisieren finde ich da nicht allzu viel, lediglich Realismus-Fanatikern werden manche Szenen dann doch zu weit hergeholt und abgefahren erscheinen.
    Das Ende dieses Bandes stellt das Erreichen eines Etappenziels dar, der Erzähler deutet aber bereits an, dass dies erst der Beginn einer großen dreiteiligen Reise sein soll. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

    Fazit

    Mit einer gelungenen Mischung aus düsterer Spannung und Humor hat mich Nevernight wunderbar unterhalten. Die fantasievoll ausgestaltete Welt kann mit all ihren blutrünstigen Gemeinheiten und fantasievollen Details punkten, in der Meuchelmörderschule herrscht trotz bekannter Ansätze eine besondere Atmosphäre, die durch allerlei harte Prüfungen und fiese Wendungen keine Langeweile aufkommen lässt.

    Wertung


    Pro

    • tolle Mischung aus düsterer Spannung und Humor
    • faszinierendes Setting mit dichter Atmosphäre
    • überraschende Wendungen
    • interessante Charaktere
    • schick aufgemachtes Hardcover mit rotem Buchschnitt und hübschen Landkarten

    Contra

    • manchmal etwas übertriebene Action und Brutalität

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 27.Aug.2017 874 x gelesen