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    Pegasus Press kombiniert neuerdings die beiden interessanten Themen Spielebücher und Comics – zwei erste entsprechende Bände sind bereits verfügbar und sollen euch im folgenden Artikel vorgestellt werden.

    (c) Pegasus Spiele
    Umfang: siehe Text
    Hardcover
    seit 15.03.2017 im Handel
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    Der Traum vom Heldentum
    Ritter – Wie alles begann ist, wie man unschwer bereits am Titel erkennen kann, eine Abenteuergeschichte. Dieses Buch enthält viele Fantasy-Rollenspiel-Anleihen und erzählt von drei Bauernjungen, welche in die Welt hinausziehen, um dem langweiligen Hofleben zu entkommen. Doch nur, wer auf seiner Reise genug „Bändchen der Beherztheit“ sammelt, kann sich Hoffnung auf eine Karriere als königlicher Ritter machen.
    Nach einem kurzen Prolog entscheidet sich der Leser bzw. Spieler für einen der drei Burschen und damit im Prinzip für eine Charakterklasse: Intelligenter Bücherwurm (→ Magier), kräftiger Holzfäller (→ Krieger) oder lustiger Scherzbold (→ Bogenschütze/Schurke/Waldläufer). Jeder Held hat unterschiedliche Startwerte in vier typischen RPG-Kategorien wie etwa Geschick. Vom Stärkewert hängt ab, wie viele entdeckte Gegenstände man im Gepäck verstauen darf. Alle Werte können im Lauf der Handlung dauerhaft verbessert werden, allerdings büßt man in manchen Fällen auch mal Punkte ein.
    Auf einem Abenteurerbogen am Ende des Buches können Einträge wie die Zahl der entdeckten Bändchen vorgenommen werden. Angehende Ritter müssen verschiedene Regeln beachten, unter anderem endet das Auswahlverfahren nach fünf Tagen. Ein Tag vergeht, sobald man auf das entsprechende Symbol stößt oder in einem Text darauf hingewiesen wird. Falsche Entscheidungen können die Hauptfigur wertvolle Zeit kosten.

    ritter_spielcomic

    Aber wie funktioniert das Ganze überhaupt? Nun: Die einzelnen Bilder im Buch sind durchnummeriert und an Stellen wie Kreuzungen wählt man eine der in der Szene zu sehenden oder in einem Text erwähnten Zahlen aus, die dann das nächste Ziel darstellt. Klettert der Protagonist weiter den Berg hinauf, oder wagt er einen kleinen Abstecher? Legt er sich mit den Banditen an, oder rückt er lieber sein Hab und Gut heraus? Und wie soll er mit einem Bettler am Wegesrand umgehen?
    Zahllose Entscheidungen wollen so getroffen werden, die Resultate lassen sich oft kaum voraussehen. Während Forscherdrang häufig mit Bändchen, Objekten und Werteboni belohnt wird, kann zu viel Neugier an anderen Stellen aber sogar tödlich sein (was einen Neustart des Abenteuers bedeutet).
    Ratsam ist es auf jeden Fall, sich die Umgebungen ganz genau anzuschauen, denn manchmal bewahrt etwa nur eine versteckte Zahl den Helden vor potenziellen Missgeschicken. Köpfchen ist bei den eingestreuten Rätseln gefragt, für deren Lösung weitere Bändchen winken. Unter anderem soll dafür beispielsweise eine Logik-Aufgabe erledigt werden.
    Wer nach Ablauf der Zeit genug Bändchen hat, wird wie versprochen zum Ritter geschlagen und darf mit seinen gesammelten Werten und Ausrüstungsteilen auf die bereits angekündigte Fortsetzung warten. Ich hoffe, dass dann die Abfrage von Stärke, Charisma und Co. noch einen etwas höheren Stellenwert einnehmen wird als bisher.

    Die Zeichnungen sind in einem sympathischen Stil mit einer Portion Humor gehalten und führen den Betrachter an interessante Orte wie ein Labyrinth oder eine Zaubererschule. Zwischendurch gibt es allerdings für meinen Geschmack etwas zu viele simple Landschaftsbilder mit Grasbüscheln oder Felsen und sonst nicht viel zu sehen. Vielleicht hätten z.B. ein paar zusätzliche Tierchen das Ganze etwas beleben können (Eichhörnchen, Murmeltiere etc.)? Andernorts sind aber durchaus nette Details vorhanden – eine lustige Entenmutter watschelt mit ihrem Nachwuchs über die Dorfstraße, Kinder rennen herum, ein Kaninchen schaut aus dem Gras…

    (c) Pegasus Spiele
    Umfang: siehe Text
    Hardcover
    seit 15.03.2017 im Handel
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    Für kluge Köpfe
    Möchtegern-Detektive kommen bei Sherlock Holmes – Die vier Fälle auf ihre Kosten. Als Sherlock Holmes oder sein treuer Assistent Dr. Watson untersucht man Tatorte, befragt Zeugen und kombiniert die beobachteten Hinweise. Nach dem ersten Trainings-Fall rund um einen verschwundenen Stubentiger können die weiteren Aufträge in beliebiger Reihenfolge gelöst werden. Auch die Hauptfigur lässt sich vor jedem Fall wählen – Holmes selbst bietet einen etwas höheren Schwierigkeitsgrad, weil er z.B. Personen nur drei Fragen stellen darf, während Watson vier zur Verfügung hat (wenn die Leute nicht schon vorher durch ungeschickte Formulierungen verärgert wurden). Darüber hinaus darf der Doktor – er ist schließlich Arzt – Verbrechensopfer untersuchen und erhält dadurch zusätzliche Hinweise. Und außerdem kann Sherlock ihm zwischendurch Tipps geben.

    sherlock_spielcomic

    Auch der Krimi funktioniert grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip wie die Ritter-Geschichte, also durch die Wahl verschiedener Optionen mit den damit verbundenen Bild-Zahlen. Der Schwerpunkt liegt hier aber weniger auf Reisen, sondern eben mehr auf Ermittlungsarbeiten wie den angesprochenen Befragungen.
    Ein praktisches Verzeichnis der wichtigen Charaktere unterstützt den nicht-linearen Aufbau des Buches. Wer nicht alle relevanten Schauplätze abklappert und wirklich ganz genau auf Details der Bilder und Dialoge achtet, kann schnell auf eine völlig falsche Fährte geraten. Die Fälle sind durchaus knifflig. Und auch hier können durch optionale Puzzles wie etwa Zahlenrätsel zusätzliche Punkte ergattert werden.

    Der Zeichenstil des Krimis ist bezogen auf die Umgebungen farb- und detailärmer als beim Fantasy-Gegenstück, passt aber recht nett zur Thematik. Beiden Spiele-Comics gemeinsam ist die hochwertige Aufmachung: Dank guter Papierqualität halten die Bücher das unerlässliche Hin- und Herblättern problemlos aus und durch die hübschen, geprägten Hardcover-Einbände sowie das jeweils vorhandene Lesebändchen machen sie sich auch recht schön im Sammlerregal.
    Eine Angabe zur Seitenzahl fehlt, der Umfang kann aber bei beiden Büchern überzeugen. Fast 400 Nummern finden sich im Ritter-Band, 325 bei Sherlock. Die Zahlen beziehen sich meistens auf ein konkretes Bild (unterschiedlicher Größe), manchmal füllt der entsprechende Abschnitt aber auch eine ganze oder sogar mehrere Seiten.

    Fazit:
    Die Spiele-Comics sind eine interessante Neuheit und bieten mit ihren Entscheidungsmöglichkeiten jeweils Futter für einige unterhaltsame Lese- und Betrachte-Stunden. Welchem der hübsch aufgemachten Bücher man den Vorzug geben soll, ist mal wieder Geschmackssache: Neugierige Fantasy-Rollenspieler werden sich bei den Rittern wohlfühlen, Sherlocks Buch ist ein Mitmach-Krimi für kluge Kombinierer und aufmerksame Beobachter. Letzterer Band enthält weniger Frustgefahr (es gibt keine vorzeitigen Tode), die Rittergeschichte hat dafür einen größeren „Wiederspielwert“. Optisch gibt es für beide noch kleine Verbesserungsmöglichkeiten, trotzdem hat man hier viel zu entdecken.
    Die Altersempfehlung ab 8 Jahren finde ich übrigens ein paar Jahre zu niedrig angesetzt – für die allermeisten Kinder dieses Alters wären die Bücher deutlich zu kompliziert.

    Kategorien: Abenteuer, Bücher, Fantasy, Spiele
    von Christina Schmitt 10.Apr.2017 613 x gelesen