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    Tobias O. Meissner ist für außergewöhnliche Fantasy-Romane bekannt, die mehr als nur Action & Abenteuer zu bieten haben. Mit „Die Soldaten“ hat er einen meiner Genre-Lieblinge verfasst, zuletzt konnte er mich mit „Klingenfieber“ jedoch nicht überzeugen. Läuft er mit „Sieben Heere“ zu alter Form auf?

    siebenheere

    (c) Piper Verlag
    Umfang 408 Seiten
    seit 09.11.2015 erhältlich
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Ein Dorf probt den Aufstand
    Ohne jede Vorwarnung marschieren sieben große Heere aus Nafarroa im Nachbarreich Akitania ein. Das Bauernvolk ist viel zu überrascht und so reicht eine Abteilung von 30 Mann pro Dorf, um diese zu besetzen. Auch im Dorf Hagetmau finden sich die Leute zunächst mit den neuen Herrschaftsverhältnissen ab, zumal sich der Anführer ihrer Besatzer als gemäßigt erweist. Doch dann kommt es in der Schenke zu einem folgenschweren Zwischenfall und mit einem Mal regt sich Widerstand. Aber können es einfache Bauern mit Soldaten aufnehmen?

    Normalerweise stehen in Fantasy-Epen die großen Schlachten und Feldzüge im Mittelpunkt – das könnte man dank des irreführenden Titels auch hier erwarten. Tatsächlich ist es jedoch ein vermeintlicher Nebenschauplatz, ein winziger Fleck auf der Landkarte, im Grunde ohne jede Bedeutung im großen Plan der Invasoren. Und es stehen auch keine Helden im Mittelpunkt, keine tapferen Recken. Es ist die unbedachte Tat eines Einzelnen, die Dinge ins Rollen bringt, die sich dann nicht mehr aufhalten lassen. Das ganze Dorf hat nur noch die Wahl, den beschrittenen Weg weiterzugehen oder gemeinsam die Konsequenzen zu tragen. Aber mit jedem Schritt in Richtung Widerstand müssen auch die eigenen Grenzen verschoben werden, müssen einfache Bauern plötzlich blutiges Soldatenhandwerk erledigen.

    Im Rahmen dieser Handlung, die nur wenige Tage im Leben der Hagetmauer abbildet (und Auftakt einer Serie ist), will Meissner nicht nur unterhalten. Er zeigt, wie im Krieg auf hehre Absichten schlimme Taten folgen, wie die Moral auf der Strecke bleibt und Gerechtigkeit ein Begriff wird, den jede Seite anders deutet. Er erzählt von Gruppenzwang und Mitläufern, von Anführern, die eigentlich nur das beste wollen, aber ihre Gemeinschaft immer näher an den Abgrund führen.

    Das hätte das Zeug zu einem neuen Meisterwerk, leider bleiben der Unterhaltungswert und die Glaubwürdigkeit der Ereignisse aber zuweilen etwas auf der Strecke. Das liegt an oft seitenlangen Diskussionen und Pläneschmiedereien unter den Dörflern, die abwägen was zu tun ist. Das Umschwenken einiger Beteiligter erscheint dabei nicht immer nachvollziehbar und vor allem die Besatzer verhalten sich manchmal geradezu dämlich.

    Aber auch mit einigen handwerklichen Entscheidungen des Autors bin ich nicht besonders glücklich. Da sind u.a. die Wortschöpfungen zu nennen. Wenn aus Soldaten Soldaren, aus dem Schamanen der Schemane und dem Greif der Gryph wird, ist das nicht nur wenig einfallsreich und eigentlich überflüssig, sondern ließ zumindest mich bei „Soldaren“ immer wieder wie über einen Tippfehler stolpern.
    Zum anderen entschied sich Meissner für einen allwissenden Erzählstil. Das mag zwar sinnvoll erscheinen, um eine möglichst neutrale Sicht auf die Ereignisse zu präsentieren, sodass der Leser selbst entscheiden muss, auf welcher Seite er steht. Aber durch das ständige und oft unvermittelte Hin- und Hergehüpfe zwischen den Gedanken der Figuren wuchs zumindest mir keiner der Charaktere wirklich ans Herz, sodass mir der Ausgang der Geschichte mehr oder weniger egal war. Außerdem wirkt die Erzählung so manchmal etwas zerstückelt, wozu auch die Einteilung in 109 Kapitel (bei gerade mal 408 Seiten) beiträgt. Das Ende kommt überdies recht abrupt.

    Fazit

    Eine großartige Idee für einen Fantasy-Roman, die leider an einer nicht immer geglückten Umsetzung krankt. Durch den allwissenden Erzähler und die Vielzahl der Figuren, in deren Gedanken man Einblick erhält, bleibt der Leser zu sehr auf Distanz zum Geschehen, was zusammen mit den oft arg langen Diskussionen und Pläneschmiedereien der Spannung schadet. Trotzdem noch ein lesenswerter Roman, aber da war mehr drin.

    Wertung


    Pro

    • großartige Idee
    • wirft viele Fragen über Moral und Gerechtigkeit und deren Beständigkeit im Krieg auf

    Contra

    • zu viele Diskussionen/Abwägungen
    • unnötig große Distanz zu den Figuren durch allwissenden Erzähler
    • Reaktion der Besatzer wenig glaubwürdig
    • hoher Preis für den schmalen Umfang

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 27.Nov.2015 1.026 x gelesen