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    Mit seinem Debütroman, dem Auftakt einer epischen Fantasy-Reihe, will Marc Turner nun auch den deutschen Markt erobern. Hat Schattenreiter wirklich „das Zeug, zum nächsten Klassiker der modernen Fantasy“ zu werden, wie es ein Zitat auf der Buchrückseite verspricht?

    Ein Diebstahl mit Folgen
    Ein machthungriger Abtrünniger hat das mysteriöse Buch der Verlorenen Seelen aus dem Turm der Magier entwendet, das seinem Besitzer unter anderem die Kontrolle untoter Streitmächte sichert. Das stößt nicht nur dem Totengott Shroud übel auf, der allerlei eigene Untergebene in die Schlacht schickt, sondern ruft auch diverse andere Parteien in den verschiedenen Teilen der Welt auf den Plan:
    Der Bewahrer Luker hat seinem Kriegerorden eigentlich den Rücken gekehrt, lässt sich aber dazu breitschlagen, an der Jagd auf das Buch teilzunehmen, weil er so seinem alten Lehrmeister zu helfen hofft.
    Romany, die luxussüchtige und reichlich eingebildete Priesterin einer anderen Gottheit, mischt sich im Auftrag ihrer Herrin in die Sache ein.
    Der erst schon von inneren Dämonen und außenpolitischen Problemen geplagte Prinz Ebon bekommt es in seiner Heimat mit einer Invasion der Untoten zu tun.
    Und die junge Nekromantin Parolla hat noch eine ganz persönliche Rechnung mit dem Gott der Toten offen.
    Erst gegen Ende treffen alle aufeinander und die Handlungsfäden fügen sich zum spannenden Finale zusammen.

    Schattenreiter von Marc Turner

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 784 Seiten
    seit 11.07.2016 im Handel
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    In unregelmäßigen Abständen (insgesamt relativ häufig und auch innerhalb der Kapitel) wechselt die Perspektive zwischen den vier Hauptfiguren. Der Leser wird recht unvermittelt in die Geschichten der einzelnen Charaktere geworfen und muss nach und nach deren jeweilige Hintergründe und die Startschauplätze kennenlernen. Statt die Informationen mundgerecht serviert zu bekommen, muss man sich die durchaus vorhandenen und interessanten Details zu den Personen, Ländern, politischen Situationen oder Gottheiten anhand von Dialogen, Gedanken oder Erwähnungen am Rande zusammenreimen. Etwas Geduld und Aufmerksamkeit wird also benötigt, um Freude an der schon durch die unterschiedlichen Sichtweisen komplexen Story und ihrer Welt haben zu können.

    Interessante Begleiter
    Ebon und vor allem Parolla haben mir besser gefallen als die beiden anderen Hauptpersonen, auch wenn sich z.B. im Laufe der Zeit herausstellt, dass Romany ihren nervenden Egoismus teilweise überwinden oder Luker auch mal Gefühle zeigen kann. Generell ist bei den Protagonisten eine Entwicklung innerhalb des Buches zu beobachten. Mehr Spaß als die Priesterin und der Bewahrer machen aber irgendwie ein paar coole Nebencharaktere – vor allem der sehr von sich überzeugte, verrückte, aber mächtige und freundliche Magier Mottle zaubert einem mit seinen Aussagen immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Schon dadurch bekommt die ansonsten oft düstere Handlung auch eine Prise Humor verpasst.

    Auch Freunde spannender Kämpfe kommen auf ihre Kosten, denn nicht zuletzt unter Shrouds Champions finden sich einige schlagkräftige, spektakuläre Gegner für die Helden und ihre Verbündeten. Unter anderem überzeugt der Einsatz der verschiedenen Magie-Formen – zwar ist zumindest das System aus verschiedenen elementaren Kräften mit Stärken und Schwächen nichts wirklich Neues (das kennt jeder Pokémon-Fan…), die Effekte der Zauber werden aber, wie der Rest der Gefechte, anschaulich und fesselnd dargestellt. Sowieso liefert Turners Schreibstil eine stimmungsvolle Atmosphäre mit gelungenen bildhaften Beschreibungen und filmreifen Momenten, die auch in der deutschen Übersetzung gut zur Geltung kommen.

    Auch wenn es sich um den Beginn einer Reihe handelt: Die Haupthandlung um das Buch der Verlorenen Seelen wird weitgehend befriedigend abgeschlossen, nur mit einigen losen Fäden und sich andeutenden größeren Zusammenhängen. Daneben finden sich meiner Meinung nach recht viele Anspielungen auf vorangegangene Abenteuer, etwa von Luker und seiner Assassinen-Gefährtin – da würden sich z.B. einzelne eBook-Episoden anbieten, wie es sie zu manch anderem Fantasy-Roman gibt.
    Der nächste Band, in den USA bereits erhältlich, ist zwar in der gleichen Welt angesiedelt, kommt aber mit ganz neuen Charakteren daher, bevor Teil drei dann anscheinend beide Szenarien wieder zusammenführt.

    Fazit

    Der Einstieg in die komplexe Welt dieses Buches wird dem Leser nicht ganz einfach gemacht, als Belohnung winkt aber eine spannende, schön geschriebene und übersetzte Geschichte mit abwechslungsreichen Handlungssträngen und Hauptfiguren. Letztere konnten mich nicht alle gleichermaßen begeistern, das ist aber mal wieder Geschmackssache und tut dem gelungenen Gesamtpaket kaum einen Abbruch. Fans epischer Fantasy-Wälzer machen mit dem Kauf auf jeden Fall nichts verkehrt.

    Wertung


    Pro

    • abwechslungsreiche, vielschichtige Handlungsfäden
    • gelungene Atmosphäre
    • coole Nebencharaktere
    • interessante Kämpfe und Zaubereien
    • fesselndes Finale

    Contra

    • etwas schwieriger Einstieg
    • nicht alle Hauptfiguren sind gleich interessant

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 6.Aug.2016 1.853 x gelesen