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    Mit seinem Debütroman Red Rising konnte Pierce Brown in den USA bereits viele Leserherzen erobern. Jetzt kommen auch deutsche Bücherwürmer in den Genuss dieser faszinierenden Dystopie.

    Belogen und betrogen

    Der Mars in der fernen Zukunft: In den Tiefen einer Minenkolonie schuften der sechzehnjährige Darrow und seine Leute, um mit dem abgebauten Helium-3 die Planetenoberfläche für spätere Siedler bewohnbar zu machen. Doch nach einem traumatisierenden Zwischenfall muss der junge Hauptdarsteller erkennen, dass alles eine riesige Lüge ist. Während die unterdrückten Bergleute noch bedroht von Gasexplosionen, aggressiven Schlangen und anderen Grubenunglücken ihr ärmliches Dasein fristen und nur in Familie und Klan-Gemeinschaft ein wenig Freude empfinden dürfen, leben die Unterdrücker über ihren Köpfen schon längst in Saus und Braus.
    Um der Ungerechtigkeit ein Ende zu bereiten und das System von innen heraus zu zerstören, wird Darrow in das Institut eingeschleust, in welchem die zukünftige Elite seiner Feinde eine harte Ausbildung durchläuft. Welche Prozeduren er über sich ergehen lässt, damit er inmitten der durch beschleunigte Evolution hochgezüchteten Übermenschen nicht auffällt, verrate ich jetzt mal nicht. Fest steht aber, dass sowohl körperlich als auch seelisch zahlreiche Belastungsproben auf den Helden zukommen.

    redrisingcover

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 560 Seiten
    seit 27.10.2014 im Handel
    Leseprobe / bestellen bei Amazon

    Keine normale Schule

    Angesichts der Ausbildungsstätte muss man hier übrigens kein geruhsames Kammerspiel erwarten – schon nach kurzer Zeit wird die spannende, oft filmreife Handlung in einem weitläufigen Außengelände fortgesetzt, gegen das die Arenen von Panem wie ein mickriger Hamsterkäfig wirken. Mit der Bestseller-Reihe von Suzanne Collins hat Red Rising aber unter anderem den wenig zimperlichen Umgang mit seinen Figuren gemeinsam. Hier wird brutal verprügelt, verstümmelt und auch getötet, so dass ich das Buch wirklich nur älteren Jugendlichen und Erwachsenen ans Herz lege.
    Trotz aller Gewalt spielen aber unter anderem auch strategische Überlegungen, Bündnisse und Intrigen mit den daraus resultierenden, oft unliebsamen, Wendungen eine wichtige Rolle. Während seines Abenteuers trifft Darrow auf einige bemerkenswerte Nebencharaktere und er stellt fest, dass es auch unter den Nachkommen der verhassten Oberschicht Personen gibt, die seine Freundschaft verdienen. Nicht zuletzt solche Erkenntnisse bringen den Protagonisten ins Wanken, darüber hinaus ist er auch hinsichtlich seiner Handlungen alles andere als perfekt und muss mit den bitteren Konsequenzen diverser Fehlentscheidungen leben. Gerade auch diese menschlichen Schwächen machen den Ich-Erzähler trotz aller Brutalität einigermaßen sympathisch und gleichen die Tatsache aus, dass er bezogen auf körperliche Unverwüstlichkeit und sonstige kämpferische Leistungen ein wenig zu übermächtig erscheint. In manchen Szenen haben seine Gedankengänge und Formulierungen dafür schon etwas fast Philosophisches und Poetisches.
    Insgesamt hat mir die Atmosphäre mit ihrer Mischung aus actionreichen Begebenheiten, nachdenklichen oder traurigen Momenten und einigen Überraschungen sehr gut gefallen, auch wenn die eigentliche Story phasenweise eigentlich kaum voran kommt. Durch diverse herzzereißende Todesfälle und dramatische Schlachten wird man doch irgendwie immer wieder neu gefesselt.

    Nix für Raumschiff-Fanatiker

    Die Gesellschaft im Buch hat viele Bezüge zur antiken (hauptsächlich römischen) Mythologie, Kultur und Kriegsführung. Das beginnt schon bei den Eigennamen, etwa Augustus, Cassius oder Antonia, und setzt sich z.B. bei den militärischen und politischen Rängen fort. Was Science-Fiction-Elemente angeht, hält sich Red Rising über weite Strecken eher zurück. In der rauen Umgebung bekriegen sich die Jugendlichen meist eher mit recht primitiven, historischen Mitteln. Bei Details wie schützenden Kraftfeldern oder Schwebeschuhen macht sich dann aber doch die Technologie ihrer Zeit bemerkbar. Und ich gehe davon aus, dass in der Fortsetzung noch mehr Zeug dieser Art auftauchen wird. Apropos Fortsetzung: Zwar kommt der Handlungsfaden um den Krieg der verschiedenen „Schüler-Gruppen“ nach einem noch mal richtig dramatischen Finale zum Abschluss, in vielerlei Hinsicht hat Darrows Rebellion aber gerade erst begonnen.

    Fazit

    Wer Dystopien mit viel Action, aber auch raffinierten Wendungen mag, wird an Red Rising seine helle Freude haben. Auch wenn es einige Parallelen zu Die Tribute von Panem gibt, ist es dem Autor gelungen, den eigenständigen, fesselnden Auftakt einer neuen Reihe abzuliefern, deren Fortsetzung ich nun gespannt erwarte. Einen hohen Science-Fiction-Anteil darf man allerdings nicht verlangen, denn über weite Strecken geht die Geschichte fast eher in Richtung Historie oder Fantasy. Wegen des düsteren Szenarios mit vielen Brutalitäten sollten die Leser oder z.B. Geschenke kaufende Eltern außerdem die Altersempfehlung (ab 14) beachten.

    Wertung


    Pro

    • sehr interessantes Szenario
    • viel Action und einige überraschende Wendungen
    • gelungene Nebencharaktere
    • schöner Schreibstil

    Contra

    • Hauptdarsteller ist manchmal schon etwas zu hart im Nehmen

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Christina Schmitt 3.Nov.2014 1.710 x gelesen