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    Mit Schwarzer Dolch veröffentlicht Alexey Pehov, einer der erfolgreichsten russischen Fantasy-Autoren (unter anderem Dunkeljäger), den Auftakt seiner neusten Reihe.

    Ruhet in Frieden, rastlose Seelen
    Ludwig van Normayenn zieht als so genannter Seelenfänger durch die Fürstentümer seiner spätmittelalterlich anmutenden Welt. Mithilfe eines magischen Dolchs kann er, wie auch die anderen Mitglieder seiner kämpferischen Zunft, ruhelosen Seelen die Energie entziehen und so düstere Untote erledigen oder auch friedlicheren Gespenstern den ewigen Frieden schenken. Unterstützt wird der reisende Krieger nicht nur sporadisch von alten Kollegen, sondern vor allem auch von einem oftmals zeternden, mit bissigem Spott nicht geizenden Seelen-Begleiter sowie einer zum Leben erwachten sichelschwingenden Vogelscheuche. Inmitten der monströsen Bedrohungen und politischen Ränkespiele seiner Abenteuer kann der Hauptdarsteller wirklich froh sein, diese ungewöhnlichen Weggefährten hinter sich zu wissen.

    Ich weiß jetzt nicht, ob es anderen Lesern auch so geht, aber mir sind schon recht früh im Buch einige Parallelen zu den heiß geliebten The Witcher-Büchern aufgefallen (hier die Rezension zum letzten Band). Wie Geralt ist auch Ludwig Mitglied einer kriegerischen Elite im ewigen Kampf gegen finstere Geschöpfe – teils verachtet und gefürchtet, andererseits für die erbrachten Dienste geschätzt (auch wenn manches Stadtoberhaupt wenig zahlungswillig ist…). Des weiteren führt er eine On-/Off-Beziehung mit einer schönen Zauberin, wirkt im Gefecht magische Zeichen, hat einen als Frauenschwarm aktiven Kumpel (wobei der hier nicht dichtet) und bereist eine teils ziemlich raue Welt mit düsterem Touch, in der aber auch immer wieder ein Schuss Humor aufblitzt und z.B. Elemente aus Märchen oder Legenden unterhaltsam verwurstet werden.

    schwarzer dolch cover

    (c) Piper Verlag
    Umfang: 480 Seiten
    seit 02.05.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Und wie die ersten beiden Witcher-Bände nutzt auch Schwarzer Dolch eine Art Episodenformat. Sechs Einzelabenteuer mit einem Umfang von ungefähr sechzig bis hundert Seiten lassen Ludwig unter anderem die Gefahren einer Stadt meistern, in der eine schreckliche Seuche wütet, oder schicken ihn zu einem Ball der Hexengilde, wo sich die seltsamsten Gestalten tummeln.
    Obwohl die Episoden relativ abgeschlossen sind, gibt es einen gewissen verbindenden Handlungsfaden. Ereignisse in einer Untergeschichte haben so Auswirkungen auf das, was später kommt. Da wird Ludwig z.B. als Strafe für sein vorangegangenes Fehlverhalten zum Schauplatz der nächsten Story geschickt oder Feinde, die er sich gemacht hat, wollen ihm später wieder ans Leder. Das letzte Kapitel endet offen und bereitet den Weg für den nächsten Band, welcher im Herbst erscheinen soll.

    Wie schon bei Dunkeljäger mit interessantem Sidekick
    Trotz der Ähnlichkeiten gelingt es dem Autor aber, eine eigenständige, fesselnde Atmosphäre aufkommen zu lassen, zu der neben fantasievollen Handlungssträngen nicht zuletzt die gelungenen Charaktere viel beitragen. Ludwig ist ein sympathischer Ich-Erzähler mit einem ironischen, doch durchaus menschenfreundlichen und toleranten Blick auf das Leben. Er gibt selbst vermeintlichen Scheusalen oder traditionellen Widersachern eine Chance und profitiert so von teils unverhoffter Unterstützung. Vor allem die stumme, mordlustige Vogelscheuche mit einem Faible für Kartenspiele und Gemüseschnitzen hat eindeutig Charme. Irgendwie mehr als Ludwigs Freundin Getrude, die (außer in einer Episode) recht blass bleibt und der meiner Meinung nach in einer Fortsetzung ruhig etwas mehr Platz eingeräumt werden könnte.

    Die abwechslungsreichen Schauplätze der ebenso vielschichtigen Episoden vermitteln den Eindruck eines alternativen Europas. Die Welt ist zwar nicht direkt die unsere, aber enthält z.B. Gegenden, welche viel von Italien, Frankreich oder bekannt wirkenden östlicheren Gefilden haben. Des weiteren ist dort auch das Christentum vorherrschend, inklusive Inquisition, Heiligenverehrung und gescheiterten Kreuzzügen. Ein Glossar am Ende des Buches verrät wichtige Details zu den verschiedenen Ländern, Kreaturen und anderen wichtigen Besonderheiten. Dank der im Anschluss abgedruckten Karte kann man vergleichen, wo die geografischen Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zum echten Europa liegen.

    Fazit

    Schwarzer Dolch beinhaltet mehrere kurzweilige Abenteuer eines sympathischen neuen Helden, der durch diverse Parallelen ein wenig an Witcher Geralt erinnert, aber - nicht zuletzt durch ungewöhnliche Begleiter - auch genug Eigenständigkeit zu bieten hat. Die sechs lose verbundenen Episoden glänzen mit abwechslungsreichen Schauplätzen, fantasievoll erschaffenen Kreaturen und spannenden Begebenheiten, abgerundet durch eine Prise Humor, z.B. in den Dialogen. Manche Elemente könnten ruhig komplexer ausgestaltet sein, etwa die Charakterisierung von Ludwigs (Fast-)Freundin, aber vielleicht ist dafür in der Fortsetzung Platz.

    Wertung


    Pro

    • sympathischer Ich-Erzähler
    • interessante, schräge Begleiter
    • abwechslungsreiche Schauplätze und Abenteuer
    • schöne Atmosphäre mit einer Kombination aus Finsternis und Humor

    Contra

    • fast schon zu viel Ähnlichkeit mit den Witcher-Büchern
    • könnte, z.B. bei manchen Nebenfiguren, komplexer sein

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 16.Mai.2016 1.068 x gelesen