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    Nach ihrer international höchst erfolgreichen Trilogie Die Bestimmung entführt uns Veronica Roth nun ins Weltall. Diesmal weicht die Autorin vom allseits beliebten Dreiteiler-Schema ab: Rat der Neun – Gezeichnet ist das erste Buch eines geplanten Duos.

    Horoskope, die wirklich zutreffen
    Im Universum von Rat der Neun erhalten Menschen, üblicherweise beim Eintritt ins junge Erwachsenenalter, eine besondere Gabe, können dann etwa die Stimmung anderer Leute positiv beeinflussen, Dinge reparieren oder eigene Verletzungen in Sekundenschnelle heilen.
    Während diese mehr oder weniger hilfreichen Fähigkeiten bei jedem auftreten, sind nur wenige zusätzlich mit einem Schicksal „gesegnet“. Zentrale Fakten ihres Lebenswegs sind vorherbestimmt und können nicht abgewendet werden – die entsprechenden Orakelsprüche bieten allerdings meist deutlichen Interpretationsspielraum.
    Als die eigentlich geheim gehaltenen Schicksale eines Tages an die Öffentlichkeit gelangen, entfacht das die zuvor nur schwelenden Konflikte der schicksalsgesegneten Familien. Eine daraus resultierende Verschleppung führt die beiden ungleichen Hauptdarsteller zusammen: Akos, den jüngsten Sohn eines Orakels aus den eisigen Gefilden des Planeten Thuvhe, und Cyra, eine Art Kriegerprinzessin jenes Volkes, das den gleichen Himmelskörper bewohnt und mit den Nachbarn seit Generationen verfeindet ist.

    (c) cbt
    Umfang: 608 Seiten (Hardcover)
    seit 17.01.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Starke Figuren und komplexe Kulturen
    Die Geschichte wechselt kapitelweise zwischen den beiden Helden. Obwohl nur für das Mädchen die Rolle als Ich-Erzählerin gewählt wurde, während Roth die Akos-Abschnitte in der dritten Person schildert, fühlt man sich als Leser bald schon beiden gleichermaßen nah. Ihre Handlungen und Motive sind nachvollziehbar, passen gut zu den komplexen Persönlichkeiten mit all ihren Unzulänglichkeiten aber auch Ressourcen, die hier entwickelt werden.
    Cyra leidet auf Grund ihrer Gabe ununterbrochen schlimmste Schmerzen, welche bei Berührung auf andere Menschen übertragen werden – was sie für ihren älteren Bruder zum perfekten Folterwerkzeug macht und in schwere Gewissensnöte stürzt. Familienmensch Akos ist dagegen in der Lage, jeglichen Einfluss des „Stroms“, der hinter allen Fähigkeiten steckt, zu blockieren. Die vorsichtige Annäherung der beiden ist an sich natürlich wenig überraschend, wird aber schön und erfreulich kitschfrei erzählt.

    Bei all den fremdartigen Namen, kulturellen Besonderheiten und erst mit der Zeit nach und nach verständlich werdenden Details braucht man vor allem zu Beginn schon ein wenig Geduld. Belohnt wird der Leser aber mit einem interessanten und vielschichtigen neuen Szenario, welches trotz bekannter Themen (vorbestimmte Schicksale, besondere Gaben, Freundschaft und Liebe zwischen Angehörigen verfeindeter Völker…) auch einiges an Eigenständigkeit bietet und zum Erkunden einlädt.
    Es entsteht ein faszinierender und filmreifer Mix: Futuristische Technologien wie Raumschiffe oder synthetische Haut treffen auf altertümlich anmutende Kriegertraditionen oder mythische Orakel sowie Natur-Elemente wie „Rauschblumen“ und leuchtende Insekten, mit denen Handel getrieben wird. Das Setting mit seiner Atmosphäre hat mir wirklich gefallen, zumal auch der Schreibstil kaum etwas zu wünschen übrig lässt.

    Neben der Ausgestaltung der Welt liegt der Schwerpunkt hier klar auf der Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren. Einige gelungene Nebenfiguren sind vorhanden, deren Rolle könnte für meinen Geschmack aber noch etwas ausgebaut werden. Auch die Handlung kommt vor lauter Innenleben der Charaktere und seelischen Konflikten stellenweise eher langsam voran – Langeweile kommt in meinen Augen aber zu keiner Zeit auf.

    Fazit

    Der Start von Veronica Roths neuem Zweiteiler konnte mich überzeugen und neugierig auf die Fortsetzung machen. Die beiden starken Hauptfiguren mit ihren komplex ausgestalteten Persönlichkeiten stehen im Vordergrund. Die Geschichte entwickelt sich zwar stellenweise eher langsam, hat aber eine schöne Atmosphäre mit interessanten kulturellen Besonderheiten sowie einer gelungenen Mischung von Science-Fiction und altertümlich anmutenden Elementen zu bieten.

    Wertung


    Pro

    • interessantes, atmosphärisches Setting mit Mix aus Sci-Fi und Magie
    • gut ausgearbeitete Hauptcharaktere
    • glaubwürdige Beziehungen zwischen den Figuren
    • gelungener Schreibstil

    Contra

    • anfangs etwas verwirrend
    • zwischendurch eher langsame Story-Entwicklung

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 1.Feb.2017 700 x gelesen