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    Dieser Debütroman mit seidig schimmerndem Einband hat einen recht ungewöhnlichen Weg hinter sich: Das Buch und seine beiden Nachfolgebände wurden trotz deutscher Autorin auf Englisch verfasst und dann von Londoner Literaturagenten zurück nach Deutschland gebracht, wo sie nun bei Penhaligon erscheinen.

    (c) Blanvalet
    Umfang: 416 Seiten (Klappbroschur)
    seit 19.03.2018 im Handel
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    Gedanken, Gefühle und Gefahren
    Rea Emris geht tagsüber ganz gesittet ihrer Tätigkeit als Schneiderin nach, stürzt sich mit geheimer Identität jedoch in illegale Straßenkämpfe, um ihr Verlangen nach Berührungen zu stillen. Denn Rea ist eine so genannte Magdalena – hat die Gabe, bei Hautkontakt mit dem Bewusstsein anderer Menschen zu verschmelzen und deren Gedanken zu lesen. Doch seit der Entdeckung der Magdalenen (oder besser Wiederentdeckung, denn auch die mittelalterliche Hexenverfolgung wird hier auf Ähnliches zurückgeführt) ist die Berührung nackter Haut strengstens untersagt und praktisch nur noch Eheleuten zum Zwecke der Fortpflanzung gestattet. Die Bevölkerung verhüllt sich meist von Kopf bis Fuß und schon der bloße Verdacht unzulässiger Aktivitäten wird von modernen „Rittern“ sowie üblen Korrekturanstalten geahndet. Besonders rigoros in der Durchsetzung von Regeln zeigt sich das englische Königshaus. Als Rea wegen ihrer Kampffähigkeiten zur verdeckten Beschützerin des von Attentätern bedrohten Thronfolgers verpflichtet wird, gerät sie quasi in die Höhle des Löwen…

    Es ist ein interessantes Setting, in das uns die Autorin hier entführt. Allerdings sollte man es wohl eher nicht als Zukunftsversion unserer eigenen Welt sehen (denn dann wären viele Entwicklungen doch zu krass und einige Elemente wenig logisch), sondern als alternative Variante mit schon vor Entlarvung der Magdalenen abweichender Historie.
    Man schreibt das Jahr 2054, verfügt über Smartphones, Tablets und selbstfahrende Vehikel, auch die lästigen Paparazzi würden allen Royals bekannt vorkommen. Doch gleichzeitig haben Dinge wie die Kleidung und die Moralvorstellungen einen Sprung mehrere Jahrhunderte zurück gemacht, Errungenschaften wie Theaterstücke und Discos sind nur im Geheimen zu beobachten. Daraus ergibt sich eine ungewöhnliche Mischung mit spannenden Ideen.

    Verstärkt wird dies nicht zuletzt durch die speziellen Fähigkeiten und Bedürfnisse von Menschen wie Rea. So existieren beispielsweise verschiedene Unterarten der „Magier“, die unterschiedliche Ausprägungen ihrer Gabe aufweisen. Eine wichtige Rolle spielen auch die „Hautgier“ und die „Geistgier“, das in seiner stärksten Form schon an Drogenentzug erinnernde Verlangen nach der Verbindung mit anderen. Reas Kampf dagegen wird ebenso wie die, mit eigenen Gefahren verbundene, vorübergehende Stillung der Gier überzeugend geschildert und sorgt für brenzlige Situationen.

    Mittendrin statt nur dabei
    Rea ist eine sympathische Hauptfigur, die gegen die Konventionen ihrer Welt aufzubegehren beginnt und gegen Selbstzweifel ankämpft. Durch die Erzählweise im Präsens und der ersten Person ist man unmittelbar im Geschehen und erhält einen direkten Einblick in die Gedankenwelt der Heldin sowie traumatische Erinnerungen.
    Im Bezug auf manche Erkenntnisse kam mir die Hauptperson ein wenig begriffsstutzig vor, aber das ist wahrscheinlich Reas Aufwachsen unter den gegebenen Umständen geschuldet. Beziehungsweise ist man als Leser eben meistens schlauer…
    Einige charismatische Nebenfiguren geben der jungen Frau Rätsel auf, werden zu treuen Verbündeten oder gefährlichen Widersachern. Eine wichtige Rolle spielt dabei insbesondere ihre unfreiwillige Verbindung zum Kronprinzen, aus der genretypisch natürlich bald viel mehr wird als die anfängliche Zweckgemeinschaft. Was die Gefahren aber keineswegs verringert.

    Etwas schade fand ich, dass sich die Handlung noch fast ausschließlich auf London beschränkt (wobei die Metropole in ihrer veränderten Form durchaus reizvoll ist). Nach einem dramatischen und wendungsreichen Finale sowie dem ziemlich offenen Ende deutet sich aber bereits an, dass uns der Weg in der Fortsetzung zu einem neuen Schauplatz führen wird.

    Fazit

    Palace of Glass bildet den Auftakt einer Trilogie mit spannender Thematik und sympathischer Hauptfigur. Das ungewöhnliche Szenario und die damit verbundenen gesellschaftlichen Besonderheiten stellen die Heldin vor ganz besondere Herausforderungen, ihre interessant geschilderte Gabe ist dabei Segen und Fluch zugleich. Die wachsenden Beziehungen zu den Nebencharakteren sorgen für viele emotionale und dramatische Momente. Zu manchen Hintergründen hätte ich mir noch etwas mehr Informationen gewünscht, aber die Fortsetzung verspricht da schon teilweise Abhilfe.

    Wertung


    Pro

    • interessantes Szenario mit vielen Besonderheiten
    • sympathische Hauptfigur und gelungene Nebencharaktere
    • spannende Einblicke in die Gedankenwelt und die Sorgen der Heldin
    • wendungsreiche Story mit Action und Gefühl

    Contra

    • bezogen auf die Welt bleiben noch Fragen offen
    • die Heldin ist manchmal etwas naiv

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 4.Apr.2018 325 x gelesen